Kanaren: 38 Jahre Haft für brutale Hundekampf-Mafia gefordert


Auf den Kanarischen Inseln müssen sich acht Personen wegen besonders schwerer Tierquälerei und der Gründung eines kriminellen Netzwerks verantworten. Eine von ihnen angeführte Gruppe hatte brutale Hundekämpfe organisiert und sogar eigens dafür Tiere gezüchtet. Die meisten Hunde befanden sich bei ihrer Befreiung in einem desolaten körperlichen Zustand. Der Staatsanwalt forderte nun 38 Jahre Haft. Auch ein Polizist und ein Tierarzt müssen sich verantworten.

Als die Polizei im Februar 2017 eine Finca bei Güímar im Süden Teneriffas stürmt, bietet sich ihr ein grausiges Bild: Mehrere Hundekadaver liegen teilweise in offenen Plastiktüten herum, dazu viel Blut und Knochen. Aus dem Hintergrund schallt lautes Gebell herüber. Der Lärm wird angereichert durch das Schreien wetteifernder Menschen. Die Beamten haben soeben die inoffizielle Arena für illegale Hundekämpfe auf Teneriffa gestürmt – und die Teilnehmer versuchen zu fliehen.

Es hat rund zweieinhalb Jahre gedauert, bis die Hintermänner der brutalen Organisation ausfindig gemacht und die Ermittlungen zu einer Gerichtsverhandlung geführt haben. Dort müssen sich nun acht Personen verantworten. Die Haupt-Vorwürfe lauten: fortgesetzter Tiermissbrauch und die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung.

Unter den Angeklagten befindet sich auch ein örtlicher Polizeibeamter. Der Mann, so lautet der Vorwurf, habe seine Verpflichtung zur Verfolgung von Straftaten unterlassen. Parallel zu den acht Angeklagten auf den Kanaren müssen sich auch 14 weitere Personen verantworten. Sie stehen nach Abschluss der Ermittlungen in Madrid vor Gericht.

Internationale Hundekampf-Mafia – Die Ermittlungen beginnen auf Teneriffa

Begonnen hatten die Ermittlungen am 18. Februar 2017, nachdem Beamte die Finca bei Güímar gestürmt hatten. Schnell wurde klar, dass hinter dem Hundekampf eine gut vernetzte Gruppe stehen musste. Für eine einmalige Zusammenkunft wirkte das zweifelhafte Event viel zu professionell organisiert.

Im Zuge der Ermittlungen befreiten die Beamten spanienweit 226 Tiere. Die meisten von ihnen befanden sich in einem schlechtem Zustand. 42 Hunde starben kurze Zeit später an Verletzungen, Infektionen oder sie mussten aufgrund ihres schlechten Zustandes eingeschläfert werden.

Wie die Ermittler feststellten, waren rund um die Wettbewerbe große Geldbeträge bewegt worden. Auch daher begannen die Organisatoren mit der Zucht eigener Hunde – hauptsächlich aus als gefährlich eingestuften Rassen. Sie richteten die Tiere für Kämpfe ab und stachelten sie durch Nahrungsentzug und körperliche Züchtigung weiter zu aggressivem Verhalten an. Zudem seien auch Anabolika und andere Substanzen verabreicht worden.

Außerdem waren laut Erklärung der Staatsanwaltschaft Verbindungen nach Madrid, Alicante, Murcia, Almería und Málaga nachgewiesen worden. Die Gruppe soll mindestens seit 2016 aktiv und auch international tätig gewesen sein. Laut Anklage gebe es Hinweise auf Aktivitäten in Mexiko, Thailand, Frankreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Hundekampf-Mafia auf Teneriffa: Auch ein Tierarzt und ein Polizist sollen verstrickt sein

Der Hauptbeschuldigte soll laut Anklage zum Zeitpunkt seiner Festnahme 32 Hunde „in schlechtem Zustand, umgeben von Dreck und Exkrementen, angebunden an Ketten und ohne Bewegungsspielraum“ gehalten haben. Wie die Ermittler berichten, hatten die Tiere „offene Wunden und schlecht verheilte Infektionen“ aufgewiesen.

Ein weiteres Mitglied, das als „rechte Hand“ des Hauptbeschuldigten angesehen wird, soll in die Zucht und die Planung weiterer Veranstaltungen involviert gewesen sein. Zudem habe der Mann die Versorgung der Gruppe mit anabolen Substanzen geregelt, heißt es weiter. Bei dem Mann seien elf Welpen und 34 erwachsene Hunde in einem ebenfalls „schlechten Hygienezustand“ entdeckt worden.

Die übrigen Angeklagten sollen entweder mit der Planung weiterer Wettbewerbe, der Zucht zusätzlicher Hunde oder weiterer organisatorischer Aufgaben betraut gewesen sein. So soll beispielsweise ein Tierarzt aus Santa Cruz für die Lieferung von Substanzen zuständig gewesen sein, mit denen die Hunde vor den Kämpfen in einen Blutrausch versetzt wurden.

Staatsanwalt fordert 38 Jahre Haft für Tierquäler auf Teneriffa – Tierschützer und Politik wollen mehr

Wie viele Tiere im Rahmen der Kämpfe starben oder als unzureichend für die Wettbewerbe eingestuft und umgebracht wurden, konnte nicht in Gänze ermittelt werden. Zu Prozessauftakt hatte die Staatsanwaltschaft 38 Jahre Haft gefordert. Aufgrund der Schwere der Taten forderten Tierschutzorganisationen und die Politik bereits im Vorfeld deutlich härtere Strafen.

Die Hintergründe zu den Hundekämpfen im Jahr 2017 bei Güímar lesen Sie jetzt hier.

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