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Kanaren-Forscher entschlüsseln “Orca-Angriffe” auf dem Atlantik


Medienberichte sprechen von "Killerwal-Angriffen auf dem Atlantik". Forschende auf Teneriffa haben sie nun entschlüsselt. Wir zeigen die Fakten und Erkenntnisse im Video.

Von Johannes Bornewasser Lesedauer: 4 Minuten

Immer wieder werden in der Straße von Gibraltar Boote von Schwertwalen umzingelt. Zuletzt machte ein Bericht über einen Orca-Angriff auf ein Segelboot die Runde.  Experten erklären jetzt die Hintergründe.

Es klingt spannend: “Killerwale attackieren Segelboot auf dem Atlantik”, lautete eine der vielen Schlagzeilen. Doch Experten glauben, dass es sich keineswegs um Angriffe handelt. Sie nähern sich dem Verhalten der Wale seit Jahren an. Und das sind ihre bisherigen Erkenntnisse.

Der jüngste Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Ereignisse ein, die in den vergangenen fünf Jahren vermehrt auftraten. Dabei stoßen die Wale mit ihren Köpfen gegen die Ruder der Boote. Immer wieder führt das zu Schäden bis hin zur Manövrierunfähigkeit. In seltenen Fällen müssen die Crew-Mitglieder gerettet werden. Die Loro Parque Fundación veröffentlichte nun Erkenntnisse über dieses skurrile Verhalten.

Video: “Wal-Angriffe” auf Segelboote? Das steckt wirklich dahinter

Die Stiftung des Parks in Puerto de la Cruz im Norden von Teneriffa arbeitet seit 20 Jahren mit der Forschungsorganisation CIRCE zusammen. Gemeinsam wurden detaillierte Kenntnisse über die Interaktionen von Schwertwalen mit Schiffen in dieser Region erarbeitet.

Javier Almunia ist Direktor der Stiftung. Gemeinsam mit dem Walexperten Renaud de Stephanis erläutert er, dass die Orcas Unterhaltung suchen und dabei nicht aggressiv, sondern spielerisch agieren. Für sie sei es eine mutmaßlich interessierte Interaktion mit den Segelbooten.




Almunia sagt: “Alles deutet darauf hin, dass es sich um ein spontanes Verhalten handelt, das von einem zum anderen übertragen wird. Aus den gesammelten Bildern geht hervor, dass sie etwas an den Segelbooten interessiert oder amüsiert.” Laut Almunia “wurde beobachtet, dass sie – anders als angenommen – nicht in das Ruder beißen, sondern es mit der Nase anstupsen”. Das Video oben zeigt dieses Verhalten.

Der Leiter der Stiftung schließt daraus: “Es ist ein weiteres Detail, das gegen die Aggressionstheorie spricht.” De Stephanis ergänzt: “Es hat sich zudem gezeigt, dass sie nach zwei bis drei Kilometern das Interesse wieder verlieren.”

Teneriffas Forscher entschlüsseln Orca-Begegnungen mit Schiffen auf dem Atlantik

Das Verhalten in der Meerenge von Gibraltar wurde im Jahr 2020 erstmals dokumentiert. Die Orcas gehören zu einer als gefährdet eingestuften Unterpopulation. Wissenschaftler nennen sie “Iberische Schwertwale”. Die Meeressäuger nutzen die Zeit von Mai bis August, um in dem Gebiet nach Rotem Thunfisch zu suchen. Dieser gilt als ihre Hauptnahrungsquelle.

Um die Sicherheit sowohl für die Segelboote als auch für die Schwertwale zu erhöhen, wurde 2023 damit begonnen, einige Tiere mit GPS-Sendern zu markieren. Diese Markierung soll dabei helfen, ihre Bewegungen zu verstehen und sichere Routen für kleine Schiffe zu kartieren. In der Folge wurden die Zwischenfälle in den Jahren 2023 und 2024 bereits um 70 Prozent reduziert.

Die Forschungsergebnisse legen nah, dass Schiffe ihre Geschwindigkeit beibehalten oder erhöhen sollten, damit die Wale das Interesse verlieren. Diese Empfehlung wurde auch vom wissenschaftlichen Ausschuss der Internationalen Walfangkommission bestätigt, der mehr als 500 international angesehene Wissenschaftler angehören.

Wissenschaftliche Studien unterstützen Artenschutz

Seit 2004 untersucht die Loro Parque Fundación zusammen mit CIRCE das Verhalten der Schwertwale rund um das Gebiet der Straße von Gibraltar. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Energieverbrauch der Tiere während der Jagdphasen. Die Studien tragen entscheidend zum Verständnis der natürlichen Lebensweise und Fortpflanzung der Orcas bei.

Die Loro Parque Fundación ist eine gemeinnützige Organisation, die dem gleichnamigen Zoo auf Teneriffa angeschlossen ist. Eigenen Angaben zufolge arbeite man intensiv am Schutz von Tierarten und deren Lebensräumen. Bereits zwölf Papageien-Arten gelten durch die Arbeit der Stiftung als vom Aussterben gerettet. Der Loro Parque auf Teneriffa verfügt über die weltweit größte Papageien-Sammlung in Gefangenschaft.


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Johannes Bornewasser sw klein

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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