Mit dem Abbruch jeglichen Handels mit Spanien droht Donald Trump nun ganz offen, und zwar als Reaktion darauf, dass die Regierung von Pedro Sánchez es abgelehnt hat, spanische Militärstützpunkte für einen Angriff auf Iran herzugeben. Auf den Kanaren lastet dieser Druck besonders schwer.
Auch London bleibt nicht verschont: Großbritannien hat ebenso die Nutzung der Basis „Diego Garcia“ für erste Offensivschläge verweigert und kassiert dafür Kritik. Spanien und etliche weitere europäische Staaten sehen in einem Angriff ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats einen Bruch des Völkerrechts. Damit liegen sie auf einer Linie mit dem, wie europäische Regierungen und internationale Völkerrechtler die UN-Charta gemeinhin auslegen.
Auf den ersten Blick mag das alles ein Zwist zwischen Washington, Madrid und London sein, doch für die Kanaren hat die Sache eine ganz direkte Seite. Die Inseln stehen wirtschaftlich schlechter da als das Festland, weil nahezu sämtliche Güter über Lieferketten auf die Kanaren gelangen, vom Essen über Maschinen bis hin zu Energieprodukten. Und dabei haben US-Unternehmen einen zentralen Platz.
Spanien scheut Konflikt mit Iran
Bereits die bloße Drohung mit einem Handelsabbruch sorgt für Unsicherheit, die sich später in höheren Preisen, in verspäteten Lieferungen und in steigenden Betriebskosten zeigen kann. Eine Region, die mit ohnehin hohen Transportkosten zurechtkommen muss, würde das empfindlich treffen.
Dazu kommt die Energiefrage. Käme es zum militärischen Konflikt mit Iran, würden weltweit die Energiepreise klettern. Davon wären die Kanaren sofort betroffen, denn ihren Strom gewinnen sie auch aus importierten fossilen Brennstoffen. Steigt der Kerosinpreis, werden zudem die Flugtickets teurer, und das wiegt schwer für eine Region, deren Wirtschaft zu mehr als einem Drittel unmittelbar am Tourismus hängt.
Steigende Kerosinpreise bedrohen Kanaren-Tourismus
Krisen mit internationaler Tragweite verändern regelmäßig das Reiseverhalten. Bei manchen Konflikten ziehen die Kanaren als „sicheres Alternativziel“ sogar Vorteile, ein großflächiger Konflikt im Nahen Osten dagegen führt eher dazu, dass die Menschen sich generell zurückhalten. Höhere Flugpreise und die weltweite Unsicherheit könnten die Buchungszahlen drücken, vor allem in heiklen Märkten wie Deutschland und Großbritannien.
Geopolitisch rücken die Inseln ebenfalls stärker ins Blickfeld. Dass Spanien sich weigert, militärische Infrastruktur für einen Angriff bereitzustellen, macht deutlich, wie heikel die Lage auf der iberischen Halbinsel ist. Für die Kanaren heißt das, dass ihre Lage im Atlantik, zwischen Europa, Afrika und Amerika, automatisch an Gewicht gewinnt. Eine US-Basis gibt es auf den Inseln zwar nicht, dennoch gelten sie bei jeder sicherheitspolitischen Neubewertung als strategischer Punkt. Wenn die Spannungen wachsen, gewinnt jeder Atlantikstandort an Bedeutung.
Damit sieht sich die kanarische Regierung vor heiklen Entscheidungen. Über Außenpolitik und Verteidigung wird zwar ausschließlich in Madrid befunden, doch die Kanaren bringen eine eigene wirtschaftliche Empfindlichkeit mit und reagieren auf Risiken von außen besonders heftig.
Träfe ein Handelskonflikt die kanarische Wirtschaft überdurchschnittlich hart, dann müsste die Regionalregierung in Madrid politisch Druck machen, damit die Belange der Inseln nicht untergehen. Wie Spanien auf eine mögliche Eskalation reagieren wird, ist für die Kanaren somit schon heute eine ganz konkrete Frage.
















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