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Meinung / Kommentar

Teneriffa macht sich mit neuem Teide-Gesetz lächerlich

Zwei Jahre lang wurde debattiert. Herausgekommen ist ein halbgares und inkonsistentes Gesetz. Die Kanaren machen sich lächerlich.

Von Johannes Bornewasser – Lesedauer: 2 Minuten – 1 Leserkommentare bei Teneriffa News

Wer so viel mit Umweltschutz begründet, darf nicht der ersten Million nachgeben. Die Regierungen von Teneriffa und den Kanarischen Inseln machen sich mit dem neuen Teide-Gesetz lächerlich.

Er nennt sich „Masterplan für die Nutzung und Verwaltung des Teide-Nationalparks“, kurz: PRUG. Doch hinter einem „Masterplan“ steckt im Regelfall auch ein „Mastermind“. Das jedoch ist kaum zu erkennen. Denn was den Teide schützen sollte, verkauft ihn nun aus. Bestraft werden dagegen Wanderer und Besucher.

Das neue Gesetz erlaubt große Filmproduktionen und verbietet dagegen Wanderstöcke. Begründet wird das mit einer Studie. Während das Begehen selbst mit bei der Insel angestellten Wanderführern verändert werden soll, wird bei millionenschweren Filmdrehs weggeschaut. So konterkariert die Politik ihre eigene Linie und macht sich unglaubwürdig.

Neues Teide-Gesetz untergräbt den Umweltschutz

Mit großem Tamtam war im Rahmen der Anti-Massentourismus-Proteste nichts von dem geliefert worden, was die Demonstrierenden forderten. Dafür präsentierten einzelne Insel-Regierungen kleine Eintrittsgelder an touristisch relevanten Orten.

Auch am Teide wurden der Zugang begrenzt und Eintrittsgelder eingeführt. All das unter dem Deckmantel des Umweltschutzes. Die klare Botschaft: „Seht her, Demonstranten, wir machen ja was!“

Schließlich wurden im neuen Gesetzentwurf auch Spazierstöcke untersagt. Die Metallspitzen würden „in den empfindlichen vulkanischen Untergrund des Teide eindringen und ihn beschädigen“, heißt es dort. Für diese Fälle gibt es Gummipfropfen, die die Oberfläche vergrößern und den Boden schonen. Doch auch die werden im Entwurf explizit ausgeschlossen.

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Wanderführer und Outdoor-Verbände laufen bereits Sturm. Und auch Bergungsmannschaften dürften sich verwundert die Augen gerieben haben. Natürlich gilt für sie ein Sonderrecht, wenn verirrte oder verletzte Personen plötzlich ohne Absicherung geborgen werden müssten. Eine Ausnahme ist jedoch bislang nicht hinterlegt.

Teneriffa und Kanaren verlieren am Teide ihre Glaubwürdigkeit

Es klingt sicher nach „Whataboutism“ – also der Technik, einem schwierigen Thema einfach mit einem anderen zu begegnen. Doch an diesem Punkt müssen Vergleich und Nachfrage erlaubt sein, wie jährlich vier große Filmdrehs mit bis zu 100 Personen oder zwölf Produktionen mit bis zu 15 Menschen erlaubt werden können, wenn Wandergruppen den Boden zerstören sollen.

Im Regelfall halten sich viele der bis zu 400 an den Produktionen beteiligten Personen nicht auf Wanderwegen auf, sondern drehen abgelegen von Straße und Touristen in der Natur. Dazu tragen Schwenk-Kameras, Lichtmasten und Ton-Equipment kein festes Schuhwerk, sondern stehen oft auf Metall-Füßen. Hinzu kommen tonnenschwere LKW-Ladungen an Requisiten, Toilettenwagen und weitere Materialien, die nicht nur hoch und runter bewegt werden, sondern auch vor Ort abgestellt werden müssen.

218 Millionen Euro sind im vergangenen Jahr mit Film-Produktionen auf den Kanaren eingenommen worden. Natürlich möchte sich Teneriffa ein möglichst großes Stück von diesem Kuchen sichern. Doch wer den Umweltschutz einmal als Totschlagargument bemüht hat, verliert die Glaubwürdigkeit in und die Verbindung zur Bevölkerung, wenn so plump mit zweierlei Maß gemessen wird.


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Über den Autor

Teneriffa macht sich mit neuem Teide-Gesetz lächerlich

wurde geschrieben von:

Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Gründer und Herausgeber der Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zum Autorenprofil von .

Diskussion

Leserkommentare zu:

Teneriffa macht sich mit neuem Teide-Gesetz lächerlich


  1. Hannelore Rascher schrieb am

    Ich werde im Winter zum achten und möglicherweise letzten Mal nach Teneriffa kommen. Schuld sind die drohenden Beschränkungen, insbesondere das Verbot mit Stöcken zu laufen. Stöcke bieten Sicherheit auf den runden Lavasteinen, die jederzeit unter einem wegrollen können. Sie helfen, dass man zumindest langsam fällt, wenn man an einem Stein hängen bleibt. Die Unfallzahlen werden steigen und mitten im Terrain ist eine Rettung durch die Ambulanz nicht einfach. Mit diesem Verbot wird es insbesondere älteren Menschen unmöglich gemacht, sicher und ohne ständige Unfallgefahr zu wandern.
    Ich hoffe sehr, dass kein Stockverbot kommt.

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