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Weltraum-Durchbruch: Kanaren-Satellit liefert neuartige Bilder


Die Kanarischen Inseln haben eine neuartige Technologie in den Weltraum geschickt. Seit Anfang des Jahres fotografiert Drago-2 die Erde. Was der Satellit anders macht als bisherige und die Kanaren in der Weltraum-Forschung vorhaben.

Von Juan Martín Lesedauer: 3 Minuten

Am 4. Januar wurde kanarische Weltraum-Geschichte geschrieben. Seither kreist ein Satellit in der Umlaufbahn, der neuartige Bilder der Erde schießt. Es ist bereits der zweite seiner Art. Doch die Technologie von Drago-2 ist deutlich weiterentwickelt.

Das Institut für Astrophysik der Kanarischen Inseln (IACTEC) hat den Satelliten, dessen Name ein Akronym für “Demonstrator for Remote Analysis of Ground Observations” ist, in die Erd-Umlaufbahn gebracht. Der Minisatellit beobachtet die Erde auf einer Wellenlänge, die zwischen Infrarot und und dem sichtbaren Spektrum liegt.

Die Technologie wird SWIR genannt und steht für “Short-Wave Infrared”. “Bisher hat nur ein Satellit auf dieser Frequenz funktioniert”, sagt der Forschungsleiter des Projekts, Álex Óscoz. Dabei handle es sich um einen NASA-Satelliten. Dieser sei jedoch wesentlich größer und damit viel teurer.

Kanaren-Technologie liefert neuartige Bilder aus dem Weltraum

Satelliten, die die Erde mit anderen Spektren filmen, können durch Wolken oder Rauch weniger klare Bilder liefern. Genau dort kommt der kanarische Satellit ins Spiel. Dennoch sei der neue Satellit eine Erweiterung zu bisherigen Technologien, wie beispielsweise dem Sentinel-2 der Europäischen Weltraumorganisation (ESA).

Drago-2 ist eine Erweiterung von Drago-1. Die Auflösung sei trotz ähnlicher Größe und Bauweise “sechs Mal höher als die seines Vorgängers”, teilte das IAC mit. Man habe mit Drago-2 auch das Potenzial der auf den Kanarischen Inseln hergestellten Geräte geprüft. Seit Januar 2021 kreisen Bauteile des Archipels um die Erde.

Heimat-Besuch: Satellit passiert die Kanaren alle zwei Wochen

Drago-2 passiert seine Heimat, die Kanarischen Inseln, alle 14 Tage. In der Leitstelle erscheinen dann gestochen scharfe Bilder der Kanaren auf großen Monitoren. Sie sind die Summe mehrerer Aufnahmen, die von den Satelliten bei jeder Umrundung aufgenommen wurden.

Auch der Vulkanausbruch auf La Palma wurde so beobachtet. Doch Drago-1 lieferte Bilder, die für exakte Analysen nicht scharf genug waren. Das soll die Weiterentwicklung nun ändern.

Weltraum-Technik der Kanaren: Erste Drago-Bilder liegen seit Februar vor

Am 21. Februar konnten die Forscher des IAC erste Bilder des Satelliten herunterladen. Das Foto sei kristallklar gewesen. Es handelte sich um ein Schwarz-Weiß-Foto, da es im SWIR-Spektrum aufgenommen wurde. Darauf zu sehen ist ein Gebiet in Mali mit mehreren Brandherden.

Im Vergleich zu den Fotos, die Tage zuvor von Sentinel-2 aufgenommen wurden, konnten die Forscher erkennen, dass sich die Brände ausgeweitet hatten. “Die Umlaufbahn unseres Satelliten stimmt nicht mit der Umlaufbahn der Satelliten überein, aus denen Sentinel-2 besteht.” Das sei ein großer Vorteil, da die Aufnahmen so ergänzt werden könnten, heißt es seitens des IAC.

Teneriffa ist Millionen-Investor in Weltraum-Forschung

Unterstützt wird das Projekt unter anderem durch die Verwaltung Teneriffas. Sie steckte 16 Millionen Euro in die Forschung. Der Plan: Die Kanaren sollen sich im Bereich der Weltraum-Technologie etablieren. Folgerichtig sind die beiden Drago-Satelliten nur ein erster Schritt für die Wissenschaftler und Ingenieure.

Die nächste Mission ist entsprechend bereits in Planung: Das neue Flaggschiff soll Alisio-1 werden. Der Satellit solle Drago-3 und ein klassisches optisches Kommunikationssystem beinhalten. Aktuellen Plänen zufolge starte das Projekt in der zweiten Jahreshälfte 2023.

Kanaren-Projekt: Satelliten-Bilder werden vielseitig einsetzbar

Das Ziel laute, die Bilder der Erde stets zu verbessern. Hatte die erste Drago-Kamera noch eine Auflösung von 300 Metern pro Pixel, sind es beim aktuellen Modell bereits 50 Meter pro Pixel. Man wolle Aufnahmen mit bis zu 5 Metern pro Pixel erreichen. So könnten schließlich Busse oder Lieferwagen aus dem Weltraum zu sehen sein, heißt es aus der kanarischen Weltraumforschung.

Zudem könne das System auch rund um den Klimawandel eingesetzt werden. Öl-Teppiche und deren Verursacher könnten künftig ausfindig gemacht werden. Die Möglichkeiten seien “zahllos”, heißt es aus der kanarischen Zentrale.


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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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