Der Wein-Sektor auf den Kanaren ist in großer Sorge. Auf Teneriffa sind mehrere Fälle von Reblaus-Befall gemeldet worden. Damit ist der gesamte Sektor in Gefahr, sagen Winzer-Verbände. Sie haben errechnet, wie sich die Schädlinge verbreiten werden.
Die Reblaus ist im 19. Jahrhundert aus Nordamerika eingeschleppt worden. Sie gilt bis heute als bedeutender Schädling im Weinbau. Rebläuse sind zwischen 0,7 und 1,4 Millimeter klein. Während die Blattreblaus nur bei extrem starkem Befall Probleme bereitet, sorgt die Wurzelreblaus durch ihre Saugtätigkeit am Leitgewebe der Wurzeln für Wasser- und Nährstoffmangel. Dies kann schließlich zum Absterben der Rebe führen.
Die Entdeckung der Reblaus auf Teneriffa sorgt unter den Winzern der Kanarischen Inseln entsprechend für große Sorge. Wein-Verbände bis hin zur Universität La Laguna auf Teneriffa (ULL) appellieren an erhöhte Wachsamkeit und bitten um Unterstützung. Denn bisher blieben die Kanaren von den Schädlingen verschont. Es ist das erste Vorkommen auf dem Archipel, dem Plagen dieser Art bisher entsprechend unbekannt waren. Und die Reblaus gilt als kaum auszurotten.
Reblaus-Plage erreicht die Kanaren
Im 19. Jahrhundert verursachte die Reblaus in Europa eine dreißigjährige Plage. Das Ergebnis war massive Zerstörung in zahlreichen Weinbergen des Kontinents. In Spanien trat sie erstmals 1878 auf, hauptsächlich in Málaga, Gerona und an der portugiesischen Grenze.
Die Regierung Teneriffas und der Kanarischen Inseln haben ein gemeinsames Protokoll aktiviert, um die Ausbreitung der Reblaus zu hemmen. Die Maßnahmen umfassen die Entfernung und Desinfektion betroffener Pflanzen und Wurzeln, die Einrichtung einer Beobachtungszone sowie intensive Untersuchungen in kommerziellen und nicht-kommerziellen Weinbergen. Dazu gibt es Informationsveranstaltungen für Winzer auf den Inseln.
Reblaus-Plage bedroht Weinbau auf Teneriffa
Eine technische Anleitung mit Bildern und detaillierten Beschreibungen soll den Kanaren-Winzern dabei helfen, die Symptome der Reblaus an Blättern und Wurzeln zu erkennen.
In der Region Tacoronte-Acentejo wurden bereits mehrere Reblaus-Nester entdeckt. Experten bezeichnen die Plage als „äußerst komplex und ernst“. Allein auf Teneriffa gibt es rund 3200 Hektar Weinberge, die entsprechend gefährdet sind.
Trotz der Anstrengungen zur Entfernung betroffener Pflanzen und Wurzeln gilt die Plage als nur äußerst schwierig in den Griff zu bekommen. Daher sei langfristig eine Umstellung der Anbauflächen notwendig, heißt es aus dem Cabildo. Dabei werden kanarische Wein-Sorten auf die Unterseite resistenter amerikanischer Pflanzen gesteckt. Diese sind von der Reblaus nicht gefährdet.
Reblaus auf Teneriffa breitet sich mit Passat nach Westen aus
Der Schädling verbreitet sich in den Weinbergen von Pflanze zu Pflanze. Zum einen können sich die Rebläuse über sehr kurze Distanzen mit dem Wind bewegen. Schwieriger zu erkennen und zu entfernen ist dagegen die Verbreitung über den Boden. Dabei gelangen die deutlich gefährlicheren Wurzel-Larven unter der Erde von einer Pflanze zur nächsten.
Winzerverbände gehen davon aus, dass sich die Reblaus mit dem Passatwind entlang der Nordseite Teneriffas in westliche Richtung ausbreiten wird. Erste Untersuchungen konzentrieren sich daher auf diese Gebiete sowie auf die Umgebung der bisher bekannten Ausbruchsstellen.
Kanaren-Wein seit Jahrhunderten beliebt
Der Weinbau auf Teneriffa geht bereits mehr als 500 Jahre zurück. Schon William Shakespeare oder Walter Scott erwähnten die edlen Tropfen der Kanarischen Inseln. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang erlebt die Branche seit mehreren Jahrzehnten einen Aufschwung.
Aktuell gibt es auf Teneriffa sechs geschützte Ursprungsbezeichnungen für Wein: Abona, Valle de La Orotava, Valle de Güímar, Tacoronte-Acentejo, Ycoden Daute Isora und Islas Canarias. Diese machen mehr als 70 Prozent der Gesamtproduktion aus und umfassen rund 100 Weingüter.
























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Reblaus bedroht Teneriffa-Wein: Kanaren-Winzer befürchten Plage
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