Mindestens 39 Tote Migranten bei Schiffbruch vor den Kanaren


Auf dem Weg von Afrika auf die Kanarischen Inseln haben mindestens 39 Menschen ihr Leben verloren. Die Migranten waren mit ihrem Boot gekentert und ertrunken. Bisher wurde nur eine Überlebende entdeckt.

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Die Besatzung eines Öltankers hat auf der Überfahrt ein gekentertes Boot entdeckt. Umgehend wurde die Seenotrettung benachrichtigt, die mehrere Hilfskräfte entsandte. Der Unglücksort befindet sich rund 250 Kilometer vor Gran Canaria. Dort angekommen, fanden die Helfer bisher 39 Leichen.

Die Leitstelle bat den Kapitän des Öltankers, bis zum Eintreffen des Rettungshubschraubers vor Ort zu bleiben. Auf diese Weise konnte der Einsatzort umgehend lokalisiert werden. Eingreifen sollte die Besatzung unterdessen nicht, da der Wellengang zu stark war, um mit einem Schiff dieser Größe zu versuchen, sich dem kleinen Boot zu nähern.

Erst vor einer Woche waren 650 Kilometer nördlich der Kanarischen Inseln vier Personen ums Leben gekommen, als ein ähnlich großes Schiff versucht hatte, sich einem kleinen Migranten-Boot zu nähern. Weitere neun Insassen waren auf der zweiwöchigen Überfahrt bereits unterwegs verdurstet, ein weiterer verstarb kurz nach seiner Rettung an Deck des helfenden Schiffes.

Migration auf die Kanaren: Nur eine Überlebende bei Havarie vor Gran Canaria

Beim jüngsten Einsatz fanden die Rettungskräfte eine gerettet Frau in den Dreißigern vor. Neben ihr lagen an Deck des rettenden Schiffes bereits zwei Leichen – ein Mann und eine Frau. Beide wurden nur etwa 20 Jahre alt.

Während die Überlebende nach Gran Canaria ausgeflogen wurde, zählten die Einsatzkräfte bisher 39 Verstorbene. Die Überlebende wurde stark dehydriert in das Universitätskrankenhaus von Gran Canaria gebracht.

Laut Behördenangaben waren in den vergangenen Wochen zwischen Tarfaya (Marokko) und El Aaiún (Westsahara) gleich mehrere Schlauchboote in Richtung der Kanarischen Inseln aufgebrochen. Bisher gibt es von keinem der Insassen dieser Boote ein Lebenszeichen.

Die Route gehört zu den kürzesten, um aus der Region nach Europa zu gelangen. Die Überfahrt nach Fuerteventura beträgt nur rund 125 Kilometer. Die verwendeten Boote machen die Navigation jedoch enorm schwierig. Kommt raue See hinzu, wie sie zuletzt im Rahmen der Hitzewelle und den zugehörigen Sturmböen entstanden, sinken die Überlebenschancen erneut. Kentern die Boote nicht, geraten jedoch vom Kurs ab, gilt auch dies laut Menschenrechtsorganisationen als sicheres Todesurteil für die Insassen.

Weg auf die Kanaren: Dunkelziffer ertrunkener Migranten nicht absehbar

Bis zum 15. August waren auf den Kanarischen Inseln 8222 Einwanderer in 218 Booten gezählt worden. Einige von ihnen wurden bereits vor Erreichen der kanarischen Küste von der Seenotrettung aus den Fluten geborgen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Zahl damit um 144 Prozent. Allerdings hatten sich 2020 auch zum Jahresende vermehrt Migranten auf den Weg zu den Kanarischen Inseln begeben, so dass der Wert allenfalls als Momentaufnahme taugt.

Die Zahl der Verstorbenen wird von Hilfsorganisationen auf mindestens 230 geschätzt. Allerdings geben auch diese an, dass die Zahl komplett verschollener Boote, die in der Regel mit 50 und mehr Insassen starten, unüberschaubar sei. Die Dunkelziffer Verstorbener liege damit vermutlich im vierstelligen Bereich.

Migranten-Boote aus Afrika in der Karibik entdeckt

Sogar in der Karibik waren in diesem Jahr Boote entdeckt worden, die aller Wahrscheinlichkeit nach an der afrikanischen Küste gestartet waren. Nach den zurückgelegten rund 4500 Kilometern gab es an Bord keine Überlebenden.

In den vergangenen Monaten war in Trinidad und Tobago und auf den Turks- und Caicosinseln je ein Boot entdeckt worden. Solche Funde hatte es zuletzt im Jahr 2006 gegeben, als Tausende Migranten von Afrika aus versuchten, die Kanarischen Inseln zu erreichen. Diese Zeit war als „Cayuco-Krise“ in die Geschichte eingegangen. Mehr dazu lesen Sie im folgenden Beitrag:

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Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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