Müllproblem auf Teneriffa zieht bald hohe Strafen nach sich


Teneriffa hat ein Müll-Problem. Bisher ist das ausgesessen worden. Doch jetzt muss dringend Veränderung her. Ab 2025 drohen harte Strafen. Worauf Politik und Verbraucher nun achten müssen.

Lesedauer: 4 Min.

Beim Abwasser drückt Teneriffa in einigen Inselteilen trotz scharfer Sanktionen der EU gleich beide Augen zu. In der Folge werden nicht nur rekordverdächtige Millionen-Strafen gezahlt, sondern auch immer wieder Strände wegen zu hoher Coli-Belastungen geschlossen. Ein ähnliches Szenario droht jetzt auch beim Müll. Und zwar schon ab dem Jahr 2025.

Das vom spanischen Kongress neu verabschiedete Abfallgesetz verpflichtet Teneriffa dazu, vor 2025 mindestens 55 Prozent des Abfalls zu recyceln. Weitere zehn Jahre später muss eine Quote von 65 Prozent erreicht werden. Andernfalls drohen weitere Umweltstrafen der EU.

Das Problem: Teneriffas Recycling-Quote liegt nichtmal ansatzweise in der Nähe der geforderte 55 Prozent. Denn obwohl der zugehörige Vertrag bereits 1985 unterzeichnet wurde und seit sage und schreibe acht Jahren gilt, wird erst jetzt gehandelt.

Der Inselrat für nachhaltige Entwicklung und den Kampf gegen den Klimawandel, Javier Rodríguez Medina, spricht von „Investitionen sowohl in den Umweltkomplex von Teneriffa als auch in die verschiedenen vorgesehenen Anlagen“. Was er meint, ist die Erhöhung von acht auf 16 Stationen zur Müll-Annahme und -Trennung.

Falscher Trend: Teneriffa produziert jedes Jahr mehr Müll

Das Ziel der Maßnahme sei die Erhöhung der Recycling-Quote. Und dafür stehen 52 Millionen Euro bereit. Doch es benötigt mehr als Geld, um die Menschen in ihrem Verhalten zu verändern. Der Schlüssel dazu ist Aufklärung. Und Zeit. Denn die bisherige Recycling-Quote Teneriffas ist mitunter grenzwertig niedrig.

Im nächsten Schritt soll erreicht werden, dass mindestens 42 Prozent der Kunststoffe verwertet werden. Außerdem 51 Prozent des entsorgten Stahls, 50 Prozent Aluminium,  38 Prozent Ziegel, 20 Prozent Glas, 18 Prozent Papier und Pappe sowie 37 Prozent des Hausmülls.

„Der neue Vertrag ist ehrgeizig und wird das Management, das wir in den letzten 35 Jahren hatten, verändern“, sagt Medina. Was er mit „ehrgeizig“ umschriebt, meint in Wirklichkeit ein Himmelfahrtskommando. Denn zuletzt stieg die Abfallbilanz nochmals.

2021 erzeugte Teneriffa 527.301.730 Tonnen Hausmüll. Das war eine Zunahme um etwas mehr als zwei Prozent, wie ein Blick auf die Zahlen des nationalen Statistikamts INE zeigt. Die 31 Gemeinden entsorgten dabei 413 Millionen Tonnen Müll, während die privaten Haushalte für 114 Millionen Tonnen und damit gerade mal gut ein Fünftel verantwortlich waren.

Mülltrennung: Teneriffa erreicht derzeit nur drei von nötigen 55 Prozent

Das eigentliche Problem zeigt ein genauerer Blick auf diesen Müll. Denn nur drei Prozent der organischen Abfälle konnten in die Kompostierung gegeben werden. Das ist der niedrigste Wert aller Kanarischen Inseln, die ansonsten bei fünf bis zehn Prozent liegen.

Der Grund für die verschwindend geringe Quote: Fehlende Bereitschaft zur Mülltrennung. Das sagt Alexis Sicilia, Präsident von Canarias Residuos Cero (ZWC). Er stellt nüchtern fest: „Das liegt weit entfernt von den 55 Prozent, die bis 2025 gefordert werden. Dazu kommt, dass bis 2035 sogar eine Quote von 65 Prozent garantiert wurde.

Minister Medina sagt dazu, dass es „immer noch viele Menschen gibt, die sich nicht an der Müll-Trennung für organisches beteiligen und gemischten Abfall wegwerfen“. Seiner Meinung nach löst das nur „die fünften Tonne“. Gemeint ist damit eine zusätzliche braunen Tonne für Bio-Müll. „Nur eine der 31 Gemeinden, nämlich Santa Cruz, hat damit begonnen, sie einzuführen“, sagt der Politiker.

Teneriffa: Organischer Müll macht die Hälfte des Abfalls aus

Er hofft, dass der neue Vertrag auch dabei helfen wird, den CO2-Fußabdruck der Insel zu verbessern. Denn aktuell bringen täglich 100 LKW rund 1600 Tonnen Abfall nach Arico. Allein das erzeuge an anderer Stelle schlechte Werte.

Der Schlüssel zu einem „nachhaltigen Teneriffa liegt in der Einführung einer Recyclingindustrie“, sagt Medina. „Das Problem liegt nicht in der gelben oder grünen Tonne, sondern in der Sammlung von organischen Stoffen, die mehr als die Hälfte des von uns erzeugten Abfalls ausmachen“, fasst der Politiker zusammen.

Müllproblem auf Teneriffa: Experte macht Industrie verantwortlich

Sicilia sieht das hingegen deutlich kritischer. Er erinnert daran, dass der Anteil des Restmülls zu einem verhältnismäßig geringen Prozentsatz von den Anwohnern produziert werde. Zwar verzeichnet auch er „das Fehlen des fünften Müll-Behälters“ und prangert es an. Doch das eigentliche Probleme liege tiefer.

„Ich glaube nicht, dass man mit Investitionen von 400 Millionen Euro in fünfzehn Jahren aufhören kann, den Müll in Arico zu vergraben. Denn das Problem liegt nicht in Arico und hängt nicht so sehr vom Cabildo ab, sondern von den multinationalen Unternehmen“, Sagt Sicilla. Es liege darin, dass „die Unternehmen weiterhin Äpfel und Birnen in Plastik verpacken“.

Der Recycling-Experte prangert schließlich auch die Politik an: „Verantwortungsbewusst zu sein bedeutet nicht nur, den Geldbeutel, sondern auch die Mittel und das Wissen einzusetzen.“ Meint: Die Politik muss nicht nur die Strafen rechnen, sondern die Industrie von vermeidbarem Abfall wegbewegen und den Menschen Anreize schaffen, Mülltrennung endlich ernst zu nehmen.

Schwarzmalen möchte Sicilla hingegen auch nicht. Er sagt abschließend: „Natürlich gibt es Raum für Verbesserungen. Aber es ist schwer zu glauben, dass wir in drei Jahren eine Recyclingquote von 55 Prozent erreichen können, wenn wir in dreißig Jahren nicht über die drei Prozent hinausgekommen sind“. Der Schlüssel zum Erfolg liegt also in einem Umdenken. Und das hat auf Teneriffa schon beim Abwasser kaum funktioniert.

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Über den Autor
Johannes Bornewasser sw klein

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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