Zahl der obdachlosen Migranten auf den Kanaren geht zurück


Offizielle Zahlen gibt es nicht. Doch es werden weniger Hilfsleistungen in Anspruch genommen. Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass viele Migranten weitergezogen sind.

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Provisorisch aufgebaute Einrichtungen für Obdachlose gibt es in Las Palmas de Gran Canaria weiterhin. Ob am Strand von Las Alcaraveras oder in El Confital, Parque Romano und bei La Minilla gehören Migranten in Übergangsquartieren derzeit zum Stadtbild. Doch die Summe scheint zu schwinden. Das berichten Hilfsorganisationen.

Konkrete Zahlen gibt es von den Kanarischen Inseln derzeit nicht. Daher sind nur Annäherungen möglich. Und die besagen: Im Laufe der vergangenen Wochen hat die Zahl der auf den Straßen der Kanarischen Inseln lebenden Migranten abgenommen.

Die Hilfsgemeinschaft Somos Red beispielsweise berichtet, dass sie bisher für etwa 140 Personen in Las Palmas Verpflegung verteilt hat. Inzwischen seien es nur noch rund 40. Die Caritas berichtet ähnliches: Wurden im Februar durchschnittlich 350 Personen mit Essen versorgt, waren es im März bereits 390. Im April sank die Zahl dann auf 300.

Aus dem Archiv: Kanarische Inseln – ein Gefängnis für Migranten?

Einer der Gründe für den Rückgang wird im Ende des Alarmzustands und der Öffnung der Flughäfen gesehen. Migranten, die einen Reisepass besitzen, können sich nun wieder frei bewegen. Gibt es also Verwandtschaft in Europa, können sie die Reise nun wieder auf eigene Faust fortsetzen. Somos Red hatte bereits seit Ende 2020 gefordert, dass dieses Recht wieder freigegeben wird. So lang der offizielle Alarmzustand ausgerufen war, blieb die Möglichkeit jedoch beschränkt.

Hinzu kommt auch, dass das Innenministerium im April damit begann, Migranten auf das Festland umzusiedeln. Bis zur ersten Maiwoche waren das rund 1800 Personen. Es folgte die Ankündigung, dass die Zahl bis zum Monatsende bei 5500 bis 6000 liegen solle.

Konfliktpotenzial in weniger überfüllten Migranten-Unterkünften sinkt

Der Rückgang an Bewohnern sorgte gleichzeitig für eine Entspannung in den Camps. Dies wiederum führt auch zu einem sinkenden Konfliktpotenzial in den zuvor oft überfüllten Aufnahmelagern. Auch dies führte immer wieder zu freiwilliger Obdachlosigkeit auf den Straßen rund um die Camps.

„Das alles spiegelt wider, was der Sozialsektor schon lange fordert: Eine Politik der agilen, transparenten und systematisierten Transfers und die Garantie des Rechts auf freien Transit“, sagt Juan Carlos Lorenzo, Koordinator von CEAR auf den Kanarischen Inseln. Der Verband setzt sich unter anderem für Asylsuchende ein und unterstützt Migranten nach ihrer Ankunft.

„Wir begrüßen die Tatsache, dass es nun wieder einen Kreislauf gibt, da die Prozesse zuvor langsam waren“, ergänzte Lorenzo. „Jetzt sprechen wir über Regelmäßigkeiten – und das macht sich beispielsweise dadurch bemerkbar, dass weniger Menschen zu den Einrichtungen kommen“.

Minderjährige Migranten brauchen dringend Hilfe

Dennoch gebe es viel Arbeit, berichtet der CEAR-Koordinator. Nach Schätzungen des Verbands seien weiterhin rund 1200 Personen auf den Kanarischen Inseln obdachlos. Die meisten von ihnen leben demnach auf Gran Canaria.

Auch aus der Politik war zuletzt immer wieder zu hören, dass die Infrastruktur weiter verbessert werden müsse, um auch dieses Problem in den Griff zu bekommen. Für einen „würdigen Aufenthalt“ müsse die Integrationspolitik verbessert und auch die EU ihrer Verantwortung gerecht werden.

Somos Red möchte sich im nächsten Schritt insbesondere für Minderjährige einsetzen. Die Staatsanwaltschaft soll bald einbezogen werden, hieß es. Wichtig sei es, den Menschen wirklich zu helfen – insbesondere jetzt, da inzwischen bei vielen der Betroffenen eine gewisse „emotionale Erschöpfung“ zu spüren sei.

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Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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