Trotz Nachhaltigkeit: Wellen-Energie erreicht die Kanaren nur langsam


Die Vorzeichen sind bestens. Trotzdem stockt die Wellen-Energie. Und das ausgerechnet in dem Bereich, der für hohe Wellen berühmt ist: die Kanaren.

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Getestet werden sie auf den Kanaren schon lang. Sie jedoch selbst anzuwenden, das steht bisher in keinem Plan der regionalen Regierung. Die Kanarischen Inseln wollen bis 2040 klimaneutral sein. Erreicht werden soll das vor allem mit Photovoltaik und Wind. Doch die prächtigen Wellen rund um den Archipel werden bislang ausgelassen.

Das könnte sich bald ändern. Denn um die ambitionierten Klima-Ziele zu erreichen, wollen sich die Inseln grundsätzlich an der gewaltigen Energie bedienen, die Besucher Tag täglich direkt vor der Küste bewundern. Doch es gibt Hürden.

Die Canary Islands Ocean Platform (Plocan) hat dazu bereits zahlreiche Projekte durchgeführt. In Kooperation mit verschiedenen Unternehmen wurde auf einer Fläche von 23 Quadratkilometern östlich von Gran Canaria ein Test-Areal eingerichtet. Dazu gibt es eine Laborplattform, die etwa 1500 Meter vor der Küste schwimmt. In diesem Areal testen dänische, norwegische und spanische Unternehmen Prototypen. Diese werden jedoch unabhängig von den Kanaren erprobt.

Eine der jüngsten Installationen ist die Entsalzungsanlage Gaia. Sie wurde im November von der norwegischen Firma Ocean Oasis vorgestellt und ebenfalls im Rahmen des Plocan-Projekts getestet. Die Anlage nutzt Wellen-Energie, um Strom für die Meerwasser-Entsalzung zu gewinnen. Dadurch kann die Anlage enorme Vorteile gegenüber herkömmlichen Sytemen dieser Art an Land ausspielen. Denn die Entsalzung von Meerwasser gilt als enorm energieaufwendig.

Wellen-Energie für mehr Nachhaltigkeit auf den Kanaren

Der Insel-Präsident von Gran Canaria, Antonio Morales, sieht in solchen Anlagen einen hochrelevanten Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels. Zudem sei es ein enormer Beitrag zur sogenannten blauen Wirtschaft. Dieser Begriff umfasst alle Wirtschaftszweige, die direkt oder indirekt etwas mit dem Meer zu tun haben. Dazu gehören unter anderem der Bereich Meeres-Energie, Küstentourismus oder marine Biotechnologie.

Obwohl die Kanarischen Inseln durch ihr Test-Areal als Vorreiter bei der Erforschung von Wellenenergie-Technologien gelten, steht die erste Anlage Europas seit 2011 in Mutriku im Baskenland. Sie erzeugt 296 Kilowatt. Die Funktionsweise ist denkbar simpel: Wellen treten in mehrere Kammern ein. Die darin enthaltene Luft wird dadurch komprimiert. Sie wird durch ein Loch geleitet, an dem Turbinen befestigt sind. Diese werden durch den Wind angetrieben und erzeugen so Strom.


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Valencia und Mallorca setzen auf Wellenkraft

In diesem Jahr ist in Valencia eine ähnliche Anlage geplant. Sie soll im Hafen installiert werden und Energie für die Umgebung erzeugen. Das Unternehmen Eco Wave Power kündigte zudem die Eröffnung einer Pionieranlage in Port Adriano auf Mallorca an.

Immerhin hat die Regierung der Kanarischen Inseln inzwischen das Technologische Institut des Archipels (ITC) mit einer Potenzialanalyse beauftragt. Im entstandenen Dokument sticht die Offshore-Windenergie mit bis zu 14 Gigawatt als wesentliche Energiequelle hervor. Da der Energiebedarf der Kanaren mit rund acht Gigawatt pro Stunde angegeben wird, setzen die Verantwortlichen weiterhin auf diese Energiequelle.

Studie auf den Kanaren: Potenzial von Windkraft ist höher

Das Potenzial der Wellenenergie vor den Kanarischen Inseln liegt laut Schätzungen nur etwa zwischen 206 und 313 Megawatt. Während dies für die Stromversorgung des Festlands zu wenig Energie wäre, könnte es für den Energiemix auf den Inseln einen gehörigen Beitrag bedeuten.

Die ITC-Strategie für erneuerbare Energien schlägt daher vor, dringend ein Pilotprojekt durchzuführen. Es soll als Machbarkeitsstudie dienen, um bis 2030 repräsentative Werte zu erhalten.

Aus Umweltschutzgründen stehen dazu jedoch nicht alle Bereiche zur Verfügung. Eine erste Studie legt nahe, dass die Wellenkraft am ehesten im Norden und Nordosten der Inseln gewonnen werden könne. Ausnahmen gibt es vor Lanzarote und El Hierro, die aufgrund ihrer Schutzgebiete ein Ausweichen auf den Osten nahelegen. Zudem muss ein Abstand von rund 900 Metern zu anderen Bauwerken eingehalten werden.

Wellen-Energie gilt als unausgereift – trotzdem sind Investitionen sinnvoll

Das Problem der Technologie besteht darin, dass sie noch nicht ausgereift ist. Daher gilt Wellenkraft als teuer. Bis zu 9000 Euro müssen pro Kilowatt investiert werden. Um die für das Jahr 2030 vorgeschlagenen 4 Megawatt zu erreichen, müssten also 36 Millionen Euro investiert werden. Die Kosten für Wind- oder Photovoltaik-Energie liegen deutlich darunter.

Die ITC sieht daher andere Lösungen als flächendeckend sinnvoller an. Allerdings sollten die Kanaren dennoch in Forschungsprojekte investieren, um die Technologie auszureifen und so langfristig rentabel zu machen, heißt es. Schließlich ist die Wellenkraft zwar auch zu Teilen vom Wetter abhängig, im Vergleich zu den beiden Alternativen jedoch zu geringeren Teilen.

Hinzu kommt, dass Wellenkraft weniger auffällig gewonnen werden kann. Das Dokument kommt zu dem Schluss, dass diese Technologie „eine sehr gute Lösung im Zusammenhang mit dem Eigenverbrauch in Küstengebieten oder für kleinere Stromnetze wie auf La Gomera, El Hierro oder La Palma“ sein könne.

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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Er ist auf den Kanaren zuhause und schreibt bereits seit vielen Jahren unter anderem über die Inseln.

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