Heute umstritten, früher die logische Erweiterung eines Touristenziels, das seine Kapazitätsgrenze erreicht hatte. Im Süden von Teneriffa wird 40 Jahre Massentourismus „gefeiert“. Wobei die Anteilnahme unterschiedlicher kaum sein könnte.
Der Flughafen im Süden von Teneriffa ist am 6. November 1978 von Königin Sofía eröffnet worden. Gut zehn Jahre zuvor begannen findige Geschäftsleute damit, den Teil Teneriffas zu ergründen, der zuvor für den Tourismus nur eine untergeordnete Rolle spielte. Steinwüsten aufgrund gleißender Sonne zogen zunächst kaum Touristen an. Doch Strandurlaub und Sonnengarantie wurden wichtiger und Platz stand ausreichend zur Verfügung.
Es dauerte bis zum Jahr 1986. Dann verlor Puerto de la Cruz seinen Platz als unangefochtene Nummer eins im Teneriffa-Tourismus. Erstmals war der Süden der größten Kanaren-Insel besser besucht. Die Geburtsstunde des Massentourismus im Süden von Teneriffa und damit für die Kanaren allgemein war gekommen. Mit all seinem Licht und Schatten.
Teneriffa Süd: Der Massentourismus startete 1986
Über Jahrzehnte wurde die vergleichsweise einfache Art, Geld zu verdienen, umjubelt. Bis 2020 alles kurzzeitig zum Erliegen kam. In der Folge der globalen Krise änderte sich einiges. Die Inflation und die Möglichkeit, von überall zu arbeiten, sorgten dafür, dass Menschen ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft oder zumindest saisonal verlegten.
Mit dem Geld, das Auswanderer und Überwinterer auf die Kanaren brachten, änderten sich Immobilienpreise und Mieten nach den üblichen Gesetzen der Marktwirtschaft rasant. Und so wird seit den 2020er-Jahren erstmals alles infrage gestellt, was 1986 laut umjubelt wurde.
1986 geschah mehr als der Aufstieg von Teneriffas Süden
Der Wendepunkt im Teneriffa-Urlaub veränderte die Kanaren-Insel für immer. Landschaft, Wirtschaft und Selbstverständnis wurden nicht nur auf den Kanarischen Inseln in den 80er-Jahren nachhaltig auf den Kopf gestellt.
Genau wie die jüngste globale Krise Veränderungen auslöste, gab es auch 1986 nicht nur mit der Atomkatastrophe von Tschernobyl Veränderungen im Alltag vieler Menschen. In der Folge entschieden sich knapp zwei Millionen von ihnen für einen besondereren und weit entlegenen Urlaub. Davon entschieden sich mit 883.000 Menschen erstmals weniger für den Norden Teneriffas als für den Süden, der rund 962.500 Urlauber anzog.
Infrastruktur und Ausbau im Süden Teneriffas
Doch bevor der Süden zur neuen Tourismus-Destination auf Teneriffa werden konnte, mussten diverse Infrastruktur-Projekte durchgeführt werden. Neben dem Flughafen wurde auch die heutige TF-1 gebaut. So wurde der Süden nicht nur zugänglich, sondern schnell zum Haupt-Eintrittstor auf die Insel und zum Drehkreuz für Kanaren-Urlauber.
Während Puerto de la Cruz weiterhin Menschen anzog, die zwar das milde Klima schätzten, dabei jedoch die Passatwolke als angenehm gegen direkten Sonnenschein empfanden, wurde der Süden zum Inbegriff von Sonnengarantie und Strandurlaub. Erst zu dieser Zeit begann die Mehrzahl der Gastronomen und Hoteliers im Norden zu verstehen, dass sie in der eigenen Inseln eine riesige Konkurrenz erhalten hatten.
Inzwischen ist Teneriffas Süden die unangefochtene Nummer eins. Die Regionen von El Médano bis Los Cristianos, von dort weiter bis nach Playa de Las Américas und schließlich von Costa Adeje bis in den Westen nach Los Gigantes, bestimmen den Tourismus auf Teneriffa.
Teneriffa: Geteilt bei Tourismus und Gesellschaft
Jahrzehnte hielt der Norden stand, bis sich Hotels und ganze Orte schließlich in einem gehörigen Sanierungsstau wiederfanden. Puerto de la Cruz erkannte das in den späten 2000ern und begann mit Sanierungsprojekten.
Auch wenn sich heute wieder mehr Leerstand in zuvor belebten Straßen ausbreitet, geht es dem Norden der Insel sukzessive besser. Das touristische Zentrum ist in den vergangenen 40 Jahren jedoch klar der Süden Teneriffas geblieben.
Was beide Gebiete vereint, ist die Unzufriedenheit unter manch Einheimischen. Durch rapide gestiegene Mieten und Immobilienpreise sowie unreflektierten Bau auch in Schutzgebieten keimte in den frühen 2020er-Jahren Tourismus-Kritik auf. Gleichzeitig befinden sich die Kanaren heute in einer Phase der niedrigsten Arbeitslosigkeit seit langem.
Auf der einen Seite sorgt das für Protest, auf der anderen für feste Einkommen. Die Gesellschaft wirkt an dieser Stelle ähnlich gespalten wie Teneriffas Norden und Süden: Beides hat ein klares Für und Wider.
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Umstrittenes Jubiläum: 40 Jahre Massentourismus auf Teneriffa
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