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Migration: Kanaren fordern Hilfe – “Schlimmste steht noch bevor”


Die Regierung der Kanarischen Inseln fordert "dringende" Treffen mit Spitzenpolitikern aus Madrid. Sie sieht einen neuen "Migrationsschub" bevorstehen. Erwartet werden erneut mehrere Tausend Flüchtlinge.

Von Juan Martín Lesedauer: 3 Minuten

Etwa 2700 Migranten sind im August auf den Kanarischen Inseln angekommen. Besonders ist dabei die Zahl der Minderjährigen. Die Kanarischen Inseln sehen darin ein neuartiges Problem, mit dem sie sich alleingelassen fühlen.

Der Sprecher der Regionalregierung, Alfonso Cabello, sprach die “Besorgnis über den im August verzeichneten Migrationsschub” aus. Er forderte den Staat offiziell auf, “zu reagieren”. Seine Worte klingen drastisch: “Das Schlimmste steht noch bevor”.

Grund für die Sorge sei das im September und Oktober erwartete, gute Wetter. Zusammen mit der instabilen politischen Lage im Senegal würde das “eine neue Welle begünstigen”. Und die Inseln benötigten Hilfe bei der Bewältigung. Denn schon jetzt ist die Situation angespannt.

Kanaren-Migration: “Benötigen dringend Antworten aus Madrid”

Nach der jüngsten Sitzung des Regierungsrats sagte Cabello, dass die aktuelle Lage nicht auf die Bildung einer neuen Regierung warten könne. Die Boote und Cayucos, wie die kleinen, hochseeuntauglichen Fischerboote auf den Kanaren genannt werden, kämen weiterhin an und “der Druck ist hoch”.

Die “Besorgnis nimmt immer weiter zu.” Daher bittet die Regierung der Kanarischen Inseln um ein “dringendes Treffen” mit dem Außenministerium, den Ministern des Inneren und den Verantwortlichen für Migration. “Die Befugnisse liegen auf staatlicher Ebene und die Situation erfordert es”, sagte Cabello.

Benötigt werde zudem die “Solidarität aller Gemeinschaften”. Die Kanaren fordern “Garantien, um mit der Lage umzugehen.” Laut kanarischem Regierungssprecher sei es “die Aufgabe Madrids”, die aktuelle Situation nicht einfach “weiter geschehen zu lassen”. Die Inseln benötigen “dringend eine Antwort”.

Kanaren: Zahl unbegleiteter Minderjähriger nimmt deutlich zu

Um über konkrete Punkte sprechen zu können, berief die kanarische Regierung ein Treffen mit dem Roten Kreuz und weiteren Hilfsorganisationen ein. Dabei solle über die Situation und neue Herausforderungen gesprochen werden.

Eine davon ist die Veränderung der Migration. Kamen in der Vergangenheit vermehrt unbegleitete erwachsene Männer an, die ein neues Leben aufbauen und ihre Familien dann nachholen wollten, sind es zuletzt vornehmlich unbegleitete Minderjährige gewesen.

Laut Cabello seien in diesem Jahr bisher 1598 Minderjährige auf den Inseln angekommen. Seit 2021 sind allerdings nur 346 in andere Autonome Gemeinschaften weitergezogen. Laut Cabello waren im Jahr 2022 lediglich 17 Jugendliche überwiesen worden. Die Kanaren fühlen sich entsprechend alleingelassen.

Situation um Flüchtlinge: Kanaren fordern Garantien

Die Ministerin für Soziales, Gleichstellung und Familien, Candelaria Delgado, forderte das Ministerium für Integration, soziale Sicherheit und Migration nun dazu auf, Lösungen für eine “faire Verteilung” unbegleiteter ausländischer Minderjähriger zu suchen.

Auch Cabello betonte nachdrücklich, dass Einwanderungsangelegenheiten “weiterhin in die Zuständigkeit des Staates fallen”, weshalb es in Madrid “Entschlossenheit bedarf, dieses Problem mit Garantien anzugehen”.

Migration: Aufnahmezentren der Kanaren sind überfüllt

Neben den 2692 Migranten in diesem Monat, waren im Juli bereits 1075 Flüchtlingen auf den Kanaren angekommen. Knapp Tausend dieser Menschen erreichten El Hierro, wo es “nur zwei Aufnahmezentren gibt”.

Die Zentren seien überfüllt und “Erwachsene und Minderjährige müssen warten, bis sie auf andere Inseln verteilt werden können”. Auf La Gomera gibt es gar keine dezidierten Aufnahmezentren. Dort musste zuletzt eine Gruppe Menschen in einer kleinen Hütte ausharren.

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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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