„Love Island“ Teneriffa: Was Sie über das Trash-TV-Format wissen müssen


Wenn "Love Island" am Montag in die fünfte Staffel geht, macht das surreale TV-Format erstmals Halt auf den Kanaren. Hier erfahren Sie alles, was Sie über die Sendung von Teneriffa wissen müssen.

Lesedauer: 5 Min.

Eines vorweg: Wenn wir schreiben, dass Sie hier alles erfahren, „was Sie über die Sendung von Teneriffa wissen müssen“, ist das streng genommen schon die erste Produktenttäuschung. Denn ehrlicherweise müssen Sie gar nichts über die am Montag startende fünfte Staffel wissen. „Love Island“ ist bei weitem nicht so schlimm wie andere Trash-Formate im deutschen Fernsehen. Und doch steht am Ende jeder Folge die Erkenntnis, dass Ihnen diese Lebenszeit niemand zurückerstatten wird.

„Love Island“ verspricht die große Liebe für mindestens ein Paar. Wenn es sich nach drei Wochen Leid nicht doch für hastig zwischen die beiden Liebessuchenden geschobenes Geld entscheidet. Immerhin 50.000 Euro ist es RTL wert, den großen Ferien-Flirt auf der Zielgraden doch noch implodieren zu lassen. Sie sehen: Ganz so ernst nehmen es die Produzenten mit der via Sendungs-Titel versprochenen Liebe dann doch nicht.

Auf der Insel der Liebe werden Teilnehmende „Islander“ genannt. Und Paare heißen „Couples“. Bei der Verpaarungszeremonie werden sie denglisch korrekt „vercoupelt“ und dürfen – oder müssen – dann bis zur nächsten Zeremonie ein Pärchen bleiben.

Es ist eine kunterbunte Bubblegum-Welt, die RTL bei Love Island zeichnet. Wird es zu harmonisch, werden gemeine Aufgaben gestellt. Beispielsweise müssen dann die von den Quoten-Bewachern als brauchbare Paare enttarnten Teilnehmer unter den Sorgenkindern aufräumen. Das geht in der Regel nicht ohne Tränen und sehr viel ferienlagerartiges Drama. Sobald dann eine Person die Villa verlässt, ist automatisch eine andere gefährdet. Denn wer kein „Couple“ hat, fliegt früher oder später ebenfalls aus der Show.

Love Island von Teneriffa: „Granaten“ gegen den Lagerkoller

Damit es spannend bleibt, herrscht im Hintergrund der Sendung reger Betrieb. Sobald sich die „Islander“ zu sicher fühlen, kommen neue Teilnehmerinnen oder Teilnehmer hinzu. Die heißen „Granaten“. Das bezieht sich in der Regel nicht auf ihren Knaller-Verstand, sondern – selbstverständlich – ihr Äußeres.

Die neuen „Granaten“ sollen für Trubel sorgen. Eine Prise Eifersucht ist eben die nicht ganz so geheime Geheimzutat jeder Reality-TV-Show mit sich am Pool räkelnden Badehosen-Models, die im normalen Leben entweder am Bachelor-Studium verzweifeln oder bereits komplett auf Instagram-Influencer geschwenkt haben.

Irgendwie wird auf Love Island immer angebandelt

Doch zurück zum Show-Konzept: Ziel der Islander ist es, immer schön „vercoupelt“ zu bleiben. Gelingt das, sind sie einigermaßen „save“, wie es im sendungsinternen Slang heißt. Dabei ist es erst einmal zweitrangig, ob die Frau aus Couple A eigentlich den Mann aus Couple B begehrt. Das wird einfach in der nächsten Runde korrigiert. Die Hauptsache ist es, nicht allein zu sein –  ein Konzept, in dem sich auf Seiten der Zuschauenden viele Ehen im Vorscheidungsstadium wiederfinden dürften.

Irgendwie wird also immer angebandelt. Und wird das zu langweilig oder harmonisch, kippen die Medienmacher einfach eine satte Ladung Alkohol in die Runde und blasen zur abendlichen Pool-Party. Für die wird selbstverständlich das drölfte Outfit des Tages übergestreift und dann so lang getanzt, bis einer der Teilnehmenden eine Nachricht auf sein Smartphone bekommt.

Naaaaaaaachriiiiiicht gegen Love-Island-Langeweile

Passiert das, verstummt auch die schlimmste Konversation für einen Moment, damit alle gemeinsam „Naaaaaaaachriiiiiicht“ rufen können. Einer liest vor, alle stöhnen mit. Meist verbirgt sich hinter dieser Naaaaaaaachriiiiiicht nämlich eine Aufgabe. Und zum Lösen komplexerer Anforderungen als dem regelmäßigen Nachcremen für das tägliche Dauer-Sonnenbad, fühlt sich in der elitären TV-Granaten-Auswahl garantiert niemand berufen.

Alternativ wird per Smartphone-Befehl auch mal ein Paar für einen Abend ganz allein in eine abgeschiedenen Suite geschickt. Also fast ganz allein. Denn die bis zu 860.000 TV-Zuschauer, die RTL bisher als Rekord-Quote meldete, werden selbstverständlich Dank zahlreicher Kameras auf dem Laufenden gehalten.

Benötigt werden sie übrigens nicht. Denn natürlich erzählen die Separee-Protagonisten am nächsten Morgen ohnehin in der gebotenen epischen breite, was sich in der nicht ganz so zweisamen Zweisamkeit ereignete.

Meist geschieht das bei den Männern durch kurzes Abklatschen, lautes Lachen und ein bestätigendes „stabil, Bro“. Das heißt soviel wie: „Reife Leistung (’stabil‘), mein nichtverwandter Mental-Bruder (‚Bro‘ – kommt vom englischen Brother)“.

Auf der anderen Seite geht es im Regelfall detaillierter zu. Dabei lassen die Damen gern den Teil vom Knutschen aufwärts weg. Frau möchte sich ja nicht als leicht zu haben dargestellt wissen.

Und RTL schneidet alles so geschickt zusammen, dass die TV-Zuschauer in den dargebotenen Geschichten bestenfalls wiederkennen, was sie zwei Minuten zuvor erstmals ertragen mussten. Oder sie sehen, wer zur Darstellung der eigenen Männlichkeit vielleicht ein paar Details ein klitzekleines bisschen verändert hat.

Optik vor Inhalt? Das ist Love Island auf Teneriffa

Während der Sendung ändert sich die Besetzung meist so stark, dass von den Anfangsteilnehmenden am Ende nur noch wenige übrig sind. Auch das ist Teil des Erfolgsrezepts. Der Sympathieträger fliegt raus, dafür kommt ein gockelnder Muskel-Mann hinzu. Und die doch etwas zu wenig kindchenschematische Teilnehmerin muss schnell einer Bikini-Schönheit weichen, deren Beitrag eher optischer denn inhaltlicher Natur ist.

Der Vollständigkeit sei gesagt, dass im Vorjahr tatsächlich der klügste und sympathischste Teilnehmer gewonnen hat. Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem mit Abstand peinlichsten Kandidaten. Henrik „Bonschlonzo“ (so sein Dauer-Ausruf) Stoltenberg, Enkel des ehemaligen Verteidigungsministers Gerhard Stoltenberg, fiel durch diverse Eskapaden und permanentes Schöpfen neuer teletubbieesken Wortkreationen auf.

Wie bei einem Unfall wollte ein jeder sehen, was der trottelige Blondschopf als nächstes zerstörte: Familienruf, den Glauben an das deutsche Bildungssystem oder die Kurzzeit-Beziehung zu einem seiner „Couples“. Doch am Ende gewann Tim. Und das nicht wegen, sondern trotz seines Couples. Denn Melina trieb mit der Attitüde einer dauerbeleidigten Leberwurst zielsicher wirklich jeden Zuschauer in die Fremdscham.

Das Duo teilte sich das Preisgeld fair. Und trotz aller Eskapaden versuchte es sogar, ein Pärchen – neudeutsch „Real-Life-Couple“ – zu bleiben. Doch schon wenig später wurde die Trennung bekanntgegeben. Wie es sich für Übergangs-C-Promis gehört, natürlich via Instagram. Und selbstverständlich hatte Melina sogar dabei eine Krokodilsträne für die Kamera parat.

„Love Island“ Teneriffa – das sind die Sendetermine bei RTL II

Zumindest Tim macht Hoffnung, dass in der am Montag startenden fünften Staffel auf Teneriffa ein Sympathieträger mit von der Partie ist. Falls nicht, gilt als ziemlich sicher, dass RTL zumindest einen trottelig-naiven Henrik-Nachfolger gecastet haben dürfte. Unsere Hoffnung liegt auf Amadou, der sich in der Vorschau als „Frauenversteher“ stilisierte. Doch auch Adriano („Schöne Worte sind mein Ding!“) hat durchaus Potenzial.

Zu sehen ist das ganze Drama übrigens ab dem 8. März montags bis freitags bei RTL II. Der Pilot startet um 20.15 Uhr, ab Dienstag wird die Show dann wochentags um 22.15 Uhr und sonntags um 22.05 Uhr gezeigt. Samstags bekommt der geneigte TV-Zuschauer eine Verschnaufpause zugestanden, um das Gesehene zu verarbeiten.

Kommentar: „Love Island“ macht RTL2 zu Teneriffas Marketing-Maschine
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Über den Autor

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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