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“Epidemie des 21. Jahrhunderts”: Demenz-Fälle auf den Kanaren steigen stark


Auf den Kanarischen Inseln steigt die Zahl der Demenz-Fälle stark. Auch spanien- und weltweit werden mehr Fälle registriert. Früherkennung gilt als wichtiger Schlüssel gegen die Krankheit. Und sie ist nicht aufwendig.

Von Juan Martín Lesedauer: 4 Minuten

Demenz ist keine Frage des Alters. Und doch sorgt der demografische Wandel, die fortschreitende Alterung der Bevölkerung also, für eine kontinuierliche Zunahme der Krankheitsfälle. Das zeigen aktuelle Daten.

Für Fachleute gilt Demenz als die “Epidemie des 21. Jahrhunderts”. Sie sprechen von einer täglich alternden Gesellschaft, in der also auch Demenz ein immer größeres Thema wird. Doch der Krankheit könne vorgebeugt werden.

Alzheimer’s Disease International, kurz ADI, spricht davon, dass selbst im Gesundheitswesen 61 Prozent der Beschäftigten die Krankheit falsch einschätzen würden. Und die Spanische Gesellschaft für Neurologie (SEN) sagt, dass Demenz in gewisser Weise vorgebeugt werden könne, “genau wie einem Herzinfarkt”.

Ein Drittel der Alzheimer-Fälle weltweit kann verzögert oder verhindert werden

“Ein angemessener Umgang mit den Risikofaktoren kann ein Drittel der Fälle in der Welt verzögern oder verhindern. Wir müssen erklären, dass Demenz nicht unausweichlich ist. Es ist wichtig, den Menschen zu sagen, dass das Konzept, dass man nichts tun kann, nicht stimmt”, sagt die Neurologin Carmen Terrón. Ihre Botschaft: Eine Krankheit nicht heilen zu können, bedeutet nicht, gar nichts tun zu können.

Aus diesem Grund gilt Früherkennung als einer der wichtigsten Faktoren. “Biomarker werden in der Frühdiagnose immer wichtiger, aber sie haben ihre Grenzen”, sagt René de Lamar. Für den Facharzt für Geriatrie und Gerontologie könne anhand einer Lumbalpunktion, also der Entnahme einer kleinen Menge Hirn- oder Rückenmarksflüssigkeit, eine sehr gute Frühdiagnose gestellt werden.

Eine sehr frühe Diagnose verschaffe Zeit, die Krankheit zu bekämpfen, sagt der Mediziner. Es sei ausdrücklich etwas anderes, ob die Krankheit dann bekämpft werde, wenn bereits deutliche Anzeichen vorhanden seien, oder schon weit davor. Daher sei es tragisch, dass oft erst mit der Diagnostik begonnen werde, wenn die Patienten bereits an “Demenz oder mittelschwerer kognitiver Beeinträchtigung” leiden.

Jeder Dritte Über-85-Jährige leidet an Formen von Demenz

Die Prävalenz der Erkrankung nimmt laut Experten mit steigendem Alter zu. So leide jeder dritte Über-85-Jährige an Formen von Demenz. Der Spezialist spricht von einem 36 Jahre jungen Patienten. Auch wenn dies äußerst selten sei, “kann Alzheimer Menschen jeden Alters betreffen”. Bei jungen Menschen sei es dennoch äußerst ungewöhnlich.

Experten sprechen von der Möglichkeit, die die Symptome medikamentös zu lindern. Doch sie kennen die Ursachen der Krankheit nicht in Gänze. Und die Zahl der Erwachsenen ab 40 Jahren, die mit Demenz leben, wird sich bis 2050 weltweit verdreifachen. Zu dem Ergebnis kommt die Vorhersage der multinationalen Studie “Global Burden of Disease”, die erstmals Prognosen für 204 Länder der Welt enthält.

Laut der Prognose werden die 57 Millionen Betroffnen im Jahr 2019 auf 153 Millionen im Jahr 2050 ansteigen. In Spanien werden die Zahlen demnach um 83 Prozent zunehmen – von heute knapp 827.000 auf dann 1,5 Millionen im Jahr 2050.

Immer mehr Demenz-Fälle auch auf den Kanaren

Nach Angaben des Nationalen Statistikinstituts gab es auf den Kanarischen Inseln im Jahr 2020 bei 15.500 Menschen eine Demenz-Diagnose. Das Gesundheitsministerium der Regierung der Kanarischen Inseln sagt, dass die Prävalenz dieser Krankheit auf den Kanaren um 1,36 Prozent höher liege als in Spanien insgesamt.

Ein genauerer Blick zeigt jedoch weit mehr. Denn die Prävalenz ist auf den Kanarischen Inseln in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Jahr 2019 wurden nach Angaben des kanarischen Gesundheitsdienstes 4097 neue Fälle entdeckt. Im vergangenen Jahr waren es bereits 6481 neue Demenz-Patienten. In den vergangenen drei Jahren betrug die Wachstumsrate für Demenz-Diagnosen 16,5 Prozent.

Neue Demenz-Fälle auf den Kanaren: Teneriffa und Gran Canaria registrieren die meisten Fälle

Dabei gab es auf den bevölkerungsreichsten Kanaren-Inseln Teneriffa mit 2219 und auf Gran Canaria mit 1971 auch die meisten diagnostizierten Fälle. Es folgen La Palma mit 197, Lanzarote mit 123, Fuerteventura mit 111, La Gomera mit 41 und El Hierro mit 35 Fällen.

Ein Grund für das Wachstum kann das genauere Hinehen sein. Und dennoch gebe es weiterhin eine enorme Dunkelziffer, sagen Expertenverbände. Schätzungsweise 80 Prozent der Fälle in milden Stadien würden demnach nicht diagnostiziert. Zwischen 30 und 40 Prozent aller Fälle können dadurch nicht von einer Früh-Behandlung, die den kognitiven Verfall verlangsamen und Verhaltensstörungen kontrollieren könnte, profitieren.

Die Experten kommen zu dem Schluss, dass genaue Zahlen zu nennen kompliziert sei. Es fehle eine Zählung der Betroffenen, heißt es. Für die Interessenverbände und Experten-Gruppierungen steht daher fest, dass eine Früherkennung enorm wichtig für jeden Einzelfall sei. Und diese anzustoßen, liege in der Hand der Patienten selbst. Über 65-Jährige sollten dringend mit ihrem Arzt über eine Demenz-Früherkennung sprechen.


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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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