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Kanaren: 1,5% Spaniens beherbergen 40% der Migranten-Kinder


Die Kanarischen Inseln bitten in Spanien dringend um Hilfe bei der Betreuung minderjähriger Migranten. Bisher werden die Inseln im Stich gelassen. Zahlen zeigen, wie wichtig Hilfe und Solidarität wäre.

Von Juan Martín Lesedauer: 3 Minuten

Die Kanaren nehmen 1,48 Prozent von Spaniens Fläche ein. Auf diesem kleinen Stück Land mitten im Atlantischen Ozean tummeln sich derzeit 40 Prozent aller minderjährigen und unbegleiteten Migranten. Die Kanaren flehen in Madrid um Hilfe. Doch sie werden weiterhin alleingelassen.

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Zwei von fünf unbegleiteten minderjährigen Migranten in Spanien leben damit auf den Kanarischen Inseln. Und die Zahl steigt. Das hat humanitäre Gründe. Denn das Auffangnetz für Kinder und Jugendliche ohne Familie sieht vor, dass niemand allein zurückgelassen wird. Doch nun bringt es die Inseln in Schwierigkeiten.

Denn die Betroffenen müssen von der Region betreut werden, in der sie ankommen. Auf den Kanaren sind das aktuell 5645 von spanienweit etwa 13.000 Minderjährigen. Auf der heute beginnenden Sektorkonferenz auf Teneriffa wollen die Kanaren eine Änderung des Gesetzes erwirken. Doch die übrigen Regionen des Landes stellen sich quer. Sogar eine Koalition könnte platzen.

Migration: Kanaren fordern Gesetzes-Änderung

Nötig wäre eine Änderung von Artikel 35 des Ausländergesetzes. Diese sieht vor, die Verteilung minderjähriger Migranten auf alle autonomen Regionen Spaniens verbindlich zu regeln. Die Maßnahme hat in einigen Regionen Bedenken, in anderen einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Nachdem sich die christlich-konservative PP grundsätzlich gesprächsbereit zeigte, könnte die Gesetzesänderung nun sogar eine Koalition mit der rechtspopulistischen Vox gefährden.

An dem Treffen auf der größten Kanaren-Insel in Santa Cruz nehmen unter anderem die Ministerin für Jugend und Kinder, Sira Rego, der Minister für Territorialpolitik und frühere Kanaren-Präsident, Ángel Víctor Torres, sowie dessen Nachfolger, Fernando Clavijo, teil. Vertreter aus verschiedenen Regionen, darunter Castilla y León, Extremadura und Murcia, werden persönlich teilnehmen, während sich andere per Video zuschalten.

Der zweite Tagesordnungspunkt ist die Genehmigung des freiwilligen Transfers von 400 Jugendlichen im laufenden Jahr. Bisher wurden lediglich 32 Minderjährige von den Kanarischen Inseln in andere Regionen verlegt.

Migration: Spanien kündigt finanzielle Hilfe an

Die spanische Regierung versicherte unterdessen, dass sie über ausreichend Mittel verfüge, um die Aufnahme von Kindern zu finanzieren. Auf dem Festland beherbergt Katalonien mit derzeit 2480 die meisten minderjährigen Migranten unter Vormundschaft.

Madrid sieht sich einem starken Zustrom ausländischer Minderjähriger ausgesetzt. Dort wurden 1239 von ihnen im laufenden Jahr aufgenommen. Andalusien meldet eine Auslastung des Aufnahmesystems von 115 Prozent, während in Valencia 481 unbegleitete minderjährige Migranten untergebracht wurden. Dort sind 317 Plätze vorgesehen.

Aufnahmesysteme der Kanaren um 300 Prozent überlastet

Galicien lehnt den neuen Verteilungsvorschlag der Zentralregierung gänzlich ab. Dort gehe es ums Prinzip, nachdem die Regionalregierungen nicht ausreichend in die Pläne eingebunden worden seien. In der Autonomen Gemeinschaft wurden bisher 200 unbegleitete Kinder und Jugendliche aufgenommen.

Aragonien meldet eine Auslastung seiner Zentren von 128,85 Prozent. Navarra bietet derweil eine individuellere Betreuung in kleineren Wohnungen nach einer ersten Beurteilung in einem Orientierungszentrum an.

Asturien, Extremadura und La Rioja gehören zu den Regionen mit den wenigsten ausländischen Kindern und Jugendlichen unter Vormundschaft. La Rioja warnt, dass die Kapazität zur Aufnahme von Minderjährigen dennoch an ihre Grenzen stoße.

Unterdessen steigen die Zahlen auf den Kanarischen Inseln weiter. Dort liegt die Überlastung in einem deutlich höheren Rahmen. Die kanarischen Aufnahmesysteme für minderjährige Migranten erreichen trotz Aufstockung in den vergangenen Monaten inzwischen fast 300 Prozent ihrer eigentlichen Kapazität.


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Juan Martín ist Redakteur bei Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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