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Todes-Ruine kostet Teneriffa 2,35 Millionen Euro – und sehr viel Arbeit

Das berüchtigte Hochhaus von Añaza kommt weg. Allerdings gilt dieser Schritt als äußerst aufwendig. Das ist der 636-fache Grund.

Von Johannes Bornewasser – letzte Änderung: – Lesedauer: 3 Minuten – 0 Leserkommentare bei Teneriffa News

Das Wichtigste in Kürze:
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  • Das seit 53 Jahren leerstehende Hochhaus von Añaza auf Teneriffa soll für 2,35 Millionen Euro abgerissen werden, nachdem im Dezember ein 13-jähriges Mädchen in der Ruine tödlich verunglückte.
  • Die Enteignung gestaltet sich extrem aufwendig, da die Immobilie auf 900 Anteile verteilt ist, die 636 verschiedenen Eigentümern gehören, überwiegend aus Deutschland und der Schweiz.
  • Die Stadt Santa Cruz nutzt ein Dringlichkeitsverfahren, um den Abriss zu beschleunigen. Viele Eigentümer sind vermutlich verstorben, weshalb die Staatsanwaltschaft deren Vertretung übernimmt.
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53 Jahre nach seinem Bau soll der Beton-Koloss von Añaza verschwinden. Die Ruine steht gleichermaßen für den unreflektierten Bau-Boom früherer Tage und Behördenversagen auf den Kanaren. Erst nach dem Tod einer 13-Jährigen, die im vergangenen Jahr beim Spielen in die Tiefe stürzte, kam Bewegung in die seit Jahren angekündigten Abriss-Pläne.

Seit 1973 steht die 22-stöckige Ruine an der Küste im Norden Teneriffas. Als gigantisches Hotelprojekt mit 741 Zimmern und 40.000 Quadratmetern Wohnfläche geplant, kam das dreieckige Hochhaus nie über die Rohbauphase hinaus. Die überwiegend deutschen Investoren entzogen dem Projekt das Geld und verschwanden. Seither steht das Hochhaus als Schandfleck in der Natur.

Erst als im Dezember ein Kind in den Tod stürzte, kam wieder Bewegung in die Abrisspläne, die bereits seit Jahrzehnten bestehen und von Regierung zu Regierung weitergeschoben wurden. Die für Stadtplanung zuständige Zaida González (PP) kündigte schließlich Vollzug an. Doch der gestaltet sich aus mindestens 636 Gründen äußerst schwierig:

Teneriffa will Ruine von Añaza enteignen und abreißen

Die Stadtverwaltung leitete die nötigen Schritte zur Enteignung des Grundstücks ein. Dabei muss eine nur schwer zu verstehende, fragmentierte Eigentümerschaft auf die Allgemeinheit überschrieben werden. Sobald das Grundstück der Stadt gehöre, könne mit den Abrissplänen begonnen werden.

Rund 2,35 Millionen Euro soll der Rückbau dann kosten. Doch bis es soweit ist, stehen den Behörden weitere Termine bevor. Denn die Immobilie und ihr umliegendes Grundstück sind auf 900 Anteile verteilt. Diese wiederum liegen in der Hand von 636 verschiedenen Eigentümern. Enteignungen können normalerweise nicht auf einen Schlag erfolgen. Und so scheuten die Behörden bisher den Aufwand.

Das Hochhaus liegt zu rund 85 Prozent in deutscher und zu 14,2 Prozent in Schweizer Hand. Die übrigen Anteile gehören Finnen und vier Unternehmen aus Liechtenstein. Das macht die rechtlich nötigen Benachrichtigungen über die anstehende Enteignung so aufwendig. Denn alle Eigentümer müssen identifiziert und benachrichtigt werden. Andernfalls kann das Grundstück und mit ihm die Ruine nicht überschrieben werden.

Das Gros der Anteile gehört natürlichen Personen. Da seit mehr als fünf Jahrzehnten kein Baufortschritt erfolgte und die Ruine ihrem Zweck nicht mehr zugeführt werden kann, sei „vernünftigerweise davon auszugehen“, dass viele der Eigner bereits verstorben seien und kaum ein Erbe Anspruch erheben werde. Aufgrund der Abrisskosten, die andernfalls mitgetragen werden müssten, dürfte auch das Grundstück nicht beansprucht werden.

„Mamotreto de Añaza“ als Vorlage für weitere Ruinen auf Teneriffa

Da die Stadt davon ausgeht, nicht alle Eigentümer oder deren Erben zu erreichen, wurde die Staatsanwaltschaft damit beauftragt, die Vertretung dieser Eigentümer zu übernehmen.

Der Wert ist dabei verschwindend gering: Das Grundstück wurde auf einen Einheitswert von knapp 1,50 Euro pro Quadratmeter festgelegt. Damit liegt der Gesamtwert bei 44.246,94 Euro. Da der Abriss diesen deutlich übersteigt, wird der Wert des Grundstücks genullt.

Die Stadtverwaltung hat nach dem dramatischen Unfall im Dezember nun ein Dringlichkeitsverfahren eingeleitet. Damit soll der Prozess verkürzt werden. Es greifen nicht die eigentlich vorgesehenen Fristen. Die Stadt kann nun aufgrund des „öffentlichen Interesses“ sofort agieren. Die Verwaltungsschritte werden unterdessen im Hintergrund parallel fertiggestellt.

Der Abriss des „Mamotreto de Añaza“ auf Teneriffa kann also bereits in Kürze beginnen. Damit würde nach dann rund 53 Jahren einer der Schandflecke Teneriffas für immer verschwinden – und nebenbei als Vorlage für weitere Gebäude dieser Art dienen:


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Über den Autor

Todes-Ruine kostet Teneriffa 2,35 Millionen Euro – und sehr viel Arbeit

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Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Gründer und Herausgeber der Teneriffa News, Ihrem Kanaren-Experten seit 2011. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zum Autorenprofil von .

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