Wohnwagen und Wohnmobile bilden an immer mehr Orten auf den Kanarischen Inseln regelrechte Dörfer. Auf Teneriffa ist das immer mehr Lokalpolitikern das ein Dorn im Auge. Zunehmend mehr Städte wollen die mobilen Siedlungen bekämpfen. Doch die Geschichte dahinter ist oft traurig.
Für einige ist „Vanlife“, also das dauerhaft Leben in einem Camper, der Inbegriff von Freiheit. Andere sind dazu gezwungen. Was einige dieser Menschen aus beiden Welten teilen, sind die Stellplätze. Und die werden auf Teneriffa sukzessive knapp.
In Puerto de la Cruz im Norden Teneriffas ist der große Parkplatz inzwischen eine solche Dauer-Siedlung geworden. Und auch in Arona gibt es ganze „Wohnmobil-Dörfer“. Der dortigen Regierung ist das ein Dorn im Auge. Doch einfach verbieten, würde ein neues Problem schaffen:
Teneriffa will Wohnmobil-Dörfer bekämpfen
Die sozialistische Fraktion im Stadtrat von Arona, PSOE, prangerte am Montag die zunehmende Verbreitung von Wohnwagen- und Wohnmobilparks in verschiedenen Gebieten der Gemeinde an. Dabei geht es sowohl um normal genutzte als auch um verlotterte Wohnwagen.
Das Problem sei der „Mangel an Kontrolle“. Die Gemeinde kritisiert die „massive Besetzung“ öffentlicher Räume durch Wohnwagen und Wohnmobile. Eines der größten Probleme daran sei das Fehlen von „grundlegenden Dienstleistungen“, womit beispielsweise sanitäre Bereiche gemeint sind.
Die Nutzung unbebauter Grundstücke und Küstengebiete als provisorischer Parkplatz sei ein „wachsendes Problem für die Gemeinschaft und das Image der Gemeinde“, hieß es in der Debatte.
Teneriffa: Immer mehr Arbeiter wohnen in Campern
Das Problem entsteht jedoch viel tiefer. Denn aufgrund des mangelnden Wohnraums auf den Kanarischen Inseln arbeiten viele Menschen in den Tourismus-Hochburgen, wohnen jedoch weit davon entfernt, um sich die Miete leisten zu können. Nach langen Schichten lohnt der Weg nach Hause nicht.
Inzwischen haben sich viele im Tourismus beschäftigte Kanarios daher in Wohnwagen nahe ihrer Arbeitsstätten niedergelassen – also am Rand von touristisch wichtigen Gebieten. Sie fahren nur für freie Tage oder nach planbar normalen Schichten nach Hause. Auf diese Weise entstehen immer mehr „Wohnmobil-Dörfer“.
Teneriffas soziales Dilemma aus fehlendem Wohnraum und „Camper-Ghettos“
Für die Sozialisten stellt das ein echtes Problem dar. Auf der einen Seite sind sie als Arbeiterpartei den Betroffenen verpflichtet, auf der anderen Seite regt sich Widerstand gegen die wilden Siedlungen. Daher wird das Problem von dort aus nun einfach weiter delegiert. Die lokale Politik fordert nun von der Insel-Regierung Lösungen.
Eine davon sei es, mehr feste Camper-Stellplätze zu schaffen, so dass sich die neuen Siedlungen nicht mehr wild bilden. Kritisiert wird, dass es auf Teneriffa „wenig ausgewiesene und gut ausgestattete Campingplätze“ gebe. Die Insel-Regierung zeige einen „völligen Mangel an Management und Planung“, lautet die Kritik.
Seitens der PSOE gehe es nicht darum, Wohnwagen und Camper-Vans abzulehnen, sondern darum, sie zu regulieren, heißt es. Wörtlich gehe es darum, sie „mit der Ruhe der Bewohner, ihrer Sicherheit und dem touristischen Image der Gemeinde vereinbar“ zu machen.
Genau das zeigt das ganze Dilemma. Denn genau dieses „touristische Image“ löst die Problematik zum Teil aus. Konkret umsetzbare Lösungen, abseits der Delegierung an die nächsthöhere Instanz, lässt die PSOE von Arona bislang offen.






















Leserkommentare zu:
Kanaren sagen Camper-Dörfern den Kampf an
Selbst das Festland kämpft mit den Campern. Es gibt immer mehr Wildcamping wegen fehlender Stellplätze. Campingplätze lassen sich halt noch nicht in die Höhe bauen. Für die dringend benötigten Arbeitskräfte hingegen ließen sich doch bestimmt Wohnheime aus alten Hotels generieren.
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