Unwetter auf den Kanaren: Eine Bilanz

Das Unwetter auf den Kanaren hat für Verwüstung und große Schäden gesorgt. Schnee und Eis, Stromausfälle, gestrichene Flüge, umgestürzte Bäume und eine Irrfahrt auf See stehen zu Buche. Eine Übersicht.

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Zehn Stunden auf See

Eine zehnstündige Irrfahrt auf See ist wohl die bizarrste Meldung, die nach der Sturmfront auf den Kanaren die Runde macht. Ein Katamaran der „Fred Olsen“-Linie war am Sonntag Nachmittag von Los Cristianos auf Teneriffa in Richtung La Palma ausgelaufen.

Noch während der Überfahrt wurde dem Kapitän mitgeteilt, dass der Zielhafen aufgrund extremen Wellengangs geschlossen sei. Die Crew entschied daraufhin, zum Starthafen umzukehren. Doch noch auf dem Weg nach Los Cristianos wurde über Funk gemeldet, dass nun auch dieser Hafen wegen Wellen von mehr als drei Metern Höhe geschlossen sei.

Der Kapitän steuerte daraufhin La Gomera an. Doch auch dort war eine Einfahrt in den Hafen mit dem vergleichsweise leichten Katamaran zu gefährlich.

Schließlich ging es für die Fähre doch zurück nach Teneriffa. Allerdings in den Norden, nach Santa Cruz. Der dortige Hafen war weiterhin geöffnet. Nach rund zehn Stunden endete die Irrfahrt somit gegen Mitternacht.

Unwetter: Stromausfälle auf Teneriffa und Gran Canaria

Kapitän und Crew wurden von den meisten Passagieren für ihr professionelles Verhalten gelobt, während jedoch Kritik über das grundsätzliche Auslaufen bei solchen Wetterbedingungen die Runde machte. Viele Passagiere erklärten, dass sie aufgrund der Erfahrung der Reederei mit einer Warnung gerechnet hätten.

Der Fährverkehr zwischen La Gomera, Teneriffa und La Palma wurde schließlich zeitweise eingestellt. Auch Verbindungen nach El Hierro und Lanzarote waren davon betroffen. Der Flugverkehr war stellenweise sogar bereits seit Sonntag stark beeinträchtigt. Dutzende Flüge fielen aus.

Auf den Inseln hatten die Anwohner derweil mit Stromausfällen zu kämpfen. Besonders betroffen waren rund 200 Haushalte bei San Nicolas im Norden und in Fasnia im Süden Teneriffas sowie örtlich auf Gran Canaria. An In vielen Orten auf den Inseln gab es zudem zweiweise Ausfälle bei der Stromversorgung.

Notrufe im Minutentakt

Beinahe im Minutentakt gingen zu Spitzenzeiten die Notrufe bei der Notfall-Hotline 112 ein, rund 700 solcher Hilferufe allein auf Teneriffa. Meist gab es Meldungen zu überfluteten Straßen und umgestürzten Bäumen.

THW und Feuerwehr im Dauereinsatz

Besonders kräftezehrend waren die Einsätze für Feuerwehr und Technisches Hilfswerk. In Teneriffas Hauptstadt Santa Cruz rückten die Helfer zu mehr als 250 Einsätzen aus. Auch hier ging es meist um Überflutungen und Astbruch.

Im Anaga-Gebirge mussten zudem überflutete und von Geröll bedeckte Straßen geräumt werden. Zeitweise wurde die Verbindungsstraße gesperrt, später ging es einspurig weiter.

In den höheren Lagen gab es Schnee und Eis, oberhalb von 2000 Metern wurden dutzende Straßen gesperrt. Und auch die immer wieder von Steinschlag gefährdeten Straßen rund um Buenavista del Norte auf Teneriffa wurden teilweise aus Sicherheitsgründen geschlossen. Betroffene Busverbindungen entfielen.

Rekorde bei Sturm und Niederschlägen

Der Niederschlagsrekord für dieses Unwetter wurde nach Angaben des staatlichen Wetterdienstes auf La Palma gemessen. Fast 140 Liter Regen pro Quadratmeter fielen innerhalb weniger Stunden vom Himmel. Auf Teneriffa wurden im gleichen Zeitraum immerhin mehr als 100 Liter in den Canadas gemessen. Beim Sturm kommt Teneriffa sogar zur Zweifelhaften Ehre des Rekordhalters: Böen mit Geschwindigkeiten bis zu 160 Kilometern pro Stunde wurden verzeichnet.

Schulfreie Zeit beendet

Der einzige Trost für viele Kinder war der Ausfall des Unterrichts am Montag. Doch bereits am Dienstag soll wieder Normalität auf den Kanarischen Inseln einkehren. Die Schulen haben wieder geöffnet und auch die Aufräumarbeiten sollen nach Sonderschichten in der Nacht größtenteils beendet oder zumindest weit fortgeschritten sein.

Mehr zum Unwetter finden Sie hier. Die aktuelle Wettervorhersage für Teneriffa gibt es hier.

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Veröffentlicht in: Kanaren, Aktuelle Nachrichten

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