Kanaren: Die Preise steigen um bis zu 20 Prozent


Die Industrie auf den Kanarischen Inseln hat damit begonnen, die Preise um bis zu 20 Prozent steigen zu lassen. Der Grund seien gestiegene Rohstoff- und Energiekosten. Bisher habe man die eigene Marge geopfert, heißt es. Das das gehe nun nicht mehr.

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Die Kostensteigerungen für Rohstoffe und Transport kommen noch deutlicher beim Verbraucher an als bisher. Das hat die kanarische Industrie angekündigt. Die Preise für regionale Waren steigen demnach um bis zu 20 Prozent.

Der Sektor gab für auf den Kanaren hergestellte Produkte einen durchschnittlichen Preisanstieg von sieben bis acht Prozent an. Doch Vergleiche zeigen, dass einige Produkte einen Preisanstieg von bis zu 20 Prozent erfuhren.

Grund sind unter anderem gestiegene Rohstoff-Kosten. Außerdem sind einige Produkte rar, was die Preise nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage ebenfalls in die Höhe treibt.

Die Preissteigerungen richten sich insbesondere nach den Rohstoff-Kosten. Das berichtet Virgilio Correa, Präsident des Kanarischen Industrieverbands (Asinca). Er sagt: „Einige Produkte haben sich kaum verändert, bei anderen gab es keine andere Wahl als die Preise zu erhöhen.“ Der Grund sei simpel: „Weil ihre Rohstoff-Preise in die Höhe geschossen sind.“

Correa sagt, die Branche müsse bereits seit dem Jahr 2020 mit Preisanstiegen umgehen. „Von da an ging es bergauf und wir haben das ausgehalten. Aber jetzt ist es unmöglich, so weiterzumachen.“

Preise auf den Kanaren steigen: Container aus Asien wird zwölfmal teurer

Zu den gestiegenen Rohstoffpreisen komme eine Verdreifachung bei den Stromkosten. Außerdem habe die Fracht astronomische Höhen erreicht. Ein Container aus Asien kostete vor der Pandemie noch etwa 1500 Euro. Inzwischen müssen für den Transport  rund 18.000 Euro gezahlt werden. Und auch die Kosten für Verpackungen hätten sich etwa verdoppelt, was ebenfalls berücksichtigt werden müsse.

Pedro Ortega ist Geschäftsführer von „La Isleña“. Das Unternehmen gehört zu den wichtigsten im Bereich der kanarischen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Hergestellt werden unter anderem Pasta, Schokolade und Kakao. In einem Interview sagte Ortega zuletzt, dass die Branche „ein Jahr des Schmerzes“ hinter sich habe: „Noch nie gab es eine Situation wie diese, in der alles gleichzeitig steigt und es keine Möglichkeit gibt, den Anstieg einiger Kosten durch eine Senkung bei anderen auszugleichen.“

Krieg in der Ukraine ist einer der Preistreiber für die Kanarischen Inseln

Ortega sagt, die Branche habe fest damit gerechnet, dass die Kosten wieder sinken würden. Aus diesem Grund habe man sie lange Zeit mit geringeren Margen ausgeglichen. Doch nun sei klar, dass der Effekt so bleibe und entsprechend seien Preisanstiege unausweichlich.

„Wir zahlen seit Monaten das Doppelte für den Rohstoff eines Produkts wie Nudeln, das zu 100 Prozent aus Weizengrieß besteht.“ All das sei schwierig genug gewesen. Doch der Krieg in der Ukraine habe die letzte Hoffnung auf sinkende Preise genommen. „Wir versuchen alle, mittelfristige Verträge zu einem bestimmten Preis abzuschließen, aber die Situation ist sehr angespannt“, sagt Ortega.

Insel-Dasein der Kanaren ist für die Preis-Entwicklung negativ

Der Geschäftsführer von „La Isleña“ sagte, dass es einen weiteren Faktor für die Preissteigerungen auf den Kanaren gebe: Die Abgeschiedenheit des Archipels. „Auf den Inseln müssen wir über einen garantierten Vorrat verfügen, um Situationen zu vermeiden, wie wir sie vor ein paar Wochen beim Streik der Transportunternehmen auf dem Festland erlebt haben.“

Dies führe zu größeren Vorratshaltungen „und mehr Anlagevermögen bedeuten höhere Kosten.“ Ortega sagt, dass im Fall des ihm anvertrauten Unternehmens die Rohstoffreserven für drei Monate ausreichen würden. „Und das kostet Geld“. Dem pflichtet auch Correa bei. Ihm zufolge habe der Transportstreik in Spanien großen Schaden hinterlassen.

Verringerung des Packungsinhalts kommt auf den Kanaren nicht in Frage

Eine Alternative zu allgemeinen Preissteigerungen sind seit jeher geringere Packungsinhalte. Auch dadurch werden Preissteigerungen immer wieder unbemerkt an den Verbraucher weitergegeben.

Diese Praxis findet vor allem bei so genannten „Impulsprodukten“ Anwendung. Dabei handelt es sich um Waren, deren Kauf eng mit dem Preis verknüpft ist. Oft kosten diese Produkte beispielsweise 99 Cent. Steigt der Preis auf mehr als einen Euro, sinkt der Kaufimpuls. Also wird die Menge reduziert, damit der Preis vermeintlich stabil bleibt. Auf den Kilopreis gerechnet, ist das Produkt dennoch teurer geworden.

Auch wenn diese Praxis erlaubt ist, sei sie für viele Unternehmen auf den Kanarischen Inseln kein gangbarer Weg, sagt Ortega. Von der Verbrauchertäuschung abgesehen, sind auch Preissteigerungen durch Reduktion mit Kosten verbunden. Die Verpackungen müssen erneuert und die Kommunikation verändert werden. „Auch das hätte seinen Preis“.

Die Packungsgrößen bleiben bei vielen kanarischen Produkten also konstant. Dafür steigen die Preise. Im Durchschnitt vorerst um sieben bis acht Prozent. Sollte die Entwicklung auf dem Weltmarkt anhalten, wird es jedoch nicht dabei bleiben.

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Johannes Bornewasser ist Herausgeber von Teneriffa News. Er hat zudem die redaktionelle Verantwortung inne. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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