Rekord-Dürre: Gran Canaria vertrocknet ganz langsam


Die Staudämme auf Gran Canaria laufen allmählich leer. Die Hitze-Perioden der vergangenen Jahre haben schwerwiegende Folgen für die Kanaren-Insel. So dramatisch ist die Lage aktuell.

Lesedauer: 3 Min.

Die Mauern sind riesig. Zu normalen Zeiten musste der Koloss eine gigantische Last tragen. Aktuell jedoch schwimmen neben den 120 Meter hohen Stau-Mauern allerdings nur noch Wasser-Reste. Der Soria-Staudamm auf Gran Canaria ist derzeit nahezu trockengelegt.

Etwa ein Prozent der eigentlichen Kapazität trägt das riesige Rückhaltebecken noch. Das haben die zuständigen Techniker errechnet. Der Soria-Damm ist damit keine sichere Versorgungs-Ressource mehr für weitere Trockenphasen.

Auf Gran Canaria gibt es acht große Stauseen. Und während Soria inzwischen seinen Zweck verfehlt, wird es auch bei den sieben anderen Becken eng. Durchschnittlich bringen alle Wasserreserven grade noch neun Prozent ihrer Kapazität auf.

Die kanarische Wasserbehörde Consejo Insular de Aguas (CIA) hat errechnet, dass in diesem Sommer erneut unter zwei Millionen Kubikmetern Wasser vorgehalten werden. Genau sind es 1.978.870 Kubikmeter – und damit nur 270.000 mehr als im Sommer vor zwei Jahren, als ein historischer Tiefstand registriert wurde.

Sturm schenkte Gran Canaria Millionen Kubikmeter Wasser

Die Sturmfront Filomena hatte ein halbes Jahr später dafür gesorgt, dass sich die Stauseen wieder füllten. Drei Millionen Kubikmeter wurden an nur einem einzigen Tag gesammelt. Im Nachgang berichtete die Wasserbehörde, dass die Stauseen so viel Wasser führten, wie zuletzt elf Jahre zuvor.

Der Soria-Stausee kam damals auf etwa 1,64 Millionen Kubikmeter Wasser, Chira verzeichnete knapp 1,52 Millionen Kubikmeter und Gambuesa meldete 1,23 Millionen. Doch diese Vorräte waren innerhalb von anderthalb Jahren verbraucht.


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Kanaren verzeichnen viel zu wenig Regen

Und so wird seither von diesen Wassermassen gezehrt. Denn neuer Regen kam seit der zweiten Januar-Woche 2021 nicht mehr an den Stauseen an. Niederschlag gab es kaum. Und wenn es etwas tröpfelte, nahm der Boden das Wasser auf. Die Bäche und Flüsse gelangten nicht mehr bis zu den Seen.

Aktuell liegt der Chira-Stausee in absoluten Zahlen an der Spitze. Er verfügt noch über 685.462 Kubikmeter Wasser. In Ayagaures lagern etwa 461.877 Kubikmeter Wasser ein. Der kleinere Stausee von El Mulato liegt mit 326.649 Kubikmetern Wasser an dritter Stelle. Es folgen Gambuesa mit 315.236 Kubikmetern Wasser, Vaquero bringt es auf weitere 106.630 Kubikmeter, Candelaria auf 79.716 und Fataga auf nur noch knapp 3300.

Energie-Projekt auf Gran Canaria wegen Dürre in Gefahr

Die aktuelle Lage bringt nicht nur die Politik ins Schwitzen. Auch lange geplante Projekte müssen pausiert und mit Blick auf die Zukunft vielleicht sogar ganz gestrichen werden. Denn zwischen den Stauseen Chira und Soria sollte nachhaltige Energie erzeugt werden.

Das geplante Pumpwasserkraftwerk wurde bereits begonnen. Zunächst wurde eine Entsalzungsanlage gebaut. Für die nächsten Schritte muss jedoch ein Betrieb sichergestellt sein. Und der ist nur dann möglich, wenn im Chira-See mindestens 1,04 Millionen Kubikmeter Wasser vorrätig sind.

Stauseen auf Gran Canaria haben viel zu wenig Wasser

Stand August fehlt dem Stausee also für einen gesicherten Betrieb etwa ein Drittel des Mindest-Inhalts. Und die vergangenen 18 Monate haben gezeigt, dass der Wasserstand eher weiter sinkt, als kontinuierlich bis zum benötigten Minimum zu steigen.

Doch auch Soria liegt weit von einem Normalbetrieb entfernt. Der Stausee, der das Wasser nach der Energiegewinnung aufnehmen müsste, hat ein Volumen von 32 Millionen Kubikmetern. Für einen Betrieb müssten er mindestens 2,4 Millionen davon fassen.

Hinter den gigantischen 120-Meter-Mauern lagern stattdessen nur 160.267 Kubikmeter Wasser. Das ist grade mal ein Zweihundertstel der maximalen Kapazität. Und so wirkt der Inhalt des Stausees aktuell eher wie eine Pfütze in einem riesigen Schwimmbecken.

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Johannes Bornewasser sw klein

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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