Loro Parque: Orca Morgan sorgt erneut für Aufregung

Ein Amateurvideo hat die Diskussion um Orcas in Gefangenschaft erneut entflammt: Orca-Dame Morgan hatte sich im Loro Parque auf Teneriffa offenbar freiwillig außerhalb des Beckens aufgehalten und war nahezu regungslos liegen geblieben. Tierschützer sehen darin einen Selbstmord-Versuch. Die Verantwortlichen des Loro Parque weisen die Vorwürfe als „absurd“ zurück.

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Der Loro Parque auf Teneriffa gilt als einer der schönsten Tiergärten der Welt. Hunderttausende Besucher frequentieren den Open-Air-Zoo jedes Jahr. Zu den Attraktionen gehören neben Delfinen, Seelöwen und den zahlreichen Papageienarten auch Orcas. Die majestätischen Tiere führen in einer Art eigenen Amphitheaters Kunststücke vor. Tierschützer kritisieren diese Art der Orca-Haltung. Die Meeresräuber müssten frei schwimmen. Eine Haltung in Gefangenschaft werde dem Bewegungsdrang der Orcas, die am Tag bis zu 160 Kilometer zurücklegen können, nicht gerecht und frustriere die Tiere, heißt es.

Ein nun veröffentlichtes anonymes Amateur-Video zeigt, wie Orca-Dame Morgan das Wasser freiwillig verlässt und neben dem Becken auf einem Vorsprung liegt. An dieser Stelle stehen normalerweise die Trainer und dirigieren die Orcas während der Show. Auch die Tiere selbst verlassen an dieser und einer gegenüberliegenden Stelle kurzzeitig das Wasser und führen beispielsweise Laute vor, zeigen ihre Zähne oder werden dort zur Belohnung für Kunststücke mit Fisch gefüttert.

Tierschützer sehen in dem Amateurvideo einen Suizid-Versuch. Verlassen Orcas das Wasser, werden sie nach einiger Zeit von ihrem eigenen Gewicht erdrückt. Und Morgan kennt dieses Problem: Im Jahr 2010 war die Orca-Dame vor der niederländischen Küste gestrandet und aufwendig gerettet worden.

Video: Orca-Dame Morgan liegt auf dem Trockenen

Warum aber legte sich Orca Morgan nun freiwillig aufs Trockene? „Wir können ihr Verhalten nicht erklären“, kommentiert die Tierschutzorganisation „Dolphin Project“ und verwiest auf „großen Stress“, dem die Tiere ausgesetzt seien. Der Loro Parque weist diese Vorwürfe dagegen in einer Stellungnahme entschieden zurück: „Die Orcas im Loro Parque sind darauf trainiert, das Wasser freiwillig zu verlassen“, heißt es. Im Anschluss an diese Kunststücke würden sie freiwillig zurück ins Wasser gleiten. Dies sei auch in diesem Fall geschehen.

Das Video zeige lediglich „wenige Minuten lang Bildaufnahmen von Morgan kurz nach der Beendigung eines Showprogrammes“, teilte Park weiter mit. „Es ist absolut unlogisch und absurd anzunehmen, dass die Länge und Qualität eines solchen Videos ausreicht, um repräsentative Schlussfolgerungen und Erklärungen dieser Art zu treffen“, lautet das Statement des Parks weiter.

Tierschützer kritisieren Loro Parque seit Jahren

Die Tierschützer dagegen argumentieren mit wiederholten und aus ihrer Sicht unerklärlichen Vorfällen. So sei Morgan erst vor wenigen Monaten auffällig geworden, als sie mit dem Kopf vor ein Metall-Gitter schwamm. Der Park erklärte seinerzeit, dass das Tier lediglich ins das andere Becken schwimmen wollte, das Gitter jedoch zur Untersuchung eines anderen Orcas geschlossen gewesen sei.

Die gegenseitigen Vorwürfe gehen so seit Jahren zwischen Zoos und Tierschützern hin und her. Als großer Etappen-Erfolg für die Aktivisten galt damals, als „Sea World“ verkündete, keine Orcas mehr in Gefangenschaft züchten zu wollen. Durch die Kooperation mit der us-amerikanischen Vergnügungspark-Kette hat diese Entscheidung auch für den Loro Parque Konsequenzen. Immerhin gehören einige der Orcas offiziell „Sea World“.

Während einige Tierschützer aber darauf drängen, die aktuell in Gefangenschaft lebenden Orcas umgehend auszuwildern, weist der Loro Parque auf die Behinderung von Orca-Dama Morgan hin. Das Tier habe einen ernsten Hörschaden und sei möglicherweise sogar ganz taub. Zu dieser Erkenntnis sei eine unabhängige Untersuchung gelangt, auf die Tierschützer gedrängt hätten. In Freiheit könne Morgan somit sehr wahrscheinlich gar nicht überleben, heißt es seitens des Parks.

Bereits mehrere Orca-Zwischenfälle im Loro Parque

Im Orca Ocean, wie die Anlage des Loro Parque genannt wird, war es bereits zu mehreren Vorfällen gekommen. Im Jahr 2007 verlief ein Unfall noch glimpflich, als eine Tierpflegerin von einem Orca getroffen wurde und bewusstlos zu Boden sank. Sie konnte, dem Vernehmen nach auch durch die Mithilfe des Orcas selber, gerettet werden. Im Dezember 2009 kam dann jedoch Alexis M. bei einem Zwischenfall während des Trainings ums Leben. Orca Keto hatte den 29-Jährigen unter Wasser gezogen und erst wieder freigegeben, als der Tierpfleger bereits ertrunken war.

In den folgenden Jahren ergab sich ein Streit zwischen Tierschützern und dem Park. Der Dokumentarfilm „Blackfish“ (2013) hatte diese Diskussionen dazu bestärkt. In dem 83-Minütigen Film geht es insbesondere um „Sea World“, doch auch dem Loro Park werden einige Minuten gewidmet. In der Folge forderten Tierschützer auch den Tiergarten auf Teneriffa auf, das Orca-Programm zu beenden. Dieser wiederum warf den Widersachern eine „Hetzkampagne“ vor. Die ganze Geschichte dazu finden Sie hier.

Fotos: Das ist der Loro Parque auf Teneriffa
Ein Seelöwe springt durch einen Reifen

Alle Informationen rund um den Loro Parque auf Teneriffa gibt’s hier.

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Veröffentlicht in: Teneriffa, Aktuelle Nachrichten, Loro Parque, Puerto de la Cruz, Teneriffa Nord

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