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Vergleich: Kanaren-Hauptstädte haben besonders niedrige Lebensqualität


Die beiden Hauptstädte der Kanaren gelten als wenig lebenswert. Das geht aus einer neuen Studie hervor. Welche Vor- und Nachteile sie haben.

Lesedauer: 5 Minuten

Sonne, Strand und dauerhafter Frühling: Die Kanarischen Inseln gelten unter Auswanderern als traumhaftes Ziel. Doch die Realität kann ganz anders aussehen. So soll die Lebensqualität in den beiden Hauptstädten der Kanaren alles andere als hoch sein.

Eine Erhebung kommt zu dem Ergebnis, dass Santa Cruz de Tenerife und Las Palmas de Gran Canaria auf dem fünft- und siebtletzten Platz der lebenswertesten Städte Spaniens landen. Die Rangliste wurde von David Solla Navarro, dem Generaldirektor des Madrider WCC-Verbands, vorgestellt.

Der Bericht basiert auf den Indizes von Numbeo, der weltweit größten Datenbank über Länder und Städte. Diese werten Aspekte wie Lebenshaltungskosten, Klima, Gesundheit, Umweltverschmutzung und Sicherheit in 11.544 Städten rund um den Globus aus. Und die kanarischen Hauptstädte stechen im innerspanischen Vergleich sowohl positiv als auch negativ heraus.

Wetter und Klima sprechen für Santa Cruz und Las Palmas

Die ganzjährig angenehmen Temperaturen gehören zu den Positiv-Beispielen innerhalb der Bewertung. Dagegen sind Aspekte wie die Kaufkraft oder der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum mit die größten Kritikpunkte innerhalb der Bewertung. Dabei landen die Kanaren-Hauptstädte auf den hinteren Plätzen.

Die Studie basiert zudem auch auf der direkten Befragung von Anwohnerinnen und Anwohnern. Numbeo spreche vor Ort mit der Bevölkerung, teilten die Studienmachenden mit. So würden direkte Bewertungen Betroffener in die Ergebnisse einfließen.

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Bewertet würden beispielsweise die Wahrnehmung der verschiedenen Angebote und Dienstleistungen, die Anwohnenden zur Verfügung stünden. Diese Erhebungen würden regelmäßig aktualisiert, um Tendenzen erkennen zu können und Ausreißer durch aktuelle Geschehnisse wie Wirtschaftskrisen oder einmalige Wetterphänomene auszugleichen.

Umfragen bringen Kanaren-Hauptstädten schlechte Gesamtergebnisse ein

Solla sagte, die Variablen seien so gewählt, dass die Bewertung der Lebensqualität in allen Städten so weit wie möglich objektiviert würden. “Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Ergebnisse mit der Meinung eines jeden Einzelnen übereinstimmen müssen.”

In der aktuellen Ausgabe stützt sich der WCC auf die Numbeo-Daten von 2023. Sie umfassen 31 spanische Städte. Dafür seien “beträchtliche Mengen an Daten gesammelt worden.

Kanaren-Hauptstädte beim Wetter top

Santa Cruz und Las Palmas bestechen in der Erhebung vor allem durch ihr ganzjährig gutes Klima. Es sei eng mit der Grundstimmung der Bevölkerung verbunden. Dabei hat Las Palmas de Gran Canaria die besten Wetterbedingungen im Landesvergleich.

Der Index erreiche 99,2 von 100 möglichen Punkten. Es folgt Santa Cruz de Tenerife mit 98,5 Punkten. Bewertet werden dabei die Durchschnittstemperaturen in jedem Monat des Jahres – die nie unter 15 Grad fielen. Hinzu kommen weitere Wetterwerte wie Wind oder Luftfeuchtigkeit. Auch diese würden beiden Städten nahezu perfekte Werte einbringen.

Kanaren bei wirtschaftlichen Aspekten flop

Anders sieht das im Bereich Wirtschaft aus. Bei diesen Aspekten sowie bei allgemeinen Dienstleistungen hätten sich beide Städte in der Rangliste sogar verschlechtert. Bei der Kaufkraft der Bevölkerung hat Las Palmas de Gran Canaria unter allen bewerteten Städten Spaniens sogar den letzten Platz inne.

Als Referenz dabei gilt New York. Der direkte Vergleich hinkt freilich. Als relativer Wert zeigt er dennoch ein spanienweit valides Ranking auf. Und dabei erreichen die Einwohner von Las Palmas 56,8 Punkte. Dies bedeutet, dass sie sich im Durchschnitt 43,2 Prozent weniger Waren und Dienstleistungen leisten können als die Einwohner von New York.

Im Vergleich erreicht Pamplona mit 12 Prozent mehr internationaler Kaufkraft einen Indexwert von 55,2. Die Einwohner von Las Palmas können sich im nationalen Ranking also 55,2 Prozent weniger Waren und Dienstleistungen leisten als die Einwohner der Hauptstadt Navarras.

Santa Cruz de Tenerife erreicht in der nationalen Kaufkraft-Rangliste immerhin Platz 26 von 31. Das liegt auch am leicht höheren Durchschnittsgehalt von 1244 Euro im Vergleich zu 1190 Euro in Las Palmas de Gran Canaria. In Pamplona steht Bürgerinnen und Bürgern mit 2344 Euro in etwa das Doppelte zur Verfügung.

Zugang zu Wohnraum auf den Kanaren katastrophal

Bezahlbarer Wohnraum sei in Las Palmas de Gran Canaria ebenfalls ein großes Problem. Die Verknappung des Angebots, die Zunahme von Ferienvermietungen und die Unsicherheit der Eigentümer, ihre Immobilien zu vermieten, seien die Hauptfaktoren. Die Mieten in der Stadt liegen je nach Anzahl der Zimmer zwischen 550 und 1000 Euro. Damit würden bis zu 61 Prozent des Durchschnittseinkommens für die Miete aufgewendet.

Santa Cruz de Tenerife erreicht laut Numbeo-Daten den zehntletzten Platz beim Thema Zugang zu Wohnraum. Gut 48 Prozent der Löhne würden hier für die Miete aufgewendet. Der durchschnittliche Mietpreis liege zwischen 575 und 1100 Euro.

Teneriffas Hauptstadt schließt bei Gesundheitsversorgung besonders schlecht ab

Den Einwohnern von Santa Cruz de Tenerife stößt am sauersten die Gesundheitsversorgung auf. Im Vergleich zu anderen Städten liegt die Stadt auf dem vorletzten Platz. Erreicht werden 48,5 von 100 Punkten. Besonders negativ seien die langen Wartezeiten für Behandlungen in medizinischen Zentren. Auch die Wartezeiten auf Untersuchungs-Ergebnisse seien deutlich zu lang.

Las Palmas de Gran Canaria schneidet dabei etwas besser ab. Die medizinische Versorgung erreicht 72 Indexpunkte. Und doch genügt auch das nur für den zehntletzten Platz im innerspanischen Vergleich.

Ausgaben auf Teneriffa besonders niedrig

Dafür sind Ausgaben für Kino oder Restaurants auf Teneriffa besonders günstig. Die Stadt erreicht den zweiten Platz in dieser Bewertung. Las Palmas de Gran Canaria schneidet dabei mit Rang zwölf ab. Am teuersten ist demnach Bilbao.

Strom- , Wasser- und Müllgebühren machen den größten Unterschied. In Bilbao werden dafür 137 Euro pro Monat fällig. In Las Palmas de Gran Canaria sind es 66 Euro und in Santa Cruz auf Teneriffa 72 Euro.

Fahrt zum Arbeitsplatz auf den Kanaren eher kurz

Auch die tägliche Anfahrt zum Arbeitsplatz sage laut Studie viel über die Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner aus. Demnach erreicht die Hauptstadt von Gran Canaria in der Rangliste mit durchschnittlich 14 Minuten einen sehr guten Wert. In Santa Cruz sind es hingegen 26 Minuten, was Platz 18 bedeutet. Auch ein Grund: Auf Gran Canaria wird meist das Auto verwendet, auf Teneriffa ist es die Straßenbahn.

Das Sicherheitsgefühl wird in beiden Provinz-Hauptstädten der Kanarischen Inseln grundsätzlich als hoch eingeschätzt. Den Numbeo-Umfragen zufolge beträgt der angegebene Sicherheitsindex 73,07 von 100 Punkten in Las Palmas de Gran Canaria und 72,36 in Santa Cruz de Tenerife. Im nationalen Ranking bedeutet das die Plätze 16 und 17. Bei der Sorge vor Korruption schneiden die Inseln schlecht ab. Sie erreichen nur jeden zweiten Indexpunkt.

Kanaren-Hauptstädte beim Umweltschutz eher schwach

Die Hauptstädte der Kanaren gelten beim Thema Umweltschutz und Sauberkeit als schlecht. Die Qualität des Wassers sowie sie allgemeine Schmutzbelastung, Lärm und wenige Grünflächen seien Aspekte, die den Bewohnern laut Umfragen Sorgen bereiten.

Demnach gehören beide Kanaren-Städte zu den zehn am wenigsten umweltfreundlichen in Spanien. Las Palmas de Gran Canaria steht an fünftletzter Stelle und Santa Cruz de Tenerife auf Platz 21 von 31.

Kanarische Inseln auch bei Nachhaltigkeit im hinteren Bereich

Bei Recycling, Nutzung erneuerbarer Energien sowie Elektrofahrzeugen, Radwegen und anderen Umwelt-Faktoren erreichen laut Solla vor allem die kleinen und mittleren Städte gute Ergebnisse.

Die Bewohner von Las Palmas de Gran Canaria geben ihrer Stadt in diesem Bereich 44 von 100 Negativ-Punkten. In Santa Cruz de Tenerife sind es 39 von 100. Die Bewohner von Pamplona vergeben dabei 4 von 100 Negativ-Punkten.

Für die Kanaren lassen sich an diesen Werten zahlreiche konkrete Handlungsempfehlungen ableiten. Ob sie diesen folgen, wird im kommenden Beriecht absehbar sein.



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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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