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Kanaren: Immer mehr Menschen überleben nur durch einen Nebenjob


Ohne Nebenjob können auf den Kanaren immer weniger Menschen überleben. Insbesondere die Inflation treibt die Menschen in Mehrfachbeschäftigungen.

Von Juan Martín Lesedauer: 3 Minuten

Miete, Strom, Benzin, Inflation und steigende Kredit-Zinsen sorgen auf den Kanaren bei immer mehr Menschen für Ebbe im Portemonnaie. Die Einkommen gelten als verhältnismäßig gering und so treiben die steigenden Kosten immer mehr Arbeitnehmer in einen Zweitjob.

Mehr als 25.000 Menschen auf den Kanaren müssen derzeit einer Nebentätigkeit nachgehen, um über die Runden zu kommen. Das geht aus einer Erhebung zur Arbeit hervor, die vom Nationalen Statistik-Institut (INE) veröffentlicht wurde.

Spanienweit gehen 2,55 Prozent der Erwerbstätigen einem Zweitjob nach. Wird dieser Durchschnitt auf die Kanarischen Inseln angewendet, sind von den 990.800 gemeldeten Erwerbstätigen im vierten Quartal des vergangenen Jahres 25.265 Personen betroffen.

Auf nationaler Ebene zeigen die Zahlen ein Rekordniveau seit Beginn der Aufzeichnungen. Der EPA zufolge gab es im vergangenen Jahr 527.300 Personen mit Nebenerwerb. Das bedeutete einen Anstieg um fast 26.000 Betroffene im Vergleich zum Vorjahr und um 106.000 im Vergleich zum Jahr davor. Damit sind die Zahlen sogar höher als in den Jahren der Finanzkrise, als ähnliche Effekte beobachtet wurden.

Die 25.000 Betroffenen auf den Kanarischen Inseln sind jedoch nur offiziell gemeldete, statistische Werte. Die Gewerkschaften rechnen mit einer drastischen Dunkelziffer durch Schwarzarbeit.

Die Arbeitnehmervertreter sehen in der Schattenwirtschaft eine neue Realität auf dem Archipel. Denn neben der Schwarzarbeit ist auch die Arbeitslosigkeit auf den Kanaren ein bereits traditionell größeres Problem als anderswo in Spanien.

Betroffene haben also nicht nur Probleme, überhaupt einen Job zu finden. Wer nicht über die Runden kommt, hat entsprechend noch größere Probleme, zwei offiziellen Tätigkeiten nachzugehen.

Zuletzt war das 1314 Personen gelungen. Denn die EPA-Daten zeigen, dass im ersten Quartal 2022 – kurz bevor der Krieg in der Ukraine die Preise in die Höhe trieb – noch 23.951 Personen mit Zweitjob gemeldet waren.

Die Gewerkschaften rechnen bei der Schwarzarbeit mit wesentlich höheren Raten. Die Inflation habe viele Familienbudgets auf dem Archipel ausgereizt. Da die Lohnerhöhungen in Summe zu gering ausfiele, um das zu kompensieren, rechnen sie mit einer deutlich gestiegenen Zahl von Schwarzarbeitenden.

Die durchschnittliche Lohnerhöhung in den im Januar dieses Jahres auf den Kanarischen Inseln unterzeichneten Verträgen, lag bei 3,17 Prozent. Damit waren sie höher als im nationalen Durchschnitt. Dieser betrug 2,8 Prozent.

Die Zahl der Arbeitnehmer, die von diesen Erhöhungen profitieren konnten, ist jedoch sehr gering. Zudem lag auch diese verhältnismäßig größere Lohnerhöhung noch immer unterhalb der Inflationsrate, die im selben Monat die Lebenshaltungskosten auf dem Archipel um 6,3 Prozent ansteigen ließ.

Die Gewerkschaften stellten den Arbeitgebern in der vergangenen Woche ein Ultimatum für Lohnerhöhungen. Einher ging das mit der Warnung, dass der soziale Frieden zusammenbrechen würde, wenn kein Konsens gefunden werde.

In der Zwischenzeit rechnen sie mit einem weiteren Boom der Schwarzarbeit und der Nebenjobs. Beides werde insbesondere in den Sektoren Reinigung, Landwirtschaft und Tourismus gesehen.

Laut EPA und INE üben 461.000 der 527.000 Personen, die in Spanien einen Zweitjob haben, eine Tätigkeit im Dienstleistungssektor aus. Die Landwirtschaft ist der andere Wirtschaftszweig mit der höchsten Zahl an Zweitbeschäftigten. 30.000 weitere Personen mit Nebenbeschäftigung gehen dieser Art von Arbeit nach. Dann schließlich folgt die Industrie, in der 18.000 spanische Arbeitskräfte mit offiziellem Nebenjob gemeldet sind. Das Baugewerbe folgt mit 11.800 Betroffenen

Das Profil typischer Doppel-Beschäftigter ist national betrachtet ausgeglichen. So seien auf dort 51 Prozent von ihnen Männer und 49 Prozent Frauen. Allerdings liege der Männer-Anteil auf den Kanaren laut den Gewerkschaften bei bis zu 65 Prozent. Zusätzlich ist die Altersgruppe der Personen mit zwei oder mehr Jobs mehrheitlich zwischen 35 und 44 Jahren angesiedelt, während sie auf nationaler Ebene zwischen 45 und 49 Jahren liegt.

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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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