Rentner sollen auf den Kanaren überwintern, um Gas in Deutschland zu sparen


Die mögliche Gas-Krise im deutschen Winter soll mit einer ungewöhnlichen Aktion abgefedert werden. Nach einem neuen Vorstoß sollen Rentner gefördert werden, wenn sie in warmen Destinationen überwintern. Die Buchungen auf den Kanaren sind daraufhin merklich angestiegen.

Lesedauer: 3 Min.

Es klingt für viele Rentnerinnen und Rentner zu schön, um wahr zu sein: Sie sollen Deutschland im Winter verlassen und subventionierten Urlaub in der Sonne machen. Ausgedacht hat sich das der Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR) in Deutschland. Damit soll der Gas-Verbrauch signifikant gesenkt werden.

Die Idee dahinter lautet: Sollte Deutschland durch den Ukraine-Konflikt kein russisches Gas mehr erhalten, müsste der Verbrauch deutlich gesenkt werden. Der Notfallplan der Regierung sieht vor, dass zunächst die Industrie uns als letztes Privathaushalte von der Gasversorgung getrennt würden. Doch auch das würde nur übergangsweise helfen.

Marija Linnhoff vom VUSR hat daraufhin eine Prämie für Rentner ins Spiel gebracht, die im Süden überwintern. Viele von ihnen seien nicht zwingend an die Heimat gebunden und so könne der Gasverbrauch deutlich gesenkt werden. Der Vorschlag: Die Bundesregierung solle das Überwintern im Ausland mit 500 Euro pro Kopf fördern.

Deutsche Rentner in Kanaren-Dauerurlaub, um Gas zu sparen?

Eine Antwort auf diesen Vorschlag seitens der Bundesregierung steht aus. Dort wird der Vorstoß bisher allerdings auch kaum ernst genommen. Zumal auch der verhältnismäßig kleine Beitrag pro Kopf – je nach Nutzung des Angebots – in Summe schnell ein größeres Milliardenpaket ausmachen könnte.

Dennoch melden die Kanarischen Inseln einen deutlichen Anstieg der Buchungen, seit der Vorschlag unterbreitet wurde. Doris Borrego, Präsidentin des Verbands der kanarischen Ferienvermieter (Ascav), meldet eine Zunahme der Buchungen um rund 20 Prozent, seit die Idee im Raum steht.


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Ob es sich bei den Buchungen um einen zeitlichen Zufall handelt, oder ältere Deutsche, die ohnehin mit dem Gedanken spielten auf den Kanarischen Inseln zu überwintern, daraufhin Nägel mit Köpfen machten, ist unklar. Möglich ist, dass einige potenzielle Nutznießer einer solchen Aktion nun die Buchung abgeschlossen haben, damit sie im Falle einer Prämie davon profitieren können. Gereist wären sie möglicherweise ohnehin.

Kanaren-Urlaub: Deutschland bleibt hinter den Erwartungen zurück

Während die Verantwortlichen auf den Kanarischen Inseln hoffen, dass der Vorschlag doch noch überdacht wird, gibt es gute Gründe, warum in Berlin auch abseits Kosten nicht über eine solche Lösung nachgedacht wird. Denn sie würde auch ein Signal der Sorge in Richtung Moskau senden, was in dieser Form außenpolitisch kontraproduktiv sein könnte.

Auf den Kanaren würde hingegen ein Problem gelöst. Immerhin erholt sich der deutsche Tourismusmarkt langsamer. Die Buchungen aus dem nach Großbritannien wichtigsten Reisemarkt für die Inseln bleiben hinter den Erwartungen zurück (-6 Prozent), während das Königreich sie sogar übertraf (+12,6 Prozent).

„Silber Plus“-Urlauber auf den Kanarischen Inseln willkommen

Tourismusministerin Yaiza Castilla sprach von einer „willkommenen Maßnahme“. Sie betonte, dass die so genannten „Silber Plus“-Urlauber gern gesehen seien. So werden Touristen über 55 Jahre bezeichnet, die Langzeiturlaub auf den Kanaren machen.

Im Jahr 2019, also vor der Krise, haben die Kanarischen Inseln knapp 132.000 Besucher aus diesem Segment begrüßt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei rund 50 Nächten. Das bedeutete einen Jahresumsatz von 383 Millionen Euro.

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Johannes Bornewasser sw klein

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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