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Von 3 auf 8 Mio. Besucher: Kanaren-Nationalparks vor dem Kollaps

Innerhalb von vier Jahren hat sich die Zahl der Nationalpark-Besucher auf den Kanaren fast verdreifacht. Was Experten jetzt fordern.

Von Johannes Bornewasser – letzte Änderung: – Lesedauer: 2 Minuten – 0 Leserkommentare bei Teneriffa News

Knapp ein Drittel der bekanntesten Pflanzen im Teide Nationalpark ist verschwunden. Der typische Ginster-Bewuchs leidet unter steigenden Temperaturen und Menschen, die abseits der Wege laufen. „Zertrampeln und übermäßige Nutzung“ seien das Hauptproblem, heißt es aus der Inselverwaltung in Teneriffas Hauptstadt Santa Cruz.

Ähnlich sieht das auf Lanzarote aus. Der Timanfaya-Nationalpark sei aufgrund des „übermäßigen Andrangs stark beeinträchtigt“, heißt es aus dem Osten der Kanarischen Inseln. „Die Parkplätze sind überfüllt und es gibt keinen Platz mehr“, schreibt die Verwaltung im Jahresbericht.

Die Aufsichten der Nationalparks Garajonay auf La Gomera und Caldera de Taburiente auf La Palma schlagen ähnliche Töne an. Und das zeigen auch die gerade vom Statistikinstitut der Kanarischen Inseln vorgelegten Daten:

Kanaren-Nationalparks sind überfüllt

Die jüngsten Zahlen des Istac zeigen einen enormen und sprunghaften Anstieg. Kamen 2020 noch gut drei Millionen Menschen in die Nationalparks der Kanaren, waren es ein Jahr später schon 4,7. Im Jahr 2022 stieg die Zahl der Besucherinnen und Besucher auf 6,7 und 2024 waren es bereits 8,4 Millionen.

Die Vereinigung der Naturfreunde Teneriffas fasst das Geschehen so zusammen: „Diese Daten zeigen deutlich, dass der Druck auf unsere Nationalparks durch einen scheinbar endlosen Besucherzuwachs immer weiter verstärkt wird.“ Atan-Sprecher Eustaquio Villalba ergänzt: „Es ist absolut negativ, dass unsere Nationalparks so viele Besucher haben.“ So könne die Natur nicht „in einem perfekten Zustand“ gehalten werden.

Die steigende Zahl von Besuchenden sorge für mehr Autoverkehr und vor allem für mehr Menschen, die sich abseits der Wege aufhalten. „Das hat direkte Auswirkungen“, sagt Villalba mit Blick auf den Teide „und seine Geologie, Fauna und Flora. Mit anderen Worten, seine Landschaft“.

Besucher-Begrenzung für Teide-Nationalpark

Für den Teide wurde nun eine maximale Kapazität errechnet. Demnach seien am Parador de Roques de García maximal 4403 Personen pro Tag möglich. Die Seilbahn komme mit bis zu 3816 Personen zurecht und der Teide mit maximal 1350. Die Montaña Blanca könne bis zu 1028 Personen und El Portillo bis zu 3706 vertragen.

Was wie eine Lösung klingt, sind auf das Jahr hochgerechnet 5,22 Millionen Besucherinnen und Besucher allein rund um den Teide. Villalba sagt dazu: „Am Teide-Nationalpark hat das Geschäft Vorrang vor dem territorialen Schutz.“ Die zuletzt angekündigte Gebühr von bis zu 25 Euro löse das Problem nicht, kritisiert der Atan-Sprecher.

„Shuttlebusse werden seit den 1990er-Jahren diskutiert. Und die angebliche Gebühr ist reine Demagogie, um Wahlen zu gewinnen, aber sicherlich nicht, um eine echte Lösung zu erzielen“, legt Villalba nach.

In Spaniens 16 Nationalparks wurden im vergangenen Jahr 16 Millionen Besuchende gezählt. Die meisten Parks berichten von Staus, Warteschlangen und ernsthafter Überfüllung. Lösungen fehlen auch dort. Die Kanaren stehen mit diesem Problem also zumindest nicht allein da.


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Über den Autor

Von 3 auf 8 Mio. Besucher: Kanaren-Nationalparks vor dem Kollaps

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Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Gründer und Herausgeber der Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zum Autorenprofil von .

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