53 Jahre nach seinem Bau soll der Beton-Koloss von Añaza verschwinden. Die Ruine steht gleichermaßen für den unreflektierten Bau-Boom früherer Tage und Behördenversagen auf den Kanaren. Erst nach dem Tod einer 13-Jährigen, die im vergangenen Jahr beim Spielen in die Tiefe stürzte, kam Bewegung in die seit Jahren angekündigten Abriss-Pläne.
Seit 1973 steht die 22-stöckige Ruine an der Küste im Norden Teneriffas. Als gigantisches Hotelprojekt mit 741 Zimmern und 40.000 Quadratmetern Wohnfläche geplant, kam das dreieckige Hochhaus nie über die Rohbauphase hinaus. Die überwiegend deutschen Investoren entzogen dem Projekt das Geld und verschwanden. Seither steht das Hochhaus als Schandfleck in der Natur.
Erst als im Dezember ein Kind in den Tod stürzte, kam wieder Bewegung in die Abrisspläne, die bereits seit Jahrzehnten bestehen und von Regierung zu Regierung weitergeschoben wurden. Die für Stadtplanung zuständige Zaida González (PP) kündigte schließlich Vollzug an. Doch der gestaltet sich aus mindestens 636 Gründen äußerst schwierig:
Teneriffa will Ruine von Añaza enteignen und abreißen
Die Stadtverwaltung leitete die nötigen Schritte zur Enteignung des Grundstücks ein. Dabei muss eine nur schwer zu verstehende, fragmentierte Eigentümerschaft auf die Allgemeinheit überschrieben werden. Sobald das Grundstück der Stadt gehöre, könne mit den Abrissplänen begonnen werden.
Rund 2,35 Millionen Euro soll der Rückbau dann kosten. Doch bis es soweit ist, stehen den Behörden weitere Termine bevor. Denn die Immobilie und ihr umliegendes Grundstück sind auf 900 Anteile verteilt. Diese wiederum liegen in der Hand von 636 verschiedenen Eigentümern. Enteignungen können normalerweise nicht auf einen Schlag erfolgen. Und so scheuten die Behörden bisher den Aufwand.
Das Hochhaus liegt zu rund 85 Prozent in deutscher und zu 14,2 Prozent in Schweizer Hand. Die übrigen Anteile gehören Finnen und vier Unternehmen aus Liechtenstein. Das macht die rechtlich nötigen Benachrichtigungen über die anstehende Enteignung so aufwendig. Denn alle Eigentümer müssen identifiziert und benachrichtigt werden. Andernfalls kann das Grundstück und mit ihm die Ruine nicht überschrieben werden.
Das Gros der Anteile gehört natürlichen Personen. Da seit mehr als fünf Jahrzehnten kein Baufortschritt erfolgte und die Ruine ihrem Zweck nicht mehr zugeführt werden kann, sei „vernünftigerweise davon auszugehen“, dass viele der Eigner bereits verstorben seien und kaum ein Erbe Anspruch erheben werde. Aufgrund der Abrisskosten, die andernfalls mitgetragen werden müssten, dürfte auch das Grundstück nicht beansprucht werden.
„Mamotreto de Añaza“ als Vorlage für weitere Ruinen auf Teneriffa
Da die Stadt davon ausgeht, nicht alle Eigentümer oder deren Erben zu erreichen, wurde die Staatsanwaltschaft damit beauftragt, die Vertretung dieser Eigentümer zu übernehmen.
Der Wert ist dabei verschwindend gering: Das Grundstück wurde auf einen Einheitswert von knapp 1,50 Euro pro Quadratmeter festgelegt. Damit liegt der Gesamtwert bei 44.246,94 Euro. Da der Abriss diesen deutlich übersteigt, wird der Wert des Grundstücks genullt.
Die Stadtverwaltung hat nach dem dramatischen Unfall im Dezember nun ein Dringlichkeitsverfahren eingeleitet. Damit soll der Prozess verkürzt werden. Es greifen nicht die eigentlich vorgesehenen Fristen. Die Stadt kann nun aufgrund des „öffentlichen Interesses“ sofort agieren. Die Verwaltungsschritte werden unterdessen im Hintergrund parallel fertiggestellt.
Der Abriss des „Mamotreto de Añaza“ auf Teneriffa kann also bereits in Kürze beginnen. Damit würde nach dann rund 53 Jahren einer der Schandflecke Teneriffas für immer verschwinden – und nebenbei als Vorlage für weitere Gebäude dieser Art dienen:
Ihr Freikontingent ist aufgebraucht. Jetzt alle Inhalte und den Premium-Newsletter freischalten
Ihr Kanaren-Profi – seit 2011. Unabhängig. Lokal. Verlässlich.
Weiterlesen auf Teneriffa News – ohne Limit, mit weniger oder ganz ohne Werbung:
52 Wochen
für nur 52 €
nur 1 € pro Woche!
Sie sparen rund 33 % gegenüber dem Monatspreis.
- Komplett werbefrei lesen
- Alle Artikel ohne Limit lesen
- 33 Prozent Rabatt
- 52 Premium-Newsletter
- Kein Werbetracking
- Kostenlose Premium-Kleinanzeigen aufgeben
- Beiträge kommentieren
- Kinderleicht kündbar
- Sie unterstützen unabhängigen Kanaren-Journalismus
12 Wochen
für 15 €
(1,25 € pro Woche)
- Alles ohne Limit lesen
- Premium-Newsletter jede Woche
- Weniger Werbung
4 Wochen
für 6 €
(1,50 € pro Woche)
- Alles ohne Limit lesen
- Premium-Newsletter jede Woche
- Normale Werbung
Sehen Sie jetzt:
Lost Places auf Teneriffa: So verrottet das „Skelett von La Matanza“![]()















Leserkommentare zu:
Todes-Ruine kostet Teneriffa 2,35 Millionen Euro – und sehr viel Arbeit
Diese Funktion ist unseren Mitgliedern vorbehalten. Hier finden Sie unsere Angebote.