Corona-Krise wird die Kanaren noch zwei Jahre prägen


Die hohe Abhängigkeit vom Tourismus beschert den Kanarischen Inseln zwei schwache Jahre. Das ist das Fazit des CEOE, der die spanische Geschäftswelt vertritt. Laut der Experten-Prognose wird die Wirtschaftsleistung der Kanaren in diesem Jahr um rund ein Viertel sinken. Die Arbeitslosigkeit steigt unterdessen je nach Szenario stark.

„Die Normalität in Bezug auf die makroökonomischen Zahlen wird im Jahr 22 eintreten.“ So knapp und gleichzeitig düster lautet das Fazit von CEOE-Präsident José Carlos Francisco, der ergänzte: „Dann werden wir zu den Zahlen von 2019 zurückkehren, aber jetzt kommen zwei schwierige Jahre.“ Die Kanarischen Inseln hätten im Landesdurchschnitt „schlechter“ abgeschnitten, was insbesondere auf die hohe Abhängigkeit des Archipels vom Tourismus zurückzuführen sei.

Die Experten des Verbandes, der sie spanische Geschäftswelt vertritt, rechnen damit, dass der Tourismus erst im September oder Oktober dieses Jahres hochgefahren würde. „In Europa fliegen vergleichen mit dem Vorjahr derzeit nur neun Prozent der Flugzeuge und es wird prognostiziert, dass die Niveaus im August ähnlich sind. Es ist nicht klar, ob es im August internationale Flüge geben wird“, sagte Francisco weiter.

Wirtschaftsmotor der Kanarischen Inseln bleibt abgewürgt

Für die Kanaren bedeutet dies konkret, dass der wichtigste Wirtschaftszweig weiterhin auf Umsätze warten muss. Denn so lange es keine Touristen gebe, würden die Hotels nicht geöffnet, wie Francisco gestern sagte. Auch wenn sie dies auf rechtlicher Basis ab Ende Juni dürften, würden sie dies „auf sachlicher Ebene“ aus Gründen der Rentabilität nicht tun.

Demnach würde die Touristenpause zwischen 40 und 60 Prozent der kanarischen Wirtschaft betreffen. Je nach Dauer würde sich dies mehr oder weniger stark auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und die Beschäftigungszahlen auswirken.


Corona-Krise auf den Kanaren: Experten erstellen drei Szenarien

Francicso stellte drei vom CEOE entworfenen Szenarien vor. Die erste Variante beschreibt eine sogenannte V-Krise. Dies bedeutet, dass der Verlauf der Krise bildlich vergleichen einem V ähnelt. Dieses Szenario wird von den meisten Geschäftsleuten jedoch ausgeschlossen. „Es würde bedeuten, dass das BIP zwischen sieben und elf Prozent sinkt und acht Wochen dauert.“ Die Arbeitslosenquote würde dann bei 25 Prozent liegen. „Das haben wir bereits erreicht“, sagte Francisco.

Szenario zwei gilt daher als deutlich wahrscheinlicher. Es sieht vor, dass der Tourismus erst im September oder Oktober wieder startet. In diesem Fall würde das BIP der Kanaren um 20 bis 30 Prozent sinken. Konkret würde dies einen Umsatz-Verlust von neun bis 14 Milliarden Euro bedeuten. Die Arbeitslosigkeit könnte in der Folge dieses Szenarios bis zu 35 Prozent erreichen.

Das dritte Szenario sieht vor, dass die Wirtschaft noch viele weitere Monate heruntergefahren bleiben muss. Dies würde eine Halbierung des BIP bedeuten und zu einer Arbeitslosenquote von bis zu 60 Prozent führen.


Immerhin: Volkswirtschaft ist gesünder als in der Krise von 2008

Vergleichen mit der Wirtschaftskrise aus dem Jahr 2008 sei diesmal immerhin positiv zu werten, dass es eine geringere durchschnittliche Verschuldung sowohl bei Privatleuten als auch bei Unternehmen gebe. Zudem sei die Volkswirtschaft der Kanarischen Inseln diesmal gesünder.


Während die privaten Schulden im Jahr 2008 bei rund 55 Milliarden Euro lagen, sind es diesmal nur rund 30 Milliarden. Allerdings könne sich diese Lage in den kommenden Monaten verschlechtern, hieß es. Auch dies hänge von der wirtschaftlichen Entwicklung der kommenden Monate ab. Eine Ungewissheit, die der tatsächlichen Lähmung der wichtigsten Branche des Archipels noch eine weitere Last aufbürdet.

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Johannes Bornewasser

Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Mehr Infos zum Autor gibt es hier.