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So werden die Kanaren vor Tropen-Stürmen geschützt – zumindest bisher


Die Kanarischen Inseln sind bisher meist vor Tropenstürmen verschont geblieben. Das liegt an einem Natur-Phänomen. Doch das droht zu enden.

Lesedauer: 3 Minuten

Die Kanarischen Inseln werden von einer kalten Meeres-Strömung umgeben. Sie ist es, die tropische Wirbelstürme und Hurricans meist vom Archipel fern hält. Doch sollte das Phänomen ausbleiben, könnten zerstörerische Wirbelstürme auf den Kanaren normal werden. Die Folgen wären besorgniserregend. Und es gibt eine Tendenz in diese Richtung.

Denn der Altantik um die Kanaren herum erwärmt sich allmählich. “Die Zahl tropischer Phänomene nimmt zu, wenn sich das Wasser um uns herum erwärmt”, sagt Pedro Dorta, der an der Universität La Laguna (ULL) auf Teneriffa den Lehrstuhl für Katastrophenprävention leitet.

Laut dem Geographen sei es “nicht ausgeschlossen”, dass wir irgendwann von einem der extremen Phänomene betroffen sein werden, die bereits in der Welt auftreten, wie beispielsweise in der Karibik. Denn das Meer vor den Kanaren werde schon jetzt zunehmend wärmer. Und so drohen herbe Folgen.

Forscher: Kanaren-Klima wird zunehmend tropischer

Dorta beschäftigt sich tagtäglich mit Tropenstürmen wie “Hermine” und “Delta”. Er sieht aufgrund der zunehmenden globalen Erwärmung, aber auch wegen steigender Durchschnitts-Temperaturen auf den Kanarischen Inseln eine stärkere Tendenz in Richtung eines tropischen Klimas auf dem Archipel. Und damit werde auch das Auftreten tropischer Stürme wahrscheinlicher.

Laut Dorta sei der Archipel derzeit nicht auf die einhergehende, ungewisse Zukunft vorbereitet. Dazu sieht er neben den Stürmen auch zunehmend weniger Gesamt-Niederschlagsmengen – und das obwohl Unwetter mit kurzfristig großen Regenfällen zunehmen. Auch auf Brände wie zuletzt auf Teneriffa müsse sich der Archipel künftig vorberieten.

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“Tropisierung” der Kanarischen Inseln droht

Dorta stellte seine These der Tropisierung der Kanarischen Inseln auf einer Konferenz zum Thema Klimawandel in Santa Cruz de Tenerife vor. Als Beweis sieht der Wissenschaftler die aktuellen Extrem-Temperaturen. Nächte mit mehr als 20 Grad und die aktuelle Niederschlagssituation zeigten die Veränderungen.

Der Forscher sieht die Tropisierung des Klimas auf den Kanarischen Inseln konkret bevorstehen. Als Beleg verweist Dorta darauf, dass die Meerestemperatur “in unserer Region stärker steigt als in der Karibik”.

Kanaren sind nicht auf Tropen-Stürme vorbereitet

Die Kanarischen Inseln hätten “bereits zwei Warnungen erhalten”. Zum einen habe Tropensturm “Delta” im Jahr 2005 gezeigt, welche Kraft Stürme auch auf den Kanaren entladen können. Zum anderen sei durch “Hermine” im vergangenen Jahr so viel Niederschlag gefallen, “wie in den 40 Jahren zuvor zusammen”. Diese Phänomene zeigten, dass tropische Stürme näher kämen. Und wie gefährlich sie für den Archipel sind.

Dass die Kanarischen Inseln nicht auf derlei Folgen des Klimawandels vorbereitet seien, zeigt der Experte durch einen Verweis auf die Barrancos der Hauptstadt Teneriffas. Diese Kanäle dienen dazu, Niederschläge aus den Bergen zum Meer zu leiten. Doch übertrifft die Regenmenge das Fassungsvermögen, drohen Überschwemmungen. Dorta erinnerte an den 31. März 2002. Damals kamen bei einhergehenden Überschwemmungen in Santa Cruz de Tenerife acht Menschen ums Leben.

Indirekter Zusammenhang zwischen Klimawandel und Waldbrände auf den Kanaren

Für den Forscher gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen Waldbränden und Klimawandel. Doch die steigenden Temperaturen und die Trockenheit könnten die Grundlage für Feuer wie den historischen Waldbrand auf Teneriffa in diesem Jahr legen. “Der Klimawandel kann sie verstärken”, sagte der Forscher.

Zudem sei es bei Bränden dieser Größenordnung “egal, wie viele Löschflugzeuge wir haben”. Waldbrände dieser Art könnten nur durch die Unterstützung starker Niederschläge gelöscht werden. Genau an dieser Stelle sei der Klimawandel ein großes Problem.

“Kanaren-Politik muss jetzt handeln”

Die Wasserversorgung sei ebenfalls noch nicht darauf eingestellt, dass viele Stauseen durch ausbleibende planbare Niederschläge sukzessive leer laufen. Daher sei es wichtig, das sich Wirtschaft und Politik mit den Herausforderungen dieser Tage beschäftigen.

Insbesondere “im Hochgebirge gibt es bereits eine erhebliche Verschlechterung der Naturräume. Es gibt erhebliche Auswirkungen auf die Meeresökosysteme, es kommt zu Schäden an landwirtschaftlichen Systemen und es besteht die Notwendigkeit, mehr Wasser zu gewinnen”, sagt Dorta.

Für ihn stehe fest, dass die Probleme größer werden und sich die Politik jetzt mit ihnen beschäftigen müsse. Es gebe keinen Raum für Zweifel mehr, dass für die absehbaren Auswirkungen der Klima-Krise jetzt Lösungen gefunden werde müssen, um sich für die Zukunft zu rüsten, appellierte der Wissenschaftler abschließend.



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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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