Die Corona-Pandemie beeinflusst den kanarischen Arbeitsmarkt auch künftig. Als Reaktion auf Jobverlust und aus Angst vor einer längeren Arbeitslosigkeit versuchen sich nun mehr Menschen als Selbstständige. Das geht aus jüngst veröffentlichten Zahlen des nationalen Statistikamts hervor.
Es ist der gleiche Effekt wie zur Wirtschaftskrise 2008: Zwischen April und Juni sind auf den Kanarischen Inseln rund 108.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Dieser enorme Jobverlust über viele Branchen hinweg verleitete genau wie damals auch diesmal viele Menschen dazu, sich in der Selbstständigkeit zu versuchen. Die Zahl der entsprechenden Meldungen stieg genau zur heißen Phase der Pandemiewelle, sprunghaft an.
Im zweiten Quartal dieses Jahres waren knapp 28.000 mehr alleintätige Selbstständige gemeldet als zum gleichen Zeitpunkt 2019. Für José Miguel González ist das eine logische Konsequenz aus der aktuellen Situation. Der Wirtschaftswissenschaftler sagt: „Einerseits gibt es Unternehmen, die die Modalitäten ihrer Arbeitsbeziehungen ändern und für bestimmte Dienstleistungen einfach auf Selbstständige zurückzugreifen können.“
Kanaren: „Die Hoffnung vieler Arbeitnehmer schwindet“
Zum Anderen – und das ist für González der tendenziell wichtigere Grund – schwinde die Hoffnung vieler Arbeitnehmer, einen traditionellen Job zu finden. Daher versuchten sich viele Menschen kurzerhand in der Selbstständigkeit, sagt er.
Für den Ökonom ist es daher enorm wichtig, dass die Politik ein Auge auf diese Arbeitergruppe habe und im Notfall mit gezielte Programmen helfe: „Überwachung und Unterstützung dieser Unternehmer mit Ratschlägen zu Themen wie Verwaltungsmanagement, Steuern, Digitalisierung oder Marketing“ sei enorm wichtig.
Viele der Betroffenen hätten eine Großteil ihres Arbeitslosengeldes in die Gründung gesteckt. Aus diesem Grund „haben sie ein hohes Risiko für Schulden und kein Einkommen mehr. Daher die Notwendigkeit, sie zu beraten“, sagt González.
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