Transportstreik in Spanien sorgt für leere Supermarkt-Regale auf den Kanaren


In Spanien geht der Transportstreik in die nächste Runde. Inzwischen leiden neben den Supermärkten auch die Tafeln für Bedürftige darunter. Erste Molkereien planen Produktionsstopps, da ihre Erzeugnisse nicht mehr abtransportiert werden. Das sind die Auswirkungen für die Kanarischen Inseln.

Lesedauer: 3 Min.

Leere Supermarktregale und verspätete Bestellungen sind nur zwei der Auswirkungen des aktuellen Transportstreiks in Spanien. Einige Spediteure haben unter anderem aufgrund der aktuellen Dieselpreise ihre Arbeit niedergelegt. Auf dem Festland gab es sogar Zusammenstöße mit der Polizei.

Schon Anfang des Jahres haben einige Spediteure darüber nachgedacht, in Streik zu treten. Hintergrund waren damals die Bedingungen für ihre Fahrer. Die Unternehmer wollten dafür sorgen, dass Fahrer beispielsweise nicht mehr für die Verladung zuständig sind. Der angedachte Streik stand unter dem Zeichen des Arbeitsschutzes.

Die aktuellen Spritpreise haben den Fokus verändert. Durch den Angriffskrieg Russlands in der Ukraine sind die Preise für Benzin und Diesel zwischenzeitlich so stark angestiegen, dass sich die Spediteure darauf konzentrierten.

Die Polizei meldet diverse Zusammenstöße mit Streikenden. Dabei soll es auch zu rechtsextremen Zwischenfällen gekommen sein. Nach Polizeiangaben standen diese im Zusammenhang mit dem Transportstreik.

Streik in Spanien sorgt für leere Supermarktregale und Lager auf den Kanaren

Auf den Kanarischen Inseln wirkt sich die aktuelle Situation unter anderem durch leere Supermarktregale und verzögerte Zustellungen, beispielsweise von Bestellungen aus dem Internet aus. Nun melden auch die Tafeln Probleme bei der Versorgung Bedürftiger.

So sagt beispielsweise der Präsident der Lebensmittelbank von Las Palmas zu Inforcasa: „Wir fangen an, viele Probleme zu bekommen.“ Inzwischen sei es kaum noch möglich, die Lager für Grundbedürfnisse aufzustocken, um Familien in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu unterstützen.

Pedro Llorca berichtet von einem unangenehmen Effekt, der durch das Zusammenwirken mehrerer Bedingungen ausgelöst wird. So habe der Krieg in der Ukraine die ohnehin bereits bestehenden weltweiten Transportprobleme verstärkt. Die Erhöhung der Treibstoffkosten habe den aktuellen Konflikt weiter angefacht, was sich in Summe nun zu großen Problemen in der Logistik auswirke.

Streik in Spanien: Molkereien müssen Produktion möglicherweise einstellen

Die Tafeln hätten inzwischen Probleme, Grundnahrungsmittel zu liefern. Beispielsweise bei Milch gehe der Bestand allmählich zur Neige. Und auch in den Supermärkten seien leere Regale längst nicht mehr nur auf Hamster-Effekte zurückzuführen, wie einige Kunden glauben.

Inzwischen haben erste Molkereien angekündigt, die Produktion einstellen zu müssen. Hintergrund sei der fehlende Abtransport. Insbesondere bei verderblichen Erzeugnissen wie Milchprodukten sei ein zwischenzeitlicher Produktionsstopp daher alternativlos, wenn sich keine Einigung abzeichne.

Spanische Regierung bietet Millionen-Paket an – Streik soll dennoch weitergehen

Die spanische Regierung hat angekündigt, der Transportbranche entgegenzukommen. Im Raum steht ein Hilfspaket im Wert von 500 Millionen Euro, um die gestiegenen Treibstoffkosten zu kompensieren. Die Branche hingegen kündigte an, vorerst weiter streiken zu wollen. Auch größere Transport-Unternehmen spielen dem Vernehmen nach mit dem Gedanken, sich den Streiks anzuschließen.

Der Druck auf die Regierung steigt dadurch. Ob sich auf diese Weise ein größeres Hilfspaket erzwingen lässt, ist derzeit noch nicht absehbar. Was hingegen schon jetzt klar ist, sind die Effekte für die Kanarischen Inseln.

Llorca sagt, dass die Situation durch die Tatsache verschlimmert werde, dass die Kanaren als verhältnismäßig abgelegener Archipel stärkere Auswirkungen spüren. Der Import von Gütern dauert stets länger als auf dem Festland. Mit jedem Tag, den der Streik länger dauert, verschlimmert sich demnach die Situation auf den Inseln. Auch daher hoffe er auf eine baldige Einigung zwischen Spediteuren und Regierung.

Ob und wann diese eintritt, ist derzeit weiter offen. Die aktuelle Sorge besteht darin, dass durch einen Produktionsstopp bei größeren Herstellern auf dem Festland eine Bugwelle an Verzögerungen für die Kanaren entstehen kann. Auch daher hoffen unter anderem die Händler der Kanaren auf eine baldige Einigung in Madrid.

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Über den Autor
Johannes Bornewasser sw klein

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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