Energie-Krise: So wollen die Kanaren bei der Weihnachtsbeleuchtung sparen


Bunte Lampen soweit das Auge reicht. Die Weihnachtsbeleuchtung gehört auf den Kanaren fest zum Winter-Programm. Aufgrund der Energie-Krise gibt es jedoch Änderungen.

Lesedauer: 4 Min.

Es ist ein schmaler Grat zwischen Kitsch und Kunst. Auf den Kanarischen Inseln gehört besonders bunte Weihnachtsbeleuchtung zum Advent wie die Weintrauben zu Silvester. Doch in diesem Jahr gibt es Änderungen. Welche genau, das zeigt ein repräsentativer Blick nach Teneriffa.

Dort wollen größere Gemeinden mit den entsprechenden Mitteln auf energiesparende Beleuchtung umrüsten. Grundsätzlich verzichtet wird hingegen nicht. Schon allein, da auch der Handel von der Beleuchtung profitiere, wolle man die Lichter nicht gänzlich abschaffen.

Das Ministerium für ökologischen Wandel hatte erneut gemahnt, auf energiesparende Beleuchtung zu setzen. Doch dafür sind Investitionen nötig. Bei Umrüstung auf LED-Lampen können diese sich jedoch innerhalb weniger Jahre amortisieren. Ein Blick auf die Gemeinden zeigt Kosten und Nutzen. Und offenbart ein Grundsatzproblem.

Denn in vielen Gemeinden wird die Weihnachtsbeleuchtung an die Straßenbeleuchtung gekoppelt. Werden die Laternen eingeschaltet, erstrahlen auch die bunten Lämpchen in voller Pracht. Morgens, wenn die Straßenbeleuchtung zentral abgeschaltet wird, endet auch der Lichterzauber.

Energiekrise: Teneriffa will bei Weihnachtsbeleuchtung sparen

Bisher hatte sich niemand Gedanken über den Unterschied von notwendiger Beleuchtung und Sinnhaftigkeit des Straßenschmucks zwischen Mitternacht und dem frühen Morgen gemacht.

Santa Cruz, La Laguna, La Orotava, Puerto de la Cruz und Granadilla de Abona gehören zu den größeren Gemeinden. Sie wollen die Weihnachtsbeleuchtung in den frühen Morgenstunden abschalten. Andere Gemeinden argumentieren weiterhin mit der Kopplung ans öffentliche Beleuchtungsnetz. Einige von ihnen erwägen nun die Anschaffung von Zeitschaltuhren. Das bedeutet einen finanziellen Kraftakt. Amortisieren würde er sich erst mit der Zeit.

Santa Cruz erweitert Weihnachtsbeleuchtung sogar

In der Hauptstadt Teneriffas gibt es sogar einen gegenläufigen Trend. Denn erstmals soll in diesem Jahr deutlich mehr Weihnachtsbeleuchtung installiert werden. In der Beamtensprache heißt das „eine Erhöhung der Anzahl der Lichtpunkte“. Doch trotz der Ausweitung des Straßenschmucks, soll netto Energie gespart werden. Durch die frühzeitige Abschaltung.


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Geplant ist das für 2 Uhr nachts. Man wolle damit „etwa fünf Stunden einsparen“, teilt der Stadtrat für öffentliche Dienste, Carlos Tarife, mit. Das Investitionsvolumen für dieses Jahr beläuft sich auf 780.000 Euro. „Es ist die größte Investition in dekorative Elemente, die das Rathaus in den vergangenen Jahren getätigt hat“, sagt der Politiker. Insgesamt setzt Santa Cruz auf 1228 Motive und Bögen, 51.830 Meter Girlanden und 59 Bodenelemente.

Adventslichter werden auf Teneriffa früher abgeschaltet

La Laguna plant ebenfalls das vorzeitige Abschalten der Leuchten im historischen Zentrum sowie in den beleuchteten Stadtteilen. Dort sollen die Lichter bereits ab 1.30 Uhr ausgehen. Zudem werden ab diesem Jahr ausschließlich energiesparende LED zum Einsatz kommen.

Geplant sind rund 3000 Motive in den Straßen. Zudem wird es in diesem Jahr ein kleines Weihnachtshütten-Dorf in der Altstadt von La laguna geben. Es soll via Solar-Technologie und Stromspeicher betrieben werden, „um den Bürgern die Bedeutung der Energieeffizienz zu vermitteln und sie dafür zu sensibilisieren, wie ein sauberes und umweltfreundliches Energieerzeugungssystem funktioniert“, heißt es aus dem Rathaus der Stadt.

Puerto de la Cruz plant, die größten Elemente und zentralen Plätze zu begrenzen. Dort werde die meiste Energie verbraucht, heißt es. Um ein Uhr nachts solle daher der Strom an Werktagen abgeschaltet werden. An den Wochenenden wird die Weihnachtsbeleuchtung unterdessen aufgrund der Hotel- und Freizeitaktivitäten die ganze Nacht über eingeschaltet bleiben.

La Orotava möchte ebenfalls am Straßenschmuck festhalten. Ab dem 25. November soll er von 18 Uhr bis Mitternacht leuchten. Dann werden 90 Prozent der zeitgesteuerten Beleuchtungen abgeschaltet. Lediglich am Dreikönigstag bleiben die Lampen die ganze Nacht über eingeschaltet.

Der Bürgermeister von Los Realejos, Adolfo González, hat bereits im Sommer die Anschaffung von LED-Beleuchtung angewiesen. „Der Verbrauch liegt praktisch bei Null“, heißt es aus dem Rathaus. Allerdings sei das Problem der zweiten Stromleitung, um beide Beleuchtungen voneinander zu trennen, ein großes, da diese Maßnahme die Kosten signifikant treibe.

Eine Lösung sei die Anschaffung von Zeitschaltuhren. Da Investitionen dieser Größe jedoch ausgeschrieben werden müssten, sei es für dieses Jahr bereits zu spät, um eine Trennung beider Beleuchtungen vorzunehmen.

Der Süden Teneriffas verzichtet überwiegend auf Einsparungen

Im Süden soll die Beleuchtung indes bleiben, wie sie ist. LED seien ohnehin im Einsatz und die Stromnetze könnten nicht adäquat getrennt werden, hieß es aus den Rathäusern. Man arbeite jedoch an der Anschaffung von Zeitschaltuhren für die verhältnismäßig kleine Menge an Beleuchtungen, heißt es beispielsweise aus Adeje.

In Arona soll ebenfalls alles beim Alten bleiben. Immerhin Granadilla de Abona will die Beleuchtung ab Mitternacht abschalten. Dort wurde das Budget für die Beleuchtung halbiert, so dass auf diese Weise der Energieverbrauch entsprechend gesenkt werden solle, heißt es.

Wirklich reduzieren möchte nur San Miguel de Abona. Dort solle die Weihnachtsbeleuchtung nur noch „an strategischeren Orten“ aufgestellt werden, lautet die Vorgabe aus dem Rathaus.

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Energie-Krise: So wollen die Kanaren bei der Weihnachtsbeleuchtung sparen

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Über den Autor
Johannes Bornewasser sw klein

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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Kommentare zu:

Energie-Krise: So wollen die Kanaren bei der Weihnachtsbeleuchtung sparen

  1. Peter Vogel schrieb am

    Weihnachtsbeleuchtungen auf LED umrüsten und um Mitternacht jeweils ausschalten ist sicher sinnvoll. Wer aber denkt, dass damit ein wirksamer Beitrag gegen die „Energiekrise“ (sofern es diese wirklich geben sollte) geleistet wird, kann höchstens das eigene Gewissen beruhigen.

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