Kanaren: Neues Tierschutz-Gesetz soll Wellensittiche und Schildkröten verbieten


Das spanische Tierschutz-Gesetz steht in der Kritik. Nun gibt es einen neuen Entwurf. Auch dieser wird diskutiert. So verbietet er beispielsweise das Halten derzeit sehr beliebter Tiere. Was genau das Gesetz vorsieht.

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Klarere Regeln und deutlich höhere Bußgelder sind aus Sicht von Tierschützern eine Errungenschaft des neuen Tierschutzgesetzes. Allerdings verbietet es auch die Haltung derzeit sehr beliebter Gattungen. Der Entwurf wird in diesen Tagen heiß diskutiert. Verabschiedet werden könnte er noch in diesem Jahr.

Sie müssen einfach artgerecht gehalten werden können, für den Menschen unbedenklich und in Spanien heimisch sein. Zudem darf im Falle des Entkommens keine Gefahr für Mensch oder Umwelt von ihnen ausgehen. Andernfalls stehen sie auf der Liste der verbotenen Haustiere.

Wenn das neue Tierschutzgesetz in der aktuellen Form verabschiedet wird, werden Wellensittiche, Schildkröten, Hamster, Meerschweinchen oder Kaninchen im Haushalt verboten. Denn sie alle erfüllen mindestens einen dieser Punkte nicht.

Insbesondere Schildkröten sind in ganz Spanien verbreitete Haustiere. Doch sie können beispielsweise parasitäre Pilze mit sich schleppen. Dadurch gelten sie als Überträger von Krankheiten und damit nicht als unbedenklich für den Menschen. Wellensittiche hingegen kommen in Spanien nicht natürlich vor. Beide Tierarten sind äußerst beliebt, dürften laut dem neuen Tierschutzgesetz jedoch nicht mehr gehalten werden, da sie mindestens ein Kriterium nicht erfüllen, das sie auf die Liste der erlaubten Haustiere bringen würde.

Genau das könnte zu massenweisen Aussetzungen führen, weshalb der aktuelle Gesetzentwurf derzeit heiß diskutiert wird. Eine Lösung könnte laut Experten sein, dass Tiere angemeldet werden müssen. Wer bis zum Stichtag ein Haustier anmeldet, das auf der Liste der verbotenen Tiere erscheint, darf es behalten. Nach dieser Frist dürften dann keine verbotenen Haustiere mehr angeschafft werden.

Neues Tierschutzgesetz: Hunde dürfen maximal 24 Stunden alleingelassen werden

Die größte Resonanz gab es unterdessen auf die Änderung beim Thema Hunde. Denn zumindest unter den auf den Kanaren angemeldeten Haustieren machen sie noch immer neun von zehn Begleitern aus.

Um einen Hund zu halten, müssten sich die Besitzer verpflichten, die Tiere maximal 24 Stunden allein zu lassen. Damit soll Fällen entgegengewirkt werden, in denen Hunde Grundstücke über Tage allein bewachen oder sogar allein eingesperrt sind.

Wird der Verlust eines Hundes zudem 48 Stunden lang nicht gemeldet, gilt er als ausgesetzt. Und damit drohen herbe Strafen.


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Neues Tierschutzgesetz auf den Kanaren: Tierquälern drohen Strafen bis zu 200.000 Euro

Wird gegen das neue Tierschutzgesetz verstoßen, gibt es drei Straf-Kategorien. bei leichten Verstößen droht ein Bußgeld zwischen 500 und 10.000 Euro. Bei ernsten Verstößen gegen den Tierschutz werden zudem bis zu 50.000 Euro fällig. Wer hingegen sehr ernste Verstöße gegen den Tierschutz verantwortet, muss bis zu 200.000 Euro Strafe zahlen.

Schon das Halten verbotener Tiere kann für einen durchschnittlichen Haushalt damit teuer werden. Wer hingegen gewerblich mit Tieren zu tun hat und diese nicht artgerecht hält, kann schnell in die höheren Straf-Regionen rutschen.

Doch nicht nur das bloße Halten kann teuer werden. Wer beispielsweise ein schwer krankes Haustier nicht von einem Tierarzt einschläfern lässt, macht sich ebenfalls strafbar. Gleiches gilt für Privatpersonen, die mit Hundewelpen handeln.

Tierschutz in Spanien: Kontroverse um Jagdhunde weiter ungelöst

Beim Thema Jagdhunde gibt es weiterhin eine Kontroverse. Schon jetzt sind diese vom Tierschutzgesetz ausgeschlossen. Und auch künftig soll es gesonderte Regelungen geben.

Der Präsident des spanischen Jagdverbandes, Manuel Gallardo, sagt: „Es ist ein Haustiergesetz und Jagdhunde sind keine Haustiere. Es ist eindeutig ein Hilfstier, das spezifische und spezielle Bedürfnisse hat, beginnend mit seinem eigenen Verhalten. Wir können die Natur der Tiere nicht ändern.“

Die Tierschutz-Partei PACMA weht sich hingegen, Tiere als „als Werkzeug“ zu betrachten. Es gehe „nicht um Dinge, sondern um fühlende Wesen“. Dennoch müsse man zugeben, dass es sehr schwierig sei, den Einsatz von Tieren in speziellen Disziplinen zu untersagen. „Was wir wollen, ist, dass die Anforderungen und Kontrollen viel umfassender sind“, ließ die PACMA verlauten.

29 Millionen Haustiere in Spanien

Die spanische Vereinigung der Haustierfutter-Erzeuger melde im Jahr 2021 mehr als 29 Millionen Haustiere. Davon seien neun Millionen Hunde, acht Millionen Fische, sechs Millionen Katzen und fünf Millionen Vögel. Hinzu kämen mehr als anderthalb Millionen kleine Säugetiere wie Kaninchen sowie weitere anderthalb Millionen Reptilien.

Auf den Kanarischen Inseln gibt es laut dem kanarischen Tier-Identifikations-Register derzeit 667.673 registrierte Tiere. Davon seien 88 Prozent Hunde und zehn Prozent Katzen. Die Zahl der unangemeldeten Tiere sei deutlich höher, vermuten Experten.

Neues Tierschutzgesetz in Spanien: Tierschützer begrüßen Neuregelung, üben jedoch Kritik

Tierschützer und Veterinäre begrüßen die strengeren Regeln für die Haltung von Haustieren und auch die härtere Gangart gegen Tierquäler. Zwar gibt es auch von dort Kritik am Gesetzentwurf, dennoch sei eine Neuregelung wichtig, da die aktuellen Gesetze auf einem Entwurf basierten, der aus dem Jahr 1900 stamme und damit teilweise äußerst zurückgeblieben sei.

Mitunter seien die Verbote zwar schlüssig erklärt, ihre Überwachung jedoch kaum zu gewährleisten hieß es in ersten Reaktionen. Zudem sei die Liste der verbotenen Tiere noch deutlich zu kurz, um schlüssig zu sein. Außerdem fehle die wissenschaftliche Perspektive an einigen Stellen. Dennoch sei das Gesetz ein Schritt in die richtige Richtung, hieß es.

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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Er ist auf den Kanaren zuhause und schreibt bereits seit vielen Jahren unter anderem über die Inseln.

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