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Donnerstag, 11. Juni 2026
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Leser schreiben für Leser

Die Kanaren im Umbruch: Wohn(t)räume oder Investorenillusion?

Auf Internet-Portalen werden 4000 illegale Ferienwohnungen gelöscht. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.

Von Sandra Burkhardt

Von Sandra Burkhardt

Vor ein paar Jahren glaubte ich, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Eine private Ferienunterkunft zu guten Konditionen, schnell die Anzahlung überwiesen, und dann der Reinfall: betrogen worden. Es gab kein Objekt, niemanden, der dahinterstand, am Ende blieb nur die Enttäuschung.

Mein Fall ist allerdings nur die Spitze von etwas weitaus Größerem. Der Wohnraum auf den Kanaren rückt für immer mehr Menschen in unerreichbare Höhen, egal ob es sich um Einheimische handelt, um Rückkehrer oder um Auswanderer, die hier dauerhaft ihr Leben aufbauen möchten.

Im Süden sieht das konkret so aus: Für eine 1-Zimmer-Wohnung mit 30 bis 40 Quadratmetern werden inzwischen monatlich zwischen 950 und 1200 Euro verlangt. Umgerechnet zahlt man damit bis zu 40 Euro je Quadratmeter.

Kanaren: Immobilien-Preise steigen und steigen

Wer in einen neuen Wohnkomplex zieht, der ein bis zwei Zimmer bietet, schlicht ausgestattet und ohne jeden Komfort, ist mit 1800 Euro und mehr dabei. Noch vor wenigen Jahren bekam man eine einfache Altbauwohnung mit zwei Zimmern für etwa 165.000 Euro. Mittlerweile setzen die Preise erst bei 265.000 Euro ein, und sobald renoviert wurde, liegen sie nicht selten zwischen 400.000 und 450.000 Euro.

Bei Einfamilienhäusern sieht es kaum besser aus. Eine Doppelhaushälfte oder ein kleineres Haus wechselte vor zwei Jahren noch für 450.000 bis 590.000 Euro den Besitzer, heute werden dafür über 1.000.000 Euro aufgerufen, falls sich überhaupt etwas auf dem Markt findet.

Noch schwerer wiegt, in welchem baulichen Zustand sich viele dieser Objekte befinden. In den Altbauten stecken veraltete Leitungen und Rohre, eine Dämmung fehlt ebenso wie eine Lüftung. Mancherorts kommen Schimmel hinzu, Schwermetalle in den alten Rohrsystemen oder Asbest in der Substanz, lauter Risiken, die kaum jemand anspricht.

Im Neubau wiederum macht sich ein fragwürdiger Trend breit: einfache Hohlblockwände oder OSB-Konstruktionen werden aufwendig verkleidet und dann als „Luxusimmobilien“ für mehr als 2 Millionen Euro angeboten. Hinter den Glasfassaden und den Designerfliesen steckt oft kaum mehr als Rohbauqualität.

Den explodierenden Preisen steht ein Mindestlohn gegenüber, der auf den Kanaren bei rund 1323 Euro brutto im Monat liegt (Stand 2025). Nach den Abzügen bleiben häufig nicht einmal 1100 Euro netto übrig, während die Mieten in vielen Fällen deutlich darüber liegen.

Was soll davon noch bleiben? Lebensqualität, Ersparnisse, eine Zukunft? Die Regierung redet von einer Neuausrichtung des Tourismus und setzt dabei auf Rentner und Medizintouristen. Zur selben Zeit verlieren jedoch immer mehr Menschen ihre Wohnperspektive, manche hausen längst im Auto, kommen bei Bekannten unter oder in leerstehenden Ruinen.

Bezahlbarer Wohnraum für die Kanaren

Auch sonst gibt die Lebensqualität nach: Staus und Müllprobleme, dazu Wasserknappheit und eine schlechte Luftqualität, für die Calima und Feinstaub sorgen. Die Zahl der Lungenkrebserkrankungen nimmt zu, und die Gesundheitsrisiken durch die schlechte Bausubstanz finden so gut wie nie ihren Weg in die Diskussion.

Wer profitiert eigentlich von dieser Entwicklung, und wer soll diese Preise zahlen? Vor allem aber bleibt die Frage, wo Familien noch unterkommen sollen. In einem 1-Zimmer-Apartment oder gleich auf der Straße? Sobald Wohnraum zum Spekulationsobjekt wird, verliert die Insel ihre Zukunft.

Gebraucht wird auf den Kanaren jetzt kein weiteres Tourismuskonzept, sondern ein Wohnkonzept, das von Verantwortung und Weitblick getragen ist. Tatkraft statt Symbolpolitik, Schutz der Bevölkerung vor Verdrängung, dazu bezahlbarer Wohnraum mit echter Qualität sowie klare Regeln gegen Spekulation, Schein-Luxus und Leerstand.

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