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“Affe, geh nach Hause!”: Neue Tourismus-Feindlichkeit auf den Kanaren


Auf den Kanaren bildet sich zunehmender Protest gegen unkontrollierten Tourismus. Auf einer Demo kommt es zu einem Zwischenfall. Der beschäftigt inzwischen sogar die Politik.

Von Juan Martín Lesedauer: 3 Minuten

Geplant ist eine friedliche Demo. Doch neben Schildern gegen “unkontrollierten Tourismus” gibt es auch pauschale Plakate mit Aufschriften, wie “Tourist go home” (Tourist, geh nach Hause). Dann geraten ein Demonstrant und ein Urlauber aneinander. Der Zwischenfall löste nun sogar eine Debatte im Parlament der Kanarischen Inseln aus.

Es gibt eine neue Tourismusfeindlichkeit in Spanien. Die sei “alarmierend”, sagen Vertreter des CEOE-Tenerife. Auf den Balearen und in Barcelona nimmt diese Ablehnung neue Qualitäten an. Der branchenübergreifende Arbeitgeberverband zeigt sich ob dieser Entwicklung besorgt.

“Was ist los mit dir? Affe, geh nach Hause!”, ruft ein Demonstrant im Süden Teneriffas einem Urlauber zu. Die Protestler hatten einen Umzug zwischen Los Cristianos und Playa de las Americas geplant. Der Zwischenfall wird aufgenommen und landet in sozialen Netzwerken. Jetzt hat er es bis ins kanarische Parlament geschafft.

Kanaren: Tourismusfeindlichkeit könnte Ministerin den Abschied verderben

Dort ist die Politik um Schadensbegrenzung bemüht. Denn nach mehr als einem Jahr der Anstrengung, um den kanarischen Wirtschaftsmotor wieder in Schwung zu bringen, ist eine offen ausgetragene Tourismusfeindlichkeit das Letzte, was Yaiza Castilla benötigt.

Die 38-Jährige beendet ihre politische Karriere und möchte nach den Wahlen als die Tourismusministerin abtreten, die die Kanarischen Inseln wieder in Schwung gebracht hat. Der Zwischenfall könnte jedoch der Startschuss für eine ähnliche Entwicklung sein, wie sie in anderen touristisch geprägten Regionen des Landes immer alltäglicher wird.

Ministerin: Die Kanaren sind nicht tourismusfeindlich

Und so nennt Castilla den Zwischenfall in einer parlamentarischen Intervention “bedauerlich” und weist darauf hin, dass acht von zehn Einwohnern des Archipels den Tourismus befürworten und ebensoviele der Förderung dieses Wirtschaftszweiges zustimmen.

In der Erhebung mehrerer akademischer Institutionen der Kanaren wurde herausgearbeitet, dass die Bereiche der Inseln mit der höchsten Dichte an Urlaubern am besten auf diese zu sprechen seien. Castillas Schlussfolgerung: Es handle sich also eindeutig nicht um ein allgemeines Stimmungsbild, das aus dem Süden Teneriffas in die Öffentlichkeit gelangte.

Touristen und Demonstranten der Kanaren wollen eigentlich das Gleiche

Allerdings besteht auf beiden Seiten der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit. So berufen sich die Demonstranten bei ihrem Protest auf den Natur- und Umweltschutz. Gleichzeitig steigt auch bei Urlaubern die Nachfrage im Bereich Nachhaltigkeit.

Immer häufiger gibt das den Ausschlag bei der Buchung, zeigen Erhebungen. Bedeutet: Beide Seiten sind sich näher als zunächst angenommen. Der Druck müsste also den Reiseanbietern, Hoteliers und Gastronomen gelten. Und der Politik.

Trotz Zwischenfall: “Es gibt keine Tourismusfeindlichkeit auf den Kanaren”

Vorerst jedoch geht es der Politik um die Wahrung des Images. Die Kanarischen Inseln sollen auf ihren Haupt-Reisemärkten weiterhin als offene Gesellschaft gesehen werden, die sich auf ihre Besucher freut.

“In einer demokratischen Gesellschaft wie unserer sind Meinungsverschiedenheiten und Kritik gesund und notwendig”, sagt Castilla, mahnt dann jedoch: “Für jede ernsthafte Analyse ist es aber auch notwendig, von der Realität auszugehen. Und die Realität ist, dass es auf den Kanarischen Inseln in keinem Fall ein Mehrheitsgefühl von Tourismusfeindlichkeit oder ähnlichem gibt.”

Wahlkampf der Kanarischen Inseln fördert Populismus

Die Arbeitgeber hingegen schweigen sich mehrheitlich aus. Es scheint, als wolle niemand mehr in den aktuell laufenden Wahlkampf eingreifen. Dafür hallt ein Zusammenstoß zwischen der Podemos-Kandidatin Noemí Santana und dem Präsidenten des Hotelverbandes Ashotel, Jorge Marichal, zu sehr nach. Santana hatte zu dem Protest aufgerufen und Marichal Kritik daran geübt.

Nachdem Marichal auf einer Wahlkampfkundgebung als “Ausbeuter” bezeichnet wurde, drohte dieser mit einer Klage. Im Anschluss zog er sich vorerst aus dem Rampenlicht des Wahlkampfs zurück. In einer Reaktion sagte ein Hotelbesitzer: “Wir leben nicht von den Wahlen.” Über diesen Hinweis hinaus verstummte die Branche jedoch.

Kanaren: Arbeitgeber in Sorge vor Nachwirkungen der Proteste

Mit etwas Abstand meldet sich daher nun CEOE-Tenerife zu Wort: Dass es zur jüngsten Auseinandersetzung kam, sei dem Wahlkampf geschuldet. Im dessen Rahmen war zum Protest aufgerufen worden. “Dieser Ausdruck der Ablehnung und Feindseligkeit gegenüber dem Tourismus kann erhebliche Spuren in der Branche hinterlassen und so die Beschäftigung auf unserem Archipel gefährden”, hieß es in einer Erklärung.

Mit anderen Worten handelte es sich dabei also um reinen Populismus. Und dieses politisch motivierte Zündeln könnte über die Wahlen hinaus einen Flächenbrand auslösen. Die Spätfolgen bleiben abzuwarten.


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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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