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Kanaren: Mehr Arbeiter und trotzdem höhere Arbeitslosigkeit


Die Handelskammer der West-Provinz sagt den Kanarischen Inseln ein langsameres Wirtschaftswachstum voraus. Mehr Arbeitnehmende stehen mehr Arbeitslosen gegenüber. Das steckt dahinter.

Von Johannes Bornewasser Lesedauer: 3 Minuten

Die Handelskammer von Santa Cruz de Tenerife schätzt moderat. Lieber zu wenig Wachstum prognostizieren, als zu enttäuschen. Das zeigt der Blick auf die Vorjahreszahlen. Für 2023 war ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,5 Prozent ausgerechnet worden. Vorbehaltlich einiger Revisionen, landeten die Kanaren wohl bei 3,9 Prozent.

Damit wuchs die Wirtschaft der Kanarischen Inseln sogar über dem nationalen Durchschnitt. Die Experten zeigten sich mit diesem Ergebnis zufrieden. Und doch gibt es auch einen Wermutstropfen.

Denn für das laufende Jahr wurde ein Wirtschaftswachstum von grade mal 1,4 Prozent prognostiziert. Das teilte die Handelskammer der Provinz Santa Cruz de Tenerife in dieser Woche mit. Und auch die Zahlen des Arbeitsmarkts stimmen nachdenklich.

Kanaren-Wirtschaft wächst zuletzt in allen Bereichen

Derzeit blicken alle Wirtschaftssektoren der Kanarischen Inseln auf ein Wachstum. Traditionell angeführt vom Dienstleistungssektor, der einen Anstieg von 3,2 Prozent registriert, steigt auch die Industrie um 2,3 Prozent. Es folgen der Bausektor mit 1,2 und der Primärsektor mit 0,4 Prozent Wirtschaftswachstum.

Der Präsident der Handelskammer, Santiago Sesé, sieht ein starkes viertes Quartal 2023 für die in Summe guten Zahlen verantwortlich. Wenn sich die Schätzungen von Handelskammer und Nationalem Statistikinstitut INE bewahrheiten, hätten die Kanarischen Inseln das durchschnittliche Wachstum des Landes um 1,4 Prozent übertroffen.

Zudem hätten die Kanaren nominal ein BIP von 54,24 Milliarden Euro erreicht. Das würde die Rekorde vor der jüngsten Krise deutlich übertreffen. Im Jahr 2019 lag das Kanaren-BIP noch bei 47,18 Milliarden Euro.

Kanaren: Mehr Arbeitnehmende, aber auch mehr Arbeitslose

Sesé lobt die Kanaren-Wirtschaft für ihre Fähigkeit, trotz der globalen Unsicherheiten zu wachsen. Als Motor sieht der Experte vor allem den reaktivierten Tourismus und seine Auswirkungen auf alle Sektoren sowie den Arbeitsmarkt der Kanarischen Inseln.

Die Arbeitskräfteerhebung (EPA) zeigt, dass die Beschäftigung im vergangenen Jahr um 26.100 Personen auf 1.016.900 gestiegen ist. Damit wurden erstmals mehr als eine Million Beschäftigte gleichzeitig auf den Inseln gezählt.

Die Zahl der Arbeitslosen stieg derweil ebenfalls. 27.400 neue sorgten für eine Summe von 196.400 Arbeitslosen. Dass trotz der Zunahme an Beschäftigten auch die Arbeitslosigkeit steigen konnte, liegt an der kontinuierlichen Zunahme der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Diese beträgt auf den Kanarischen Inseln nun etwas mehr als 1,21 Millionen Personen.

Damit liegt die Arbeitslosenquote zu Ende 2023 bei 16,19 Prozent. Das bedeutete trotz positiver Wirtschaftszahlen eine Zunahme um 1,6 Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr davor. Die nationalen Arbeitslosenquote liegt mit 11,76 Prozent nun 4,4 Prozentpunkte darunter.

“Puls der Kanaren-Wirtschaft” ist kräftig

Lola Pérez blickt als Direktorin der Handelskammer auf einen kräftigen “Puls der kanarischen Wirtschaft”. In den vergangenen elf Quartalen sei ein Wirtschaftswachstum auf den Inseln registriert worden. “Wenn wir uns mit dem Rest Spaniens vergleichen, sehen wir, dass wir über dem nationalen Durchschnitt liegen”, sagte Pérez: “Und das ist dem Tourismus und seinem Einfluss auf unsere Wirtschaft zu verdanken.”

Im laufenden Jahr bleibt die Kanaren-Wirtschaft der Prognose zufolge gesund, wächst zugleich jedoch deutlich geringer. Dabei sind sich die Handelskammer und die Caixa Bank einig, die in ihrer gleichnamigen Studie davon ausgeht, dass sich das BIP-Wachstum im Jahr 2024 verlangsamen wird. Für ganz Spanien wird eine Wachstumsrate von etwa 1,5 Prozent angenommen.

Die Wirtschaft der Kanarischen Inseln soll laut Prognosen sehr knapp dahinter bleiben. Wenn die Handelskammer der Provinz Santa Cruz de Tenerife nicht erneut zu vorsichtig geschätzt hat.


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Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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