Waldbrände auf La Palma: Blanke Wut auf deutschen Aussteiger

Entrüstung und Wut, teils sogar blanker Hass, werden dem Deutschen entgegengebracht, der als mutmaßlicher Auslöser der Waldbrände auf La Palma gilt. Der 27-Jährige wird im Internet als „Hippie“ tituliert und „dumm“ oder „verantwortungslos“ genannt. Auch Deutschland steht in der Kritik.

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Am Mittwochabend waren die Waldbrände auf der Kanareninsel La Palma ausgebrochen. Ein junger Deutscher hatte seine Notdurft im Wald verrichtet und das benutzte Toilettenpapier anschließend angezündet, um seine Hinterlassenschaften zu beseitigen. Die Flammen sprangen jedoch direkt auf den von einer Hitzewelle ausgedörrten Boden über und entzündeten so die riesige Feuerwalze, die inzwischen mehr als 4500 Hektar Wald verbrannte. Da sich der mutmaßliche Verantwortliche umgehend den Behörden stellte, wurden die Hintergründe binnen weniger Stunden bekannt.

Abertausende Kommentare zu den Waldbränden waren schnell im Internet zu finden. Einige Nutzer regen sich über die Zerstörung der Wälder auf, andere rücken in ihren Meinungsäußerungen das Bedauern über den Tod des Forstarbeiters in den Fokus. Wieder andere versuchen differenzierter zu schreiben. Doch eines haben alle Diskussionen gemeinsam: sie werden blitzschnell sehr emotional.

Feuer auf La Palma: Emotionale Diskussionen im Internet

Zu verdenken ist das den Kommentatoren auf der einen Seite nicht. Immerhin sind nicht nur rund sieben Prozent der Waldflächen La Palmas verbrannt. Auch ein Mann starb in den Flammen. Der 54 Jahre alte Forstarbeiter, der bei Löscharbeiten in der ersten Nacht ums Leben kam, hinterlässt eine Frau und fünf Kinder. Zudem wurden Tausende Menschen evakuiert. Einige müssen sich neue Existenzen aufbauen, sobald die Brände komplett gelöscht sind.

Auf der anderen Seite weisen einige Internetnutzer darauf hin, dass Menschen nicht perfekt seien und nicht als Freiwild dargestellt werden sollten. So schreibt ein Spanier: „Er hat seinen Fehler wenigstens erkannt. Andere, die ganz bewusst Feuer gelegt haben, haben das nie getan.“ Doch für diesen Kommentar hagelt es sogleich Kritik.

Ein Fehler sei es, braune Schuhe auf einem blauen Anzug zu tragen, antwortet ein weiterer Internet-Nutzer. Der vorliegende Fall sei dagegen etwas ganz anderes, heißt es in den Antworten. Ein Anderer schreibt dem verständnisvollen Autor kurz und knapp: „Gehen Sie zurück in Ihre Höhle“.

Spanier fordern Zahlungen aus Deutschland

Doch neben den Diskussionen über den Grad der Schuld des deutschen Aussteigers, wollen andere gleich dessen Heimatland in Regress nehmen: „Frau Merkel sollte diese Katastrophe bezahlen, weil es ein deutscher Staatsbürger war“, schreibt eine Spanierin und erntet die Zustimmung vieler Landsleute.

Auch bei „Teneriffa News“ wird der Fall kontrovers diskutiert: Einer unserer Leser schreibt: „Auch wenn es keine Absicht war, sollten es bei so viel Dummheit ein ‚paar‘ Monate mehr werden.“ Ein weiterer ist der Meinung, dass der 27-Jährige „für die Zerstörung von einem Viertel der Insel (…) für immer zum Wiederaufforsten und Pflegen verdonnert werden“ solle. „Außer Essen und Schlafplatz“ müsse er dafür nichts weiter erhalten.

Einem anderen Teneriffa-News-Leser ist die Diskussion dagegen zu emotional. Er kommentiert: „Oh man, was schreibt ihr da? (…) Das war Dummheit. Strafe ja, aber er bleibt ein Mensch. Ich hoffe für euch, dass euch sowas nicht passiert. Mal sehen, was ihr euch dann für Strafen wünscht!“

Waldbrand auf La Palma: Was über den Aussteiger bekannt ist

Doch wer ist der mutmaßliche Verantwortliche der Waldbrände auf La Palma überhaupt? Laut ersten Meldungen von offizieller Seite sei der 27-Jährige seit mehr als vier Jahren auf den Kanarischen Inseln unterwegs, davon lebe er seit etwa fünf Monaten auf La Palma.

Der junge Mann habe den Kontakt zu seiner Familie bereits vor Jahren abgebrochen. Auch jetzt, wo ihm bis zu zwölf Monate Haft wegen „schwer fahrlässigen“ Handelns drohen, wolle er keinen Kontakt herstellen. Er habe keine Vorstrafen und sei bisher auch nicht polizeilich in Erscheinung getreten, hieß es von offizieller Seite. Demnach sei er zwar insolvent, psychisch jedoch völlig stabil.

Auf La Palma hatte der Aussteiger zunächst in einer Scheune gelebt, später sei er dann in eine Höhle übergesiedelt. Viele Aussteiger ziehen sich in die Höhlen der Lava-Felsen auf den Kanaren zurück. Dort finden sie Schutz vor Wind und Wetter und viel Ruhe. Was es dort jedoch nicht gibt, sind sanitäre Anlagen, weshalb die Aussteiger ihre Notdurft oft in den umliegenden Wäldern verrichten. Genau das wurde dem Deutschen und ganz besonders La Palma nun zum Verhängnis.

La Palma: So breitete sich das Feuer aus

Alle Hintergründe zu den Waldbränden auf La Palma und weitere aktuelle Nachrichten von den Kanarischen Inseln finden Sie hier.

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Waldbrände auf La Palma: Blanke Wut auf deutschen Aussteiger


Veröffentlicht in: Kanaren, Aktuelle Nachrichten

1 Kommentar

  1. Enrique schrieb am

    Vielleicht sollten die zuständigen Behörden ein generelles Verbot erlassen, sich vorübergehend oder dauerhaft in Höhlen niederzulassen oder aufzuhalten. Dann hätte die Polizei eine Handhabe. Jeder hier legal niedergelassene Ausländer, der die Residencia besitzt und sich bei seiner Wohngemeinde angemeldet hat, muss sich irgendwie blöd vorkommen, den notwendigen Bürokratiegang erledigt zu haben.

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