Die Diskussionen über unreflektierten Tourismus auf den Kanaren bekommen neuen Zunder. Denn während Airbnb und Booking sich dazu verpflichtet haben, illegale Angebote auszusortieren und zu melden, gibt es erneut ein skurriles Mietgebot. Das sorgt derzeit im Netz für Gesprächsstoff.
Das Angebot umfasst ein „vierrädriges Abenteuer“. In der Beschreibung ist außerdem von „Freiheit durch ein klassisches Auto“ zu lesen. Ganz im Sprech von Angeboten, die möglicherweise etwas zu kaschieren haben, werden „Campingstühle für gemütliche Momente“ angepriesen.
Zu sehen ist dabei ein Mercedes-Benz-Oldtimer aus dem Jahr 1986. Der 39 Jahre alte 260 SE steht in Arona im Süden von Teneriffa. Auf das Dach wurde ein Zelt geschnallt, das über eine Leiter zu besteigen ist. Inhaltlich war es das bereits mehr oder weniger. Dennoch wird mehr versprochen – und es gibt eine sehr konkrete Warnung:
Ungewöhnliches Angebot für Teneriffa-Touristen
Wer spontan Kaffee oder Pasta kochen wolle, finde dazu alles im Kofferraum, heißt es weiter: Gaskocher, Teller und Besteck seien natürlich an Bord. Ebenso gebe es „vollen Zugang“ zum Dachzelt. Außerdem erinnere die Rückbank an eine bequeme Couch.
Auch eine Toilette wird angegeben, jedoch nicht näher beschrieben. Da außer dem Kofferraum kein weiterer Stauraum zur Verfügung steht, müsste sie – wenn überhaupt – neben den Kochutensilien stehen. Wahrscheinlicher ist, dass sie nur angegeben wurde, damit das Angebot nicht in Ermangelung der Pflichtausstattung für Airbnb-Angebote auf den Kanaren automatisiert entfernt wird.
Fällig werden für dieses Abenteuer zwischen 80 und 90 euro pro Nacht. Der Mindestaufenthalt im Benz-Bett umfasst zwei Nächte.
„Wenn dir dein Leben etwas bedeutet, buche es nicht“
Dass das Angebot bisher nicht entfernt wurde, kann einen einfachen Grund haben: Das Übernachtungsauto richtet sich offiziell möglicherweise an Gäste, die bereits an anderer Stelle auf Teneriffa einen Wohnsitz oder ein Hotel gebucht haben und mit dem Wagen lediglich Ausflüge planen. Dass das eher theoretisch gemeint ist, zeigt ein genauer Blick in die Beschreibung. Dort wird eine Abholung direkt am Süd-Flughafen angeboten
Im Netz wechseln sich Lob und Kritik ab: Während die Einen darin eine weitere Befeuerung der Tourismus-Proteste und pure Geldgier wittern, sehen andere das Angebot als einzigartige Möglichkeit, mal mit einem solchen Oldtimer über eine wunderschöne Vulkaninsel zu touren.
Bisher gibt es 18 Gästebewertungen mit durchschnittlich 4,39 von fünf möglichen Sternen. Für Airbnb-Verhältnisse ist das ein durchaus guter Wert. Trotzdem könnte ein Blick in die einhergehenden Kommentare lohnen.
Dort schreibt ein Mieter: „Ich rate, das Auto nicht zu buchen. Ich hatte es schon einmal und alles war in Ordnung. Aber dieses Mal war es in einer grauenhaften Beschaffenheit. Wenn dir dein Leben etwas bedeutet, buche es nicht! Wir haben gerade die Bremse verloren und wären fast gestorben. Das Auto hat über 200.000 Kilometer auf dem Buckel und ist wirklich in einem schrecklichen Zustand.“
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Leserkommentare zu:
„Wären fast gestorben“: Teneriffa-Airbnb spaltet die Gemüter
Wie lange reden wir schon über genau dieses und andere Probleme? Ich denke, es ist an der Zeit, dass Teneriffa endlich dem Beispiel Mallorcas folgt. Solche Angebote, wie auch unkontrolliertes Saufen und Lärmen, müssen endlich ein Ende haben. Partyorte wie Las Veronicas können streng kontrolliert beibehalten werden. Als einzige Sauf- und Lärmpunkte. An allen anderen Stellen ist um spätestens 23 Uhr Ruhe angesagt.
Vermietungen müssen viel konsequenter überprüft und Vorgaben erlassen werden. Dazu sollten Testanmietungen durchgeführt werden und Airbnb bei Verstößen mit satten Strafen belegt werden. Die Personenanzahl in vermieteten Objekten müsste endlich begrenzt werden. Wie kann es sein, dass ein Haus in einer Wohnanlage von acht randalierenden Jugendlichen angemietet werden kann? Auch Eigentümergemeinschaften sind da gefordert und müssen im Zweifel gesetzlich verpflichtet werden, Meldung zu erstatten, oder andere Maßnahmen zu ergreifen.
Die Ordnungsbehörden, die an Bequemlichkeit nicht zu überbieten sind, müssten ebenfalls verpflichtet werden, bei Hinweisen oder Beschwerden sofort persönlich zu erscheinen und Maßnahmen zu treffen. Geldstrafen müssten sofort verhängt und eingezogen werden.
Es gibt so viele Möglichkeiten, von staatlicher Seite etwas in dieser Hinsicht zu tun, aber seit Jahren rennt man tatenlos ins offene Messer. Bei den touristischen Einnahmen dürfte es doch kein Problem sein, Behörden personell aufzustocken und ihnen gleichzeitig vorzuschreiben, was und wie sie es zu tun haben.
Es scheint, als befände sich das politische Teneriffa im Traum der Glückseligkeit. Touristenströme bringen Geldströme auf die Insel, an denen man sich labt, fett isst und den Rest, vor allem die Probleme, ignoriert. Wenn sich das nicht bald grundlegend ändert, wird die Situation über kurz oder lang explodieren. Beispiele aus der Vergangenheit gibt es genug, gerade in Spanien!
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