Teneriffa News
Ihr Kanaren-Profi – seit 2011
Teneriffa News
Ihr Kanaren-Profi – seit 2011

Neues Teide-Gesetz: Keine Wanderstöcke mehr, dafür große Filmdrehs

Es ist eines der am längsten diskutierten Gesetze der Kanaren. Der nun vorgelegte Entwurf verwundert entsprechend.

Von Johannes Bornewasser – letzte Änderung: – Lesedauer: 3 Minuten – 1 Leserkommentare bei Teneriffa News

Filmdrehs sollten im neuen Masterplan für die Nutzung und Verwaltung des Teide-Nationalparks (PRUG) ursprünglich verboten werden. So sagte es ein Entwurf der PSOE bis vor kurzem. Davon ist jedoch nichts übrig geblieben. Im Gegenteil: Sogar Großproduktionen sollen plötzlich erlaubt werden. Dafür werden andere Verbote diskutiert.

Zwei Jahre war um das Gesetz zur Nutzung des Teide und seines Umlands diskutiert worden. Die Politik Teneriffas und die Regional-Verwaltung der Kanaren schickten sich die Entwürfe regelmäßig mit Änderungen hin und her. Bis jetzt. Nun ist ein Dokument entstanden, das verabschiedet werden soll.

Auf Teneriffa herrscht ob dessen Inhalt jedoch Ratlosigkeit in verschiedenen Gruppen. Wanderer und Naturschützer zeigen sich verwundert bis empört. Die lokale Filmindustrie, ein neuer Wirtschaftszweig insbesondere auf den größeren Kanaren-Inseln, jubelt hingegen. Verkauft Teneriffa seine Natur aus?

Filmdrehs am Teide: ja, Wanderstöcke: nein

Die sozialistische Arbeiterpartei hatte Filmdrehs in ihrem Entwurf vollkommen ausgeschlossen. Zugunsten des Umweltschutzes waren der Zugang beschränkt und eine Ökosteuer erlassen worden. Unter diesen Umständen könne man nicht mit großen Produktionen in das Naturschutzgebiet eindringen, lautete die Logik.

Im Januar begann Inselpräsidentin Rosa Dávila (CC) damit, diese Gedanken aufzuweichen. Diskutiert wurde plötzlich, „inwieweit es angemessen ist, Dreharbeiten am Teide zuzulassen“. Und so wurde der Entwurf der Vorgänger-Regierung in diesem Punkt komplett, in anderen teilweise verändert.

Vier große oder 16 kleine Drehs auf Teneriffa

Waren seinerzeit noch drei Personen zugelassen, um eine klare Regelung für private und minimale Filmaufnahmen auch für die eigenen Werbezwecke zu ermöglichen, sieht das Gesetz nun sogar Groß-Produktionen vor.

Konkret sollen mittlere Dreharbeiten mit bis zu 15 beteiligten Personen monatlich ermöglicht werden, während große Produktionen mit bis zu 100 Personen quartalsweise erlaubt werden sollen.

Damit wären enorme Einnahmen garantiert. Immerhin gelten der Teide und sein umliegender Nationalpark als perfekter Ort für Dreharbeiten von Science Fiction über Krimis bis hin zu Fantasy-Produktionen.

Strafen und mehr Kontrollen am Teide

Einzige Einschränkung: Es wären keine parallelen Dreharbeiten möglich. Als 2023 vier Produktionen zeitgleich stattfanden, geriet die Parksituation außer Kontrolle. Inzwischen werden die Fahrer falsch parkender Autos streng bestraft.

Genau in diesem Punkt liegt die Hauptkritik am derzeitigen Entwurf. In den vergangenen Monaten unternahm die Insel-Regierung viel dafür, abschreckend auf Personen zu wirken, die sich den Park-Regeln widersetzen. Zentrale Argumentation: der Umweltschutz.

Teneriffa will Wanderstöcke am Teide verbieten

Dieser wird nun auch bei einem skurril anmutenden Punkt bemüht: Der neue PRUG-Entwurf sieht ein Verbot für Wanderstöcke vor. Egal ob Metallspitze oder Gummipfropfen – erlaubt werden diese laut Entwurf nur noch dort, wo Schnee liegt.

Unter Wanderführern und Verbänden gilt das Verbot als absurd. Im Gegensatz zu Dreharbeiten, gelte das begleitete Wandern – ausdrücklich auf Wanderwegen – als Tradition, heißt es von dort. Zudem werden die Vorteile für Gesundheit und Sicherheit herausgearbeitet.

Ausgelöst wurde dieser Teil des Gesetzesentwurfs durch einen Bericht. Konkret heißt es dort: „Stöcke mit Metallspitzen haben trotz ihrer Gummiauflagen eine anhaltende und wiederholte Auswirkung auf den Boden, da sie in den empfindlichen vulkanischen Untergrund des Teide eindringen und ihn beschädigen, die Oberflächenschicht abtragen und die darunter liegenden Schichten, die anfälliger für Erosion sind, freilegen, wodurch die Stabilität des Bodens verändert wird.“

Bei Film-Drehs ist das Gesetz hingegen deutlich nachlässiger und eröffnet so eine Menge Raum für Kritik:


Für Sie ausgewählt

Über den Autor

Neues Teide-Gesetz: Keine Wanderstöcke mehr, dafür große Filmdrehs

wurde geschrieben von:

Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Gründer und Herausgeber der Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zum Autorenprofil von .

Diskussion

Leserkommentare zu:

Neues Teide-Gesetz: Keine Wanderstöcke mehr, dafür große Filmdrehs


  1. Klaus Fenzl schrieb am

    Ich wundere mich, dass Ausflüge mit Quads in das Naturschutzgebiet erlaubt sind.

Diese Funktion ist unseren Mitgliedern vorbehalten. Hier finden Sie unsere Angebote.