Sommer-Tourismus auf den Kanaren? EU berät über schrittweise Öffnung


Brüssel will den Sommerurlaub retten. Nach Aussage von EU-Wirtschafts­kommissar Paolo Gentiloni sei der Tourismus die am stärksten von der Corona-Pandemie betroffene Branche. Ein Hilfspaket solle daher die Reisebranche stützen und der Tourismus wieder eingeschränkt ermöglicht werden.

Am Mittwoch wird in Brüssel über die Öffnung der EU-Grenzen für den Tourismus beraten. Ziel sei es, die Reisebeschränkungen zu lockern. Damit solle vor allem die Tourismusbranche gestützt werden. Für die EU-Wirtschaft ist dieser Sektor enorm wichtig, er gilt gleichzeitig aber als zentraler Verlierer der Corona-Krise.

EU will Sommer-Tourismus durchsetzen

„Wir werden definitiv im Sommer eine Touristensaison haben“, sagt EU-Wirtschafts­kommissar Paolo Gentiloni fast schon kämpferisch und fügt an: „Allerdings mit Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen.“ Der frühere italienische Regierungschef wird in der EU-Kommission am Mittwoch über Empfehlungen beraten, wie die Grenzkontrollen und Reisebeschränkungen schrittweise aufgehoben werden können.

Zudem kündigte Gentiloni an, dass die Reisebranche besonders von dem in Vorbereitung befindlichen Hilfspaket profitieren werde. Noch im Mai soll ein Sieben-Jahres-Haushalt verabschiedet werden, der die einzelnen EU-Staaten beim Wiederaufbau der Wirtschaft unterstützt.

Zwischen den EU-Mitgliedsstaaten ist die Vorgehensweise jedoch noch umstritten. So gibt es Lager, die eher auf vergünstigte Kredite setzen wollen. Eine andere Strömung sieht Zuschüsse vor, um die Schuldenlast auf ohnehin bereits stark verschuldete Staaten nicht weiter zu erhöhen. Ein wahrscheinlicher Kompromiss könnten besonders lang laufende und günstige Kredite sein.


Auch auf den Kanaren: Tourismus könnte in mehreren Phasen hochgefahren werden

Doch abgesehen vom finanziellen Rahmen muss vor allem die Frage geklärt werden, wie der Tourismus wieder hochgefahren werden kann, ohne die Covid-19-Ansteckungsraten einzelner Länder in die Höhe schnellen zu lassen.

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson sagte in dieser Woche vor dem Europäischen Parlament, dass es „einige Zeit dauern wird“, alle Beschränkungen an den Grenzen des Schengen-Raumes aufzuheben. Dies würde „komplexe Arbeiten“ erfordern. Dennoch sei eine schrittweise Öffnung aufgrund epidemiologischer Kriterien wünschenswert.

Experten rechnen damit, dass Brüssel einen flexiblen Mehr-Phasen-Ansatz verabschieden wird. Dieser würde sich an den konkreten Corona-Werten einzelner Länder oder Regionen orientieren. Zudem würden Informationen hinzugezogen, wie beispielsweise die Flexibilität des jeweiligen Gesundheitssystems.

Grundvoraussetzung für Reisen: Vertrauen in Tourismus soll gestärkt werden

Tourismusexperten sehen allerdings als Grundvoraussetzung für Sommertourismus, dass die EU-Bürger das Vertrauen in die Reisebranche wiedererlangen. Dafür sei es auch nötig, dass gemeinsame Passagierrechte verabschiedet würden, die im Falle weiterer Stornierungen festlegen, wie die Kunden ihr Geld zurück erlangen – bar oder lediglich als Gutschein.

Nach Angaben aus Brüssel trägt die Tourismusbranche rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Europäischen Union bei. Der Umsatz des Sektors wird aufgrund des Coronavirus nach ersten Hochrechnungen EU-weit drastisch einbrechen. Reiseveranstalter sehen einen Wegfall von bis zu 50 Prozent der in diesem Jahr geplanten Umsätze, Fluggesellschaften sollen bis zu 70 Prozent Umsatzeinbruch erleiden und Kreuzfahrt-Veranstalter sogar bis zu 80 Prozent.



Ob es bereits nach der Sitzung am Mittwoch konkrete Zeitpläne für die Wiederöffnung geben wird, gilt unter Experten als unwahrscheinlich. Demnach müsse das erste Ziel lauten, grundsätzliche Absprachen für das Vorgehen zur Wiederöffnung des europäischen Tourismus zu treffen.

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Über den Autor
Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Mehr Infos zum Autor gibt es hier.