Sturmtief Therese hat auf den Kanaren einen Toten, Evakuierungen und weitreichende Verkehrsbehinderungen hinterlassen. Am Samstag starb auf El Hierro ein 79-Jähriger, nachdem Rettungskräfte ihn in El Tamaduste aus dem Meer geborgen hatten.
Trotz Reanimationsversuchen des kanarischen Rettungsdienstes erlag der Mann seinen Verletzungen. Ebenfalls am Samstag verzeichneten die Flughäfen der Inseln bis zum frühen Nachmittag 24 Flugausfälle und drei Umleitungen. Die Zahl der gestrichenen Verbindungen stieg im Tagesverlauf auf 33. Besonders betroffen waren die westlichen Inseln sowie Gran Canaria.
Das Unwetter brachte starke Regenfälle, hohe Brandung, Stromausfälle, kleinere Küstenüberflutungen und Felsstürze, darunter einen 15 Tonnen schweren Felsbrocken, sowie umgestürzte Gegenstände durch heftige Windböen mit sich. Auf Gran Canaria gab es einen seltenen Eingriff:
Kanaren-Unwetter Therese lässt Stausee überlaufen
Die Talsperre Los Pérez auf Gran Canaria hat am Samstag ab 17.20 Uhr Wasser über den Entlastungskanal abgeführt. Nach Angaben aus Gáldar geschah dies erst zum dritten Mal seit Bestehen der Anlage.
Wegen des steigenden Zuflusses nach den Regenfällen durch Tiefdruckgebiet Therese räumten die Behörden vorsorglich die Ortsteile Los Pérez und El Hornillo in der Gemeinde Agaete. Einsatzkräfte blieben im Gebiet von Agaete und Gáldar und beobachteten vor allem die Barrancos unterhalb der Staumauer.
Mit dem Überlauf wuchs die Sorge vor höheren Wassermassen in den Schluchten flussabwärts. Mehrere Straßen waren wegen Erdrutschen und Steinschlägen gesperrt. Die Verwaltungen riefen die Bevölkerung auf, überflutbare Zonen sowie die Nähe von Barrancos und Talsperren zu meiden.
Wegen Unwetter: Notstandsstufe auf Gran Canaria
Das Cabildo stufte die Lage auf der gesamten Insel auf Notstandsstufe 1 hoch. Auslöser waren die anhaltenden Niederschläge, besonders in den Höhenlagen, sowie ein deutlicher Anstieg der Wasserstände in mehreren Staubecken. Auf zahlreichen Straßen kam es zu neuen Abbrüchen und Behinderungen.
Cabildo-Präsident Antonio Morales wies Berichte in sozialen Netzwerken zurück, wonach die Talsperre Los Pérez eingestürzt sei oder kurz davor stehe. Davon könne keine Rede sein, sagte er. Ein Überlaufen und abwärts fließendes Wasser seien möglich, dafür gebe es aber Entlastungseinrichtungen und laufende Überwachung.
Morales betonte, die starken Regenfälle füllten die Speicher für die Landwirtschaft, zugleich habe der Samstag viele Zwischenfälle gebracht. Er rief dazu auf, weder in die Gipfelregionen noch an Barrancos und Talsperren zu fahren. Das Cabildo hielt seine Einrichtungen, Freizeitangebote im Freien und die Interpretationszentren geschlossen.
Auf Teneriffa lagen die Schadenschwerpunkte im Süden und Westen, wie Cabildo-Präsidentin Rosa Dávila mitteilte. In El Médano beschädigte die See die Uferpromenade bei nächtlichem Hochwasser. In Los Silos riss ein Hangrutsch einen Kanal mit und ließ rund 100 Anwohner vorübergehend ohne Wasserversorgung.
Auf La Palma fielen am Flughafen besonders viele Verbindungen aus. Aena meldete dort 21 gestrichene Flüge, betroffen waren Verbindungen nach Teneriffa Nord, Gran Canaria, Teneriffa Süd, Düsseldorf, Faro und Madrid. Maschinen aus Porto und Berlin wurden nach Portugal zurückgeleitet, ein Flug aus Frankfurt wich nach Lanzarote aus. Auf El Hierro fielen drei Flüge aus, allesamt mit Bezug zu Teneriffa Nord.
Eis und Schnee: Teneriffa lässt Zugang zum Teide gesperrt
Auf Teneriffa blieb der Zugang zum Teide gesperrt, nachdem in den Hochlagen zehn bis 20 Zentimeter Schnee gefallen waren. Die Inselverwaltung stufte den Insel-Notfallplan am Sonntag ab 8 Uhr von Alarm auf Voralarm zurück. Waldgebiete, Wanderwege, Erholungszonen und der Teide-Nationalpark bleiben dennoch gesperrt, ebenso die Straße TF-445 nach Punta de Teno.
Am Sonntag soll die Wetterlage auf den Kanarischen Inseln zwar noch anhalten, jedoch zunehmend an Intensität verlieren. Der Wetterdienst AEMET erwartet weiterhin anhaltende Niederschläge, vereinzelte Gewitter und kleinkörnigen Hagel vor allem in den höher gelegenen Bereichen der Kanarischen Inseln.
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