Toter Pottwal vor den Kanaren entdeckt: Wieder Kollision mit Schnellfähre?


Erneut ist ein Wal-Kadaver vor den Kanarischen Inseln entdeckt worden. Der Meeressäuger trieb vor La Gomera. Sein lebloser Körper war in zwei Hälften zerteilt. Umweltschutzorganisationen vermuten eine Kollision mit einer Schnellfähre als Ursache.

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Sind Schnell-Fähren für die Unterwasser-Welt vor den Kanarischen Inseln eine Gefahr? Mit dieser Frage beschäftigen sich Forschende bereits seit Jahren. Immer wieder werden tote Tiere in den Gewässern der Kanaren entdeckt. Oft gilt stumpfe Gewalteinwirkung als Todesursache.

Der Pottwal, der nun vor La Gomera entdeckt wurde, trieb in zwei Teilen an der Wasseroberfläche. Eine Gruppe Walbeobachter hatte das tote Tier entdeckt.

Die Küstenwache verständigte schließlich die Organisationen M.E.E.R. und Ventana al Mar. Eine Expedition mit Vertretern beider Organisationen machte sich auf den Weg und suchte das tote Tier. Sie fanden es schließlich rund zwei Seemeilen vor der Küste La Gomeras.

„Der Verdacht liegt nahe, dass dieser Pottwal ein weiteres Opfer der vielen Hochgeschwindigkeitsfähren ist“, sagt Fabian Ritter, Meeresschutzexperte bei WDC und wissenschaftlicher Leiter des Berliner Vereins M.E.E.R. „Es gibt keine andere Erklärung für einen zweigeteilten Wal, als dass er von den scharfen Rümpfen der Fähren erfasst wurde.“

Die Schnellboote verkehren zwischen den Kanarischen Inseln. Ihre Reisegeschwindigkeit liegt oberhalb derer vieler Wale. Einige von ihnen leben ganzjährig in den Gewässern zwischen den Inseln, andere passieren sie lediglich. Bisher wurden 30 verschiedene Arten gesichtet, davon 24 vor La Gomera. Das bedeutet einen europäischen Rekord.

Wal-Kollisionen: Umweltschützer fordern Geschwindigkeitsbegrenzungen für Schnell-Fähren

„Grindwale, Große Tümmler und eben auch Pottwale sind um die Inseln fest ansässig“, sagt der Meeresbiologe Volker Boehlke vom Verein Ventana al Mar auf La Gomera. „Der Konflikt mit dem zunehmenden Verkehr zwischen den Inseln ist in den letzten 20 Jahren stetig größer geworden. Dabei spielen die immer schnelleren und größeren Schiffe leider eine wichtige Rolle“.

Ritter weist auch darauf hin, dass im Falle von Kollisionsspuren geklärt werden müsse, ob das Tier vor dem Zusammenstoß mit dem Schiff bereits tot war. Die Universität von Las Palmas auf Gran Canaria soll mit der Aufarbeitung betraut werden. Bis zu einem Ergebnis werde „es aber noch eine ganze Weile dauern“, sagt Ritter.

Organisationen wie WDC und M.E.E.R. setzen sich bereits seit längerem für Geschwindigkeitsbegrenzungen zwischen den Inseln ein. Auf diese Weise soll zumindest an Stellen, die für Wal-Vorkommen bekannt sind, mehr Sicherheit für die Tiere eingeführt werden. Bisher blieben die Bemühungen ohne Erfolg.

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Johannes Bornewasser sw klein

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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