Die Verschärfung der Grenzkontrollen in Mauretanien gilt nicht nur als politischer Erfolg. Sie führen tatsächlich zu einem deutlichen Rückgang der Migrationszahlen auf die Kanarischen Inseln. Die Migration allgemein geht allerdings nur scheinbar zurück.
Denn was sich ändert, ist nicht die Zahl der Migranten, sondern deren Routen. Während die Kanarischen Inseln in der Folge sinkende Zahlen ankommender Migranten-Boote verzeichnen, steigen die Ankünfte auf den Balearen deutlich.
Die Schleuser-Banden ändern ihre Strategie. Und doch bleiben die Kanarischen Inseln bisher Haupt-Eintrittspunkt für Migranten und Flüchtlinge aus Afrika. Das zeigen aktuelle Zahlen:
Kanaren bleiben Haupt-Eintrittspunkt für Migranten aus Afrika
Die Wirtschaftsspritzen der EU und der politische Druck aus Spanien greifen in Mauretanien. Das Land hat mit seinen Grenzkontrollen für deutlich weniger Abreisen gesorgt. Zwischenzeitlich machte Mauretanien auf die finanzielle Hilfe für andere Länder aufmerksam – zusammen mit dem Hinweis, man könne die eigene Grenze ebenfalls kontrollieren.
Dieser subtile Druck wirkte: Mauretanien erhält nun ebenfalls Zuwendungen – und die Kanaren im Gegenzug weniger Migranten. Und doch verbleibt der Archipel laut den aktuellen Daten bei den Ankünften an der Spitze.
Während die Kanaren im laufenden Jahr mit 11.575 Migranten und Flüchtlingen weiter die meisten ankommenden Menschen verzeichnen, gilt der Wert dennoch als deutlich gesunken. Auf den Balearen sieht das anders aus: Seit der Sperrung der mauretanischen Küste haben sich die Flucht-Routen verändert: Auf den Inseln im westlichen Mittelmeer stiegen die Ankünfte auf 8494.
Kanaren weiter beliebt, Balearen werden für Migranten wichtiger
Allein in den ersten drei Tagen dieser Woche kamen 29 Boote mit zusammen 596 Personen auf den Balearen an. In Summe verzeichnen Mallorca, Menorca, Ibiza & Co. eine Steigerung der Migranten-Zahlen um 80 Prozent.
Andersherum sanken die Zahlen auf den Kanaren zwar um 46 Prozent, dennoch bleibt die gefährlichste Fluchtroute der Welt weiterhin auch die am stärksten befahrene auf dem Weg über Spanien in die EU. All das zeigen die zu Ende Juli erhobenen Daten des spanischen Innenministeriums.
Die Analysten führen das auf die Veränderung in Mauretanien zurück. Diese sollen rund 30.000 Menschen an der Ausreise gehindert haben. Zudem seien 80 Schleppernetzwerke zerschlagen worden. An den Einsätzen nahmen zum Teil auch spanische Sondereinheiten Teil.
Kanaren-Migration: Schleuser ändern ihre Routen
Dennoch bieten die verbleibenden Banden weiterhin ihre Dienste an. Für einen Preis „zwischen 900 und 20.000 Euro“ wird verzweifelten Menschen der Transport nach Europa offeriert, berichtet die europäische Grenzschutz-Agentur Frontex. Um dieses lukrative Geschäft fortführen zu können, würden einfach die Routen geändert, heißt es weiter.
Die 210 Millionen Euro der EU an Mauretanien und die angekündigten weiteren 300 Millionen Euro aus Spanien haben damit zwar die Kanaren-Migration zumindest eingedämmt, die grundsätzliche Herausforderung jedoch eher verschoben als gelöst.























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Kanaren-Migration: EU-Millionen ändern die Routen, nicht die Herausforderung
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