Kanaren statt Karibik: Inseln profitieren von Tourismus-Trend


Die Kanarischen Inseln profitieren von einem Umdenken im Tourismus. Statt Langstrecke setzen viele Urlauber lieber auf kürzere Distanzen. Das beschert dem Archipel ein Plus. Zumindest noch.

Lesedauer: 3 Min.

Kanaren statt Karibik. Das sind die Erkenntnisse der Londoner Tourismusmesse in Kurzform. Die längere Version ist differenzierter. Sie lautet, dass die Wintersaison gut wird und die Kanarischen Inseln damit wieder an das Vor-Pandemie-Niveau anknüpfen. Dann jedoch könnte es schwieriger werden.

Sowohl Reiseveranstalter als auch Fluggesellschaften blicken zufrieden auf den ersten Teil des Winters. Das zeigt beispielsweise ein Treffen der kanarischen Tourismusministerin Yaiza Castilla mit Vertretern der Fluggesellschaft Eurowings im Rahmen der Fachmesse.

Die Airline berichtete, dass die geplanten Umsätze für den Rest des Jahres bereits zu 80 Prozent erreicht seien. Im ersten Quartal 2023 liege die Rate immerhin schon bei etwa 50 Prozent.

Als Hauptgrund für die starke Nachfrage am mitteleuropäischen Reisemarkt wird die Energiekrise genannt. Langstreckenflüge sind teilweise deutlich teurer. Zudem sorgt die sinkende Kaufkraft für einen Sparkurs beim Urlaub. Wer früher für die Karibik sparte, gibt sich jetzt auch mit einem Teil der Strecke zufrieden und reist auf die Kanarischen Inseln.

Kanaren profitieren von Tourismus-Trend – vorerst

Dennoch ist die Prognose von Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften durchwachsen. Denn Experten zufolge gehe die Nachfrage im Jahr 2023 zurück. Durch die genannten Effekte werde der kanarische Archipel jedoch nicht wesentlich betroffen sein, heißt es immer wieder.

Um dem Umbuchungseffekt aus anderen, bisher sehr beliebten Destinationen gerecht werden zu können, wurden die Kapazitäten erhöht. Ein Plus von mehr als 30 Prozent bei den Flugsitzen im Vergleich zu 2019 soll potenzielle Neu-Touristen auf die Inseln bringen.

Der Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands auf den Kanarischen Inseln (Ashotel), Jorge Marichal, fasste die Situation auf der Tourismusmesse knapp zusammen: Viele europäische Touristen würden sich für näher gelegene Reiseziele. entscheiden „und von diesem Trend profitieren wir“.


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Kanaren: Tourismus-Vertreter rechnet mit Rückgang ab Sommer

Auch der Präsident des Verbands für Gastgewerbe und Tourismus (FEHT), José María Mañaricua, zeigt „keinen Zweifel“ daran, dass die Wintersaison auf den Kanaren gut verlaufen werde. Auch um das erste Quartal 2023 mache er sich keine Sorgen. Doch Zweifel gebe es an der kommenden Sommer-Saison.

„Auf der Tourismusmesse zeigen sich alle optimistisch. Bei mir ist es nicht so, dass alles negativ ist, aber ich bin vorsichtig“, sagte Mañaricua. Der Grund dafür liege in der Erwartung, dass sich die Wirtschaftslage vieler potenzieller Touristen weiter verschlechtern werde.

Entsprechend seien auch viele Verträge, die früher bereits unter Dach und Fach waren, weiterhin in der Schwebe. Einer der Gründe: Die Branche sehe an den durchschnittlichen Aufenthaltsdauern, dass die Touristen weiterhin sehr vorsichtig planen.

Politik auf den Kanaren erkennt: Nachhaltiger Tourismus wird wichtiger

Inhaltlich sei zudem erkennbar, dass das Thema nachhaltiger Tourismus wichtiger werde. Ministerin Castilla erkennt auf der Messe den klaren Trend der Reiseveranstalter zur Suche nach CO2-Reduktionen rund um den Urlaub.

Die Abteilung für Intelligente Tourismusprojekte der Kanarischen Inseln hat errechnet, dass die Emissionen pro zugewiesenem Sitzkilometer von 54,09 Gramm im Jahr 2019 auf jetzt 52,24 gesunken seien. Bei Touristen aus dem Vereinigten Königreich sei der Wert von 53,07 Gramm auf 50,09 Gramm gesenkt worden.

Brexit macht Kanaren-Urlaub für Briten deutlich teurer

Unterdessen beschäftigte sich der Präsident der Kanarischen Inseln, Ángel Víctor Torres, mit neuen Wirtschaftsbeziehungen zu Großbritannien. Nach dem Brexit soll der Handel wieder angekurbelt und durch konkrete Programme vereinfacht werden.

Das Ziel sei die Förderung der Lieferungen von Obst und weiterer Waren. Die Beschäftigung in diesen Bereichen sei zwischen 2019 und heute um 22 Prozent gestiegen.

Laut Torres wollen die Kanarischen Inseln „die historischen Handelsbeziehungen“ mit UK „aufrechterhalten und stärken“. Schmeichelnd attestierte Torres dem Königreich, eine „erneuerte, modernere, kreativere und wettbewerbsfähigere Wirtschaft“.

Der Grund für die warmen Worte könnte Berechnung sein: Immerhin müssen Briten seit dem Brexit etwa 32 Prozent mehr zahlen, um Urlaub auf den Kanaren zu machen.

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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Er ist auf den Kanaren zuhause und schreibt bereits seit vielen Jahren unter anderem über die Inseln.

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