Unwetter-Bilanz: Wie Tropensturm Hermine die Kanaren getroffen hat


Umgestürzte Bäume, Überschwemmungen und zahlreiche Flugausfälle: Tropensturm Hermine hat auf den Kanaren für das vorhergesagte Chaos gesorgt. Doch die Inseln waren gut vorbereitet.

Lesedauer: 4 Min.

Am Montagmittag haben die Aufräumarbeiten auf den Kanarischen Inseln begonnen. Die Alarmsituation rund um Tropensturm Hermine galt zu diesem Zeitpunkt als beendet. Doch die Auswirkungen sind weiterhin spürbar. Aktuelle Fotos finden Sie am Ende des Beitrags.

Viel war vor dem Eintreffen des Zyklons befürchtet worden. Doch die hohen Sicherheitsvorkehrungen wehrten das Schlimmste ab. Dennoch sind 761 Flüge aufgrund des starken Windes gestrichen worden. Viele weitere Verbindungen mit den Kanarischen Inseln wurden umgeleitet.

So zum Beispiel Tuifly-Flug 2262. Die Maschine war von Hannover nach Gran Canaria gestartet und musste nach einem gescheiterten Landeversuch auf der Kanaren-Insel mehrere Kreise fliegen, bevor sie schließlich nach Fuerteventura weitergeleitet wurde.

Die meisten Flugverbindungen fielen dennoch auf Teneriffa aus. Mehr als 100 gestrichene Flüge meldete der spanische Airport-Betreiber Aena auf den beiden Flughäfen der Kanaren-Insel.

Tropensturm auf den Kanaren: Feuerwehr meldet 2000 Einsätze

Sturm Hermine hatte die Kanarischen Inseln bereits am Samstag mit ersten Ausläufern getroffen. Seither galt zunächst Alarmstufe Gelb, die dann schnell auf die höchste Warnstufe korrigiert worden war.

Dennoch meldeten die Behörden, dass es keine schlimmeren Verletzungen oder gar Todesfälle gab. In Summe wurden bisher rund 2000 Einsätze von Feuerwehr, Polizei und Katastrophenschutz gezählt.


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Besonders aufgrund der ausbleibenden Personenschäden ist die Bilanz des Unwetters über den Kanaren tendenziell eher positiv. Denn insbesondere für die Landwirtschaft und die zuletzt dauerhaft leeren Stauseen der Inseln brachte Hermine dringend benötigen Niederschlag.

Unwetter über den Kanaren durch Hermine ist „ein Segen“

„Der Regen, der bis heute gefallen ist, war außergewöhnlich für das Land“, teilten Vertreter der Landwirtschaft übereinstimmend mit dem Präsidenten der Insel La Gomera, Casimiro Curbelo, mit. Der zunächst gefürchtete Zyklon hatte der kleinen Insel nicht die erwartete Zerstörung, sondern vor allem Hunderttausende Liter Wasser gebracht. Ansonsten sei es überwiegend ruhig und bei präventiven Sperrungen ohne größere Zwischenfälle geblieben, berichtete Curbelo.


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Ángela Delgado, Präsidentin des kanarischen Verbandes der Landwirte, sprach von „einem Segen“ für die Landschaft. „Dieses Wasser ist sehr gut für den Anbau der Kartoffel-Winterernte und auch für die neuen Bananenplantagen auf La Palma, wo bisher das Wasser mit Eimern zu den Pflanzen getragen werde musste.“

Unwetter: Teneriffa meldet Hunderte Schäden

Natürlich kam es auch zu Schäden. Diese seien insbesondere in den Morgenstunden des Sonntag entstanden, hieß es seitens der Einsatzzentralen auf den einzelnen Kanaren-Inseln. Dazu zählen insbesondere auf Teneriffa mehrere Verkehrsunfälle.

Neben typischen, mit dem Sturm einhergehenden Unfällen, gehörten auch Felsabgänge zu den Auslösern. So wurde bei der Gemeinde Los Realejos auf Teneriffa ein Auto unter einem großen Felsen zertrümmert, der sich von einem Hang gelöst hatte. Verletzt wurde auch dabei niemand.

Es blieb der spektakulärste mehrerer Zwischenfälle mit von Abhängen rutschendem Gestein auf den Kanaren. Die weiteren Einsätze hatten mit großen Wassermassen, die seither aus den Bergen in Richtung Meer fließen, zu tun. Insbesondere rund um El Rosario und La Laguna wurden Stromleitungen von den entstandenen Flüssen und in ihnen mitgerissenen Materialien zerstört.

Besonders von Strom-Problemen und ausgefallen Ampeln waren zudem in der Folge auch die Hauptstadt Santa Cruz und San Juan de Rambla betroffen. Ansonsten galten umgestürzte Bäume und Überschwemmungen auf nahezu der gesamten Insel Teneriffa als Hauptprobleme.

213 Liter pro Quadratmeter: La Palma melden Regen-Rekord

Im weiteren Tagesverlauf wurden insbesondere die „grünen Inseln“ La Palma, La Gomera und El Hierro mit heftigen Regenfällen bedacht. Größere Schäden neben Überschwemmungen und umgestürzten Bäumen und Felsabgängen blieben jedoch auch dort aus.

La Palma verzeichnete in der Gemeinde La Galga mit 213 Litern Regenwasser pro Quadratmeter am Sonntag den Niederschlags-Rekord. In Santa Cruz de La Palma waren es immerhin noch 134 und in Mazo 112 Liter Wasser pro Quadratmeter.

Gran Canaria stellt Jahrzehnte alten Regen-Rekord ein

Auf Gran Canaria geb es ebenfalls Niederschlags-Rekorde. Die Hauptstadt Las Palmas verzeichnete in ihrem Stadtteil Tafira die stärkten Regenfälle seit 1989. 111 Liter Wasser pro Quadratmeter wurden gemessen.

Überhaupt bedeutete der Regen am Wochenende einen historischen Rekord: Nur dreimal in der Geschichte der Hauptstadt Gran Canarias hatte es mehr Niederschlag an einem Tag gegeben. Das waren die 117,5 Liter im Januar 1910 sowie im Februar 1989 und die 138,5 Liter aus dem November 1954.

Der Präsident der Kanarischen Inseln, Ángel Víctor Torres, bedankte sich bei den Einsatzkräften für ihre Arbeit und bei der Bevölkerung für die Vorsicht, durch die schlimmere Zwischenfälle vermieden worden seien.

Stromausfälle und Überschwemmungen auf den Kanaren: 1100 Einsätze allein am Sonntag

Der Delegierte des spanischen Wetteramts Aemet auf den Kanarischen Inseln, David Suárez, sagte, dass dies auch auf den Zyklon selbst zurückzuführen sei. Dieser sei kurz vor Eintreffen auf den Kanarischen Inseln schwächer geworden. Das „National Hurricane Center“ in Miami hatte Hermine daraufhin zum posttropischen Zyklon heruntergestuft.

Nach dem Inkrafttreten der maximalen Alarmstufe hatten die Einsatzkräfte der 112 mehr als 2000 Vorfälle gezählt, 1100 von ihnen entfielen auf den Sonntag. Die meisten Einsätze hatten mit Stromausfällen, Erdrutschen, herabfallenden Bäumen und Ästen sowie Sturzfluten und einhergehenden Überschwemmungen zu tun.

Das Rote Kreuz meldete 11.000 Anrufe von Personen aus der häuslichen Pflege. Die Versorger registrierten zudem rund 3000 Haushalte ohne Strom sowie 10.000 Haushalte, bei denen Telefon oder Internet ausgefallen waren. Schwere Verletzungen gab es unterdessen keine. Wie sich das Wetter auf den Kanaren weiterhin entwickelt, erfahren Sie jetzt hier bei uns.

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Über den Autor
Johannes Bornewasser sw klein

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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