Der Protagonist: Ein harmloses Päckchen mit einem Warenwert knapp über der Freigrenze von 150 Euro. Der Ort: Eine Insel mit einem Verwaltungsapparat, der es mit jeder literarischen Dystopie aufnehmen könnte. Was sich bei der Einfuhr eines Pakets nach Teneriffa abspielte, hätte Franz Kafka nicht besser inszenieren können. Der Ablauf gleicht einem Protokoll aus dem Ministerium für Geduld.
Zunächst erreicht den Empfänger eine E-Mail des Zolls. Sie ist nüchtern formuliert, hat einen Anhang: ein auszufüllendes Formular. Zusätzlich werden weitere Dokumente gefordert: Die Rechnung des Händlers, die Zahlungsbestätigung samt Nachweis, dass der Betrag tatsächlich beglichen wurde, sowie die NIE-Nummer des Empfängers, die spanische Identifikations- und Steuernummer für vor Ort lebende Ausländer. Alles müsse eingescannt und per E-Mail zurückgesendet werden – ein digitaler Papierkrieg in HD.
Nach Prüfung folgt eine erste E-Mail mit der Mitteilung, dass die eingereichten Unterlagen korrekt seien. Gleichzeitig wird eine weitere Nachricht angekündigt. Sie kommt tatsächlich wenige Tage später – mit der Aufforderung, 5,20 Euro Zollgebühr beim Postamt zu entrichten. Doch das ist nur ein Zwischenschritt:
Teneriffa Zoll und der Hang zur NIE-Nummer-Überprüfung
Dort wird der Barcode der Forderung gescannt, bezahlt, quittiert und mit der NIE-Nummer abgeglichen. Doch statt der Zustellung verlangt der Zoll nun auch den Zahlungsbeleg – erneut per Scan.
Als wäre der Beweis der eigenen Existenz nötig, trifft – mit bemerkenswerter Verspätung – das ursprüngliche Formular zusätzlich per Einschreiben ein. Das einst digitale Dokument ward nun materialisiert: Auf Papier, als ob sich das System noch einmal vergewissern möchte.
Der Status des Pakets? Unbekannt! Vielleicht wird es noch final freigegeben, vielleicht steht es irgendwo zwischen Büro und Lager und sinniert darüber, was es falsch gemacht haben könnte.
Teneriffas Zoll und die kafkaeske Ironie
Nach einigen Tagen, liegt schließlich eine Benachrichtigung im Briefkasten. Der Empfänger könne, natürlich unter dann zum dritten Mal bekanntgegebener NIE-Nummer, die Sendung abholen.
Wer ein Paket auf die Kanaren bestellt, sollte nicht nur Geduld, Drucker und einen funktionierenden Scanner besitzen, sondern auch einen Sinn für kafkaeske Ironie. Denn manchmal ist die größte Herausforderung nicht der Transportweg, sondern die finale Reise durch die lokale Bürokratie am Zielort.
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Leserkommentare zu:
Zoll-Prozess auf den Kanaren: Wenn Kafka Pakete zustellen ließe
Das ist wirklich die Krone der gängelei des Zolls normaler Bürger,ich habe an den Zoll geschrieben,sie mögen mit den Paket machen was sie wollen und mich in Ruhe lassen
Sie haben in dem Beitrag vergessen zu erwehnen, dass man nicht nur den Zoll oder Einfuhrumsatzsteuer bezahlen muss, die in meinem Falle 7€ ausmachte, aber Correo hat noch mal 14 € Bearbeitungsgebühr drauf geschlagen, weil sie die Steuer einziehen. Ich habe dann für eine Lieferung aus Deutschland im Wert von 50€, 21 Eur drauf gezahlt, in 2025. Da hab ich wirklich mit den Ohren geschlackert. Es waren helle Dinkelnudeln, die ich hier nirgendwo kaufen kann, ausser im Bioladen in PdlC, aber dort zu Goldpreisen, 400 g Paket zu 4€. In D im Supermarkt 500g 1,20€ auch Bio.
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