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Kanaren: Hungerlöhne machen junge Menschen “inakzeptabel” abhängig


Junge Menschen auf den Kanarischen Inseln müssen fast den gesamten Lohn für die Miete aufwenden. Die Lebensqualität leidet darunter.

Von Juan Martín Lesedauer: 3 Minuten

Keine Region in Spanien hat so viele Arbeitsplätze für junge Leute geschaffen wie die Kanarischen Inseln. Das geht aus Daten des zweiten Halbjahres 2022 hervor. Und doch gibt es große Probleme. Denn die 16- bis 29-Jährigen verdienen mitunter Hungerlöhne.

99,4 Prozent ihres Gehalts müssen junge Kanarios für die Miete aufwenden. Und damit ist es ihnen trotz Job unmöglich, unabhängig zu leben. Wohngemeinschaften oder das Wohnen bei der Familie sind somit für viele unumgänglich.

Zuletzt haben deutlich steigende Mieten und schlechtere Konditionen für Haubau-Kredite vor allem die junge Bevölkerung der Kanarischen Inseln getroffen. Denn das Durchschnittsgehalt der Menschen unter 29 Jahren liegt bei grade mal 12.000 Euro netto pro Jahr. Damit sind die Kanaren die Region Spaniens, die ihren Nachwuchs am zweitschlechtesten bezahlt.

“Inakzeptable” Abhängigkeit junger Menschen auf den Kanaren

Nur in Extremadura verdienen junge Arbeitnehmende noch weniger. Und das führt auf den Kanaren dazu, dass lediglich 15,8 Prozent der Unter-30-Jährigen komplett unabhängig sind. Diese Zahl wiederum spiegelt auch den nationalen Durchschnitt wider, der bei 15,9 Prozent liegt.

All das geht aus dem Bericht des Emanzipationsobservatoriums des spanischen Jugendrates hervor, der am Montag auf Gran Canaria vorgestellt wurde. Und obwohl mehr junge Menschen auf den Kanaren eigenständig leben als noch Mitte 2021, liegt die Zahl weiter deutlich unter den 20,3 Prozent, die die Kanarischen Inseln noch im Jahr 2017 erreichten.

Selbst diese bisherige Rekord-Zahl lag noch “deutlich unter dem, was im europäischen Vergleich für die Jugendemanzipation als akzeptabel angesehen wird”, sagt Brenda Rivero, Präsidentin des Kanarischen Jugendrats.

Mehr Arbeitsplätze für junge Leute auf den Kanarischen Inseln

Andererseits hebt Rivero positiv hervor dass auf den Kanarischen Inseln zuletzt die meisten Arbeitsplätze für junge Leute geschaffen wurden. Mit 42,2 Prozent sei erstmals seit sechs Jahren sogar den Landesdurchschnitt um einen Prozentpunkt übertroffen worden. Die Arbeitslosenquote sank dadurch auf 20,7 Prozent. Für Rivero sind diese Werte “durchaus lobenswert”.

Insbesondere der Tourismus und der Handel sorgten für den Anstieg bei den Arbeitsplätzen für junge Menschen. Allerdings weist Rivero darauf hin, dass Arbeitsplätze “von geringer Qualität und mit eher schlechten Löhnen geschaffen wurden”.

Junge Arbeitnehmer auf den Kanaren öfter unbefristet

Wiederum positiv sei, dass sich auf den Kanaren die Zahl junger Arbeitnehmender mit unbefristeten Verträgen verdoppelte. Das sei eine Folge der Arbeitsreform, die befristete Arbeitsverhältnisse einschränkte. Waren im zweiten Halbjahr 2021 noch 46.061 junge Erwachsene dauerhaft fest angestellt, stieg die Zahl innerhalb eines Jahres auf 88.474. Die Teilzeitbeschäftigung sank unterdessen von 66,5 auf 35,2 Prozent.

Doch auch bei diesen Werten gibt es einen Wermutstropfen. Denn während junge Männer eine Quote befristeter Arbeitsverhältnisse von 28,1 Prozent erreichen, liegt sie unter Frauen bei 43,1 Prozent. “Auf den Kanarischen Inseln besteht ein sehr großes Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern”, fasst Rivero zusammen.

Kanaren: Experten fordern höhere Löhne und besser Mietpolitik für junge Erwachsene

Mit Blick auf die nächst ältere Gruppe sagt Rivero, dass auch unter den 30- bis 34-Jährigen noch immer viele Menschen mit geringem Lohn zu kämpfen hätten. Die Quote derer, die weiterhin in Abhängigkeit leben, liege auch in dieser Altersgruppe noch bei 40 Prozent.

Rivero sagt, dass es sich um eine Problematik handle, die nur strukturell, also politisch, beseitigt werden könne. Dem Präsidenten des Sozialrats der Jugend in Spanien, Juan Antonio Báez, geht das nicht weit genug. Neben der Beschäftigungspolitik müsse ihm zufolge auch die Situation des Wohnungsmarkts verändert werden. “Es hilft nicht, wenn die Gehälter verbessert werden, so lang die Preise für den Wohnraum weiterhin stärker steigen als die Gehälter”, sagt Báez.


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Juan Martín ist redaktioneller Mitarbeiter von Teneriffa News. Zu seinem Autorenprofil geht es hier.

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