Millionenprojekt liegt brach: Warum eine Kläranlage auf Teneriffa trocken läuft


Im Osten Teneriffas ist eine Kläranlage fertiggestellt worden. Sie soll nach Jahren endlich die Einleitung ungeklärten Abwassers ins Meer beenden. Doch die Anlage kann nicht in Betrieb genommen werden.

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Die Sanktionen der EU sind gewaltig. Alle sechs Monate muss die Regierung der Kanarischen Inseln wegen Verstößen gegen den Umweltschutz mehrere Hunderttausend Euro Strafe zahlen. Eine neue Kläranlage auf Teneriffa sollte das ändern. Doch sie kann nicht in Betrieb genommen werden.

Die Anlage soll die Gemeinden Candelaria, Arafo und Güímar im Nordosten der Insel versorgen. Dort wird seit Jahrzehnten Abwasser ungeklärt ins Meer geleitet. Um sowohl die Umweltverschmutzung als auch die deshalb fälligen Strafzahlungen an die EU zu beenden, ließ die Inselverwaltung zwei Kläranlagen bauen.

Eine der Anlagen ist rein für die Aufbereitung von Industrieabwasser aus dem Polígono Valle de Güímar zuständig. Sie wurde inzwischen in Betrieb genommen. Die andere Anlage soll das städtische Abwasser der Haushalte aufbereiten. Doch sie steht still.

Zu wenig Abwasser: Kläranlage auf Teneriffa steht still

Die städtische Wasseraufbereitungsanlage ist ungenutzt, da für die Inbetriebnahme mindestens 1750 Kubikmeter Wasser pro Tag ankommen müssten. Javier Rodríguez ist in der Regierung Teneriffas als Minister für nachhaltige Entwicklung und den Kampf gegen den Klimawandel zuständig. Er sagt: „Wir können die Anlage nicht in Betrieb nehmen, da es nicht genug Durchfluss gibt“.

Die Kläranlage wurde so dimensioniert, dass sie „in einer ersten Phase“ 3000 Kubikmeter Abwasser pro Tag aufbereiten kann. Sie sei erweiterbar auf bis zu 7000 Kubikmeter, erklärt der Politiker. „Damit sie ihre Arbeit aufnehmen kann, braucht es 1750 Kubikmeter pro Tag – eine Menge, die derzeit nicht in die Kläranlage gelangt.“


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Teneriffa: Zu wenige Haushalte an Haupt-Kanalisation angebunden

Der Grund ist, dass derzeit nicht alle Kanalisationen an die Kläranlage angeschlossen sind. Um die Mindest-Menge an Abwasser bis zur Kläranlage zu leiten, müssten mehr Abwasserkanäle der Gemeinden im Güímar-Tal angebunden werden. Rodríguez sagt, dass „intensiv und gemeinsam“ daran gearbeitet werde, „die Menge von 1750 Kubikmetern pro Tag“ zu schaffen.

Eine Lösung soll nun der Bau einer Pumpstation in Los Tarajales bringen, die das Abwasser von Puertito de Güímar in die Kläranlage pumpt, heißt es. Das Projekt ist mit fünf Millionen Euro angesetzt worden. Zudem sollen für zwei Millionen Euro weitere Teile von Candelaria angebunden werden.

Kläranlage auf Teneriffa kann frühestens 2024 in Betrieb genommen werden

Für den Fall, dass die von der Inselregierung Teneriffas finanzierten Arbeiten ohne Zwischenfälle abgeschlossen werden können, rechnet der Minister mit der Inbetriebnahme der regionalen Kläranlage im Jahr 2024.

In der Zwischenzeit müssen die Kanarischen Inseln weiter Strafe zahlen. Der Gerichtshof der Europäischen Union sanktionierte Spanien für die Verschmutzungen aus dem Güímar-Tal im Juli 2018 mit einer Geldstrafe von 32,7 Millionen Euro. Bis zum Ende der Abwassereinleitungen ins Meer werden alle sechs Monate Strafzahlungen in Höhe von 600.000 Euro fällig. Die Investition in die neue Pumpstation ist damit sogar wirtschaftlich betrachtet sinnvoll.

Nicht nur für die Umwelt, auch für den Tourismus sind diese Investitionen wichtig. Immer wieder müssen auf den Kanarischen Inseln Strände wegen Algenverschmutzungen gesperrt werden. Diese Mikroalgen-Tepiche führen Experten auf die Einleitung ungeklärten Abwassers ins Meer zurück. Auch dafür wurden inzwischen Maßnahmen getroffen:

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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Er ist auf den Kanaren zuhause und schreibt bereits seit vielen Jahren unter anderem über die Inseln.

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