Es ist äußerst praktisch, wenn schon vor einem Fehler klar ist, wer ihn verantworten wird. Leider führt das auch zu Trägheit und jeder Menge wirtschaftlicher Fehler. Ein aktuelles Beispiel aus Puerto de la Cruz auf Teneriffa zeigt das ganze Dilemma fehlender Selbstkritik und überhastet gewählter Verantwortlicher.
Drei traditionsreiche Gastronomie-Betriebe haben auf einmal geschlossen. Für die lokale Journaille stand schnell fest, wer daran die Schuld trägt: der Tourismus. Inzwischen ist diese Reaktion gelernt und so wird in einer immer schneller werdenden Zeit erstmal genickt und – wenn überhaupt – erst später darüber nachgedacht.
Wer sich hingegen inhaltlich mit dem Thema auseinandersetzt, kommt schnell zu einem ganz anderen Ergebnis. Der Niedergang aller drei Betriebe war schon seit Monaten absehbar, eigentlich sogar seit Jahren. Und verantwortlich ist ganz sicher kein einziger Tourist:
Gastronomie auf den Kanaren verschläft zu oft den Wandel
In der lokalen Presse ist zum Thema zu lesen: „Der stetige Preisanstieg und der massive Zustrom von Touristen haben dazu geführt, dass viele Orte ihre Attraktivität verloren haben oder ganz verschwunden sind.“ Das mag in Teilen stimmen. Vor allem aber sind wirtschaftliche Fehltritte oft der eigentliche Grund.
Der Blick auf das Café de Paris ist vielen Besuchern der Stadt bekannt. Direkt an der Promenade gelegen, im Erdgeschoss des Hotel Valle Mar, passieren Tag für Tag Tausende Besucher den einst so traditionsreichen Ort. Das Innere hingegen kennt kaum jemand. Und dort liegt des Pudels Kern.
Spätestens seit es die Konditorei nicht mehr gibt, verirrte sich kaum noch ein Gast in das Café de Paris. Und damit wurde das einstige Tanzlokal zu einer reinen Fassade, zu einer von Hunderten Außen-Bars – nur eben mit einem Vielfachen der Innen-Fläche samt entsprechender Pacht.

Wer ein riesiges Geschäft betreibt, dann aber nur auf ein paar Tische davor setzt, begeht einen großen wirtschaftlichen Fehler. Daraus nun einen Niedergang aufgrund des gestiegenen Tourismus zu ersinnen, benötigt schon viel Phantasie.
Auch auf Teneriffa: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit
Neben der Pacht waren vor allem das Festhalten an Gelerntem und der Mangel an Änderungswillen das Problem. Im Inneren begrüßte bis zum Schluss die Figur eines singenden Schwarzen vor einem Flügel die Gäste (Foto unten). Ob die Puppe noch in den Zeitgeist passt, darf jeder Besucher selbst entscheiden. Wer es bezweifelt, liegt sicher nicht ganz falsch.
Drumherum gab es hochflorige Teppiche, samtbezogene Massivholz-Stühle und viel dunkles Holz. Dazu dichte Vorhänge und entsprechend viel künstliches Licht. Für eine Filmkulisse ist das der ideale Ort. In einer Region, in der sich das Leben von Einheimischen und Besuchern gleichermaßen draußen abspielt, ist es schlicht eine gastronomische Fehlentscheidung:

Den Innenbereich kannte kaum ein Gast des Café de Paris. Die Einrichtung ist hochwertig – allerdings auch dunkel und aus der Zeit gefallen. Foto: Johannes Bornewasser
Zu langes Festhalten an Gelerntem auf den Kanarischen Inseln
Die Eisdiele setzte ebenfalls auf Tradition und verpasste es, sich optisch und inhaltlich an veränderte Geschmäcker anzupassen. Vanille, Erdbeere und Malaga waren mal echte Kracher der Eis-Industrie und natürlich dürfen sie auch heute noch geliebt werden, doch inzwischen werden eben auch exotischere Sorten gefordert. Dieser Nachfrage wurde man viel zu langsam gerecht. Stattdessen wurde nach der Produktion einfach etwas Flüssigschokolade über das Eis gegossen. Innovation geht anders.
Es war ein großer Fehler, an den teuersten Standorten der Stadt mit veraltetem Angebot auf Laufkundschaft zu setzen. Damit blieben immer mehr Stühle und Tische frei. Gäste, die sich setzten, sorgten nicht für ausreichenden Umsatz, sondern begnügten sich in der Breite zu oft mit kleinen Bestellungen. Und das wird auch an der in die Jahre gekommenen Speisenkarte gelegen haben.
Gastronomische Fehlentscheidungen auf den Kanaren
Die Columbus-Gruppe wurde von Generation zu generation weitergegeben. Und mit ihr das Festhalten an von Mama und Papa gelerntem. Heute jedoch geht niemand mehr „auf einen Lumumba ins Tanzlokal“.
Dass die jüngste Generation des Familienunternehmens einen radikalen Schlussstrich gezogen hat, ist folgerichtig. Und es ist nicht die Schuld des Tourismus, sondern ausschließlich die logische Folge gastronomischer Fehlentscheidungen.
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Leserkommentare zu:
Schließungen auf Teneriffa: Die Touristen sind nicht an allem schuld
Ja, es ist echt schrecklich mit der Gastronomie. Einerseits geniale Lokale mit Michelin-Sternen, andererseits billige Hamburguesas (es ist meist Müll, den man da bekommt). Es gibt noch ein paar lohnenswerte einheimische Lokale. Doch leider nur wenige.
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