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Windenergie: Teneriffa reserviert 125 Quadratkilometer für Windräder


Im Süden Teneriffas sollen Windparks entstehen. Die Insel-Politik reservierte 125 Quadratkilometer Platz für den Ausbau erneuerbarer Energie. Ein Experte schlägt eine Alternative vor. Als wahrscheinlich gilt das Szenario jedoch nicht.

Von Juan Martín Lesedauer: 4 Minuten

Bis 2040 muss Teneriffa klimaneutral sein. Der Plan der regionalen Regierung lautet, dieses Ziel schon 2030 zu erreichen. Wenn die Kanaren-Insel das schaffen möchte, sind Opfer notwendig. Eines davon präsentierte die regionale Politik nun.

Demnach sollen 125 Quadratkilometer Fläche für den potenziellen Aufbau von Windrädern reserviert werden. Geplant werden die Windparks in dem Teil der Insel, der als besonders windreich gilt.

Auch Photovoltaik-Anlagen sollen in dem Gebiet errichtet werden. Rund um diese Technologie schlägt ein Experte eine Alternative vor. Doch laut Politik gehe es vornehmlich um Windräder, hieß es. Und die sollen in der Nähe der Küsten entstehen.

Windräder und Solar-Anlagen im Südosten Teneriffas geplant

Dafür eignen würde sich insbesondere der Südosten Teneriffas, heißt es in einem Dokument der kanarischen Regierung. Konkret gehe es um Flächen im Gemeindegebiet von Arico, Fasnia, Granadilla de Abona und Güimar. Aus den Gemeinden gibt es bereits Widerspruch.

Das Cabildo von Teneriffa stellt das Dokument in Gänze in Frage. Von der Umwelt über die Industrie bis zur Mobilität und den Tourismus würde unter einer Reservierung dieser Fläche gelitten. heißt es. Von Lanzarote und Fuerteventura, die mit ähnlichen Plänen bedacht wurden, gab es Einspruch aufgrund der Eigentumsrechte der dort für den Bau von erneuerbaren Energien vorgesehenen Flächen.

Kompetenzgerangel zwischen Madrid, Kanaren und Kanaren-Inseln

Der Plan zur Energiewende, der aus der Sicht der regionalen Regierung solche Eingriffe nötig macht, geht auf das Klimaschutzgesetz zurück. Es stammt aus dem vergangenen Jahr und plant den Aufbau von Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energie im Laufe der kommenden zehn Jahre. Dazu gebe es die Möglichkeit, eine Verlängerung um fünf weitere Jahre zu erwirken.

Derzeit gibt es ein Kompetenzgerangel. Die Regierung der Kanarischen Inseln übt Druck auf die lokalen Insel-Regierungen aus. Unterdessen ist aus Madrid zu vernehmen, dass dies gar nicht möglich sei, da die spanische Zentralregierung für die Umsetzung der Pläne zuständig sei. Das nimmt den den lokalen Regierungen derzeit den Druck.

Problem für Bau von Windparks: Die Hälfte der Kanaren sind Naturschutzgebiete

So oder so stehe das Klimaziel, spätestens 2040 klimaneutral zu sein. Und dazu gibt es auf den Inseln zwei Szenarien. Eines befasst sich mit der möglichst schnellen Umsetzung herkömmlicher Technologien zur Herstellung von “grünem Strom”. Das zweite Szenario ist zukunftsgerichteter. Darin geht es um die Frage, welche Technologien in Zukunft aller Voraussicht nach sinnvoller sind.

Beide Richtungen stehen vor einem Problem: Mit 48 Prozent bestehen die Inseln fast zur Hälfte aus Naturschutzgebieten. Und in denen dürfen keine Anlagen gebaut werden, die Lärm oder Schatten erzeugen. Daher ist es sinnvoll, die Ausarbeitung der Pläne tatsächlich den Inseln selbst zu überlassen. Sie kennen ihre Gebiete am besten.

Teno- und Anagagebirge wären für Windräder perfekt – doch sie sind geschützt

Auf Teneriffa ist bereits lange klar welche Gebiete infrage kommen. Die Passatwinde wehen meist aus nordöstlicher Richtung. Das Teno- und das Anagagebirge wären perfekte Orte für Windräder. Doch sie sind Schutzgebiete. Daher wird sich die Inselregierung auf die Areale konzentrieren, die im Flächennutzungsplan der Insel (PIOT) definiert sind.

Demnach würde sich die Windenergie auf den Südosten der Insel konzentrieren. Dort verläuft eine 220-Kilowatt-Doppelsicherheitsleitung. Sie liegt zwischen dem Kraftwerk Las Caletillas in Candelaria und Granadilla de Abona und verläuft teilweise im Landesinneren sowie an der Küste. An sie könnten die Windräder angekoppelt werden.

Experte sieht Probleme bei aktuellen Plänen der Kanaren-Regierung

Bei der Photovoltaik kommt vornehmlich der Süden Teneriffas infrage. Dort ist die Nachfrage nach Energie besonders hoch. Doch die denkbaren Flächen werden meist durch Landwirtschaft oder Bauland belegt. Im Norden ist der Energiebedarf ebenfalls hoch. Doch auch dort sind die verfügbaren Flächen rar gesät. Das bestätigt auch Ricardo Guerrero von der Universität La Laguna.

Der Experte sieht die Problematik, dass Photovoltaik bei großer Hitze ineffizienter werde. Zudem sei Windenergie in tiefer liegenden Regionen am effektivsten. Beide Faktoren würden die potenziellen Aufstellflächen nochmals beschränken.

Kanaren: Atlantik-Wellen als alternative Energiequelle

Der Experte bringt daher Wellen-Energie ins Spiel. Spanien will allerdings die günstigsten Möglichkeiten einsetzen, um “grünen Strom” zu erzeugen. Wind- und Sonnenenergie sind deutlich ausgereifter und daher günstiger. Dennoch ist der Atlantik vor den Kanaren sehr aktiv. Die dortigen Wellen könnten viel Strom erzeugen. Und Wellenkraftwerke sind an den Stellen denkbar, an denen sie kaum stören.

Das Problem der kurzfristigen Wirtschaftlichkeit bleibt dennoch. Und das bringt Guerrero zu einem anderen Vorschlag: Für ihn sei die private Umsetzung deutlich effizienter. Sie gehe schneller und könne parallel umgesetzt werden. Aus diesem Grund schlägt der Experte vor, die Dächer privater Häuser zu nutzen. So könnten viele Familien energieautark werden. Und auch die Natur würde so weniger belastet, da deutlich geringere zusätzliche Flächen benötigt würden.

Derzeit gilt es als wahrscheinlich, dass das erste Szenario umgesetzt wird. Sollte der öffentliche Druck jedoch wachsen, könnte Guerreros Vorschlag in das zwar langsamere, dabei jedoch möglicherweise nachhaltigere zweite Szenario eingearbeitet werden. Die zusätzlich benötigten Flächen würden entsprechend deutlich kleiner ausfallen.


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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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