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Streit um Franco auf Teneriffa: Denkmal für einen Massenmörder


In Teneriffas Hauptstadt steht ein Franco-Denkmal - gewidmet dem spanischen Diktator. Seit Jahren wird um das Kunstwerk gestritten. Jetzt entschied ein Gericht.

Von Johannes Bornewasser Lesedauer: 3 Minuten

Der Name Franco steht für Diktatur, Folter und Mord. Die Geschichte des antiliberalen und antisozialistischen Francisco Franco beginnt im Spanischen Bürgerkrieg 1936. Und sie dauert fast vier Jahrzehnte an.

Komplett ausgestanden ist die Zeit bis heute nicht. Denn Franco beschäftigt noch immer die Gerichte des Landes. Während andere Staaten die Denkmäler ihrer einstigen Diktatoren restlos beseitigt haben, gibt es in Spanien noch immer diverse Franco-Skulpturen. So wie in Teneriffas Hauptstadt Santa Cruz.

Das “Monument für Franco” von Juan de Ávalos ist eine riesige Bronze-Statue. Ihr Hintergrund macht das Denkmal hausgroß. Es steht Nahe dem Hafen an der Kreuzung der Rambla de Santa Cruz und der Avenida de Anaga. Und alle politischen Lager haben eigene Interessen für die Skulptur.

Gericht: Teneriffa muss sich um Franco-Denkmal kümmern

Die lokale Politik wehrt sich seit Jahren dagegen, das Denkmal unter Schutz zu stellen. Als Begründung wurde angegeben, dass es “keinen außergewöhnlichen künstlerischen Wert” habe. Nötige Unterlagen wurden daraufhin gar nicht erst bearbeitet. Nun entschied ein lokales Gericht zugunsten einer Interessengemeinschaft – wenn auch erst in zweiter Instanz.

Die “Vereinigung zur Erforschung und zum Schutz des historischen Erbes San Miguel Arcángel” beantragte, dass die Stadt Santa Cruz de Tenerife die Erklärung des Franco-Denkmals zu historischem Erbe bearbeiten muss. Die Vereinigung hatte geklagt, nachdem sich die Politik während der Regierungszeit von PSOE und CS weigerte, ein Verfahren zum Schutz der Skulptur einzuleiten. Und das Gericht gab den Gegnern dieser Entscheidung nun statt.

Seinerzeit wurde versucht, der Skulptur ihre künstlerische Daseinsberechtigung abzusprechen. Damit hätte sich die Stadt dem Schutz des Denkmals entziehen können. Doch das dritte Verwaltungsgericht von Santa Cruz de Tenerife entschied nun, das Denkmal habe “einen künstlerischen und kulturellen Wert, der es einer solchen Erklärung würdig macht”.

Politische Spielchen um Diktator-Denkmäler auf den Kanaren

Das Denkmal für Spaniens einstigen Diktator ist eines von etwa 70 Franco-Symbolen, die in den Katalog von Santa Cruz aufgenommen wurden. In Auftrag gegeben hatte diesen die Regierung der Kanarischen Inseln in der vorangegangenen Legislaturperiode des “Blumenpakts”, wie die vorherige Koalition aus PSOE, NC, Podemos und ASG genannt wurde. Das Ziel bestand darin, alle Franco-Symbole zu entfernen. Die aktuelle Regierung von CC und PP annullierte diesen Katalog umgehend. Und auch die Entscheidung, die Symbole zu beseitigen.

An der Skulptur für den früheren Diktator scheiden sich die Geister. Im Jahr 2016 war eine antifaschistische Botschaft in roter Sprache auf das Denkmal gesprüht worden. In der Folge wurden die Bemühungen, den Schutz des Denkmals in die Verantwortung der Stadt zu stellen, intensiviert.

Künstler fordern Umbenennung und Schutz der Franco-Skulptur auf Teneriffa

Das Gericht sekundierte diesen Antrag nun. Die Inselgesellschaft wurde also dazu verurteilt, den Schutz des Denkmals einzuleiten. Die einhergehenden Akten müssen daher vom Inselrat bearbeitet und dann der Regierung der Kanarischen Inseln zur Genehmigung vorgelegt werden.

Vor der Klage der “Asociación San Miguel Arcángel” hatte bereits die “Real Academia Canaria de Bellas Artes de San Miguel Arcángel” (RACBA) im Jahr 2018 den Schutz des Denkmals gefordert. Die Königliche Kanarische Akademie der Schönen Künste beantragte, den Titel der Skulptur zu ändern und diese dann unter Schutz zu stellen.

In dem Antrag hieß es, dass “jede Bezeichnung, die sich auf Frieden, Eintracht oder Versöhnung bezieht”, angebracht sei. Damals erklärte das Cabildo, erst dann eine Entscheidung zu treffen, wenn ein Bericht über die Vereinbarkeit des Werks von Juan Ávalos, das im Volksmund als Franco-Denkmal bekannt ist, mit dem Gesetz zur historischen Erinnerung vorliegt.

Auch José Manuel Bermúdez (CC) äußerte sich nun. Der Bürgermeister von Santa Cruz sagte, “die Genehmigung eines Katalogs mit franquistischen Symbolen nur für Santa Cruz” sei “absurd”. Die kanarische Regierung des Blumenpakts dürfe “diesem Denkmal nicht den künstlerischen Wert absprechen”.

Das Bronze-Denkmal aus dem Jahr 1964 zeigt General Franco mit einem Schwert in der Hand. Er steht auf dem Rücken eines Engels, der seine Flügel ausbreitet. Allein der Hintergrund durch den Hintergrund erreicht das Denkmal eine Breite von 30 und eine Höhe von 14 Metern. Kritiker bemängeln, das dem einstigen Diktator damit bis heute viel zu viel Raum gegeben werde.


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Streit um Franco auf Teneriffa: Denkmal für einen Massenmörder

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Johannes Bornewasser sw klein

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

Ihre Meinung

Kommentare zu:

Streit um Franco auf Teneriffa: Denkmal für einen Massenmörder


  1. RFK schrieb am

    Das Aufkommen dieses Themas steht in direktem Zusammenhang mit dem zu beobachtenden Erstarken der faschistischen Rechten! Das ist weltweit zu sehen. Nationalistisch-faschistisches Gedankengut wird vor allem über das Internet verbreitet. Ein besonders Interesse an dieser Entwicklung haben totalitäre Staaten wie Russland, aber auch der Iran und die Türkei, bei denen die islamische Komponente dazu kommt. Die Versuchung solchen ‘Führern’ zu folgen ist groß, gerade in Zeiten, in denen die Massen sich von verführerischen Kopfzeilen leiten lassen. Wo Menschen sich immer weniger Mühe machen, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen. Geschichtliche Erkenntnis und Erfahrung sind entweder nicht vorhanden, oder werden ausgeblendet bzw. verharmlost! Um so wichtiger ist es, dass sich die dagegen engagieren, die nicht vergessen haben, die die Anfänge und Zusammenhänge erkennen! Wir müssen die Demokratie verteidigen, das sind wir unseren Nachfahren schuldig! Und dazu gehört auch, Symbole faschistischer Zeiten abzubauen und nicht zu verherrlichen. Faschisten waren in ihrer Argumentation schon immer sehr kreativ, wenn es darum ging, demokratische Regeln zu nutzen, um ihrem Ziel, der Abschaffung der Demokratie, näher zu kommen.

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