Ölteppich erreicht Gewässer vor Teneriffa und La Gomera

Auf Gran Canaria sind die Strände bereits mit Öl-Resten kontaminiert, dem Süden Teneriffas und Teilen von La Gomera droht nun ebenfalls die Verschmutzung zahlreicher Strände. Mitte April war vor Gran Canaria ein mit 1400 Tonnen Treibstoff beladener Fischtrawler gesunken. Das aus dem Wrack austretende Öl treibt nach einem Wetterwechsel auf die Kanarischen Inseln zu. Umweltschützer sind in Alarmbereitschaft und kritisieren die Politik.

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Über Jahre haben Verantwortliche der Kanarischen Inseln gegen geplante Öl-Bohrungen unweit des Archipels auf dem Atlantik protestiert. Befürchtet wurde eine Ölpest. Es wäre der Gau für einen Flecken Erde, der von seiner Flora und Fauna und vor allem vom Tourismus lebt – der vor allem aber einfach stolz auf seine Natur ist.

Gran Canaria: Anwohner reinigen Strände vom Öl

Als Anfang des Jahres die Nachricht von den für eine industrielle Förderung zu kleinen Öl-Vorkommen verbreitet wurde, folgte eine kaum in Worte fassbare Erleichterung bei Insel-Bewohnern und Lokalpolitikern. Dass nun ausgerechnet ein Schleppnetz-Fischkutter das Idyll ins Wanken bringt, sorgt auf den Inseln für Unverständnis und Wut.

Auf Gran Canaria schlägt diese Wut bereits in Tatendrang um. Zahllose Bewohner helfen speziell ausgebildeten Räumtrupps dabei, die klebrigen Ölflecken von den Stränden zu beseitigen. Einige sind fingernagelgroß, andere haben den Durchmesser eines Fußballs.

Der WWF, Greenpeace, oder Ecologistas en Acción, die größte Umweltschutzorganisation Spaniens, beobachten inzwischen jeden Schritt der staatlich organisierten Aufräum- und Aufklärungsarbeiten.

Mitten in diese drohende Umwelt- und PR-Katastrophe des auf den Tourismus angewiesenen Archipels platzte über das Wochenende die Nachricht von der auf Teneriffa und La Gomera zu schwappenden Öl-Welle. Ausgerechnet durch einen ganzjährig von Walen und Delfinen bewohnten Bereich könnte die klebrige Masse schon bald treiben.

Ölteppich vor den Kanaren: Politik unter Beschuss

Der Inselpräsident der größten Kanareninsel Teneriffa, Carlos Alonso, machte sich gemeinsam mit Experten des WWF per Flugzeug ein Bild von der Lage. Alonso bestätigte schließlich am Samstagnachmittag was längst gemunkelt wurde: Das Öl nähert sich der Südspitze der Teneriffas. Sogleich betonte der Politiker, dass die Ölschicht nur sehr dünn sei und bereits mit Booten zerstreut werde.

Der Zweifel am staatlichen Krisenmanagement steigt innerhalb der Bevölkerung dennoch zunehmend. Befeuert von den Vorwürfen des Kapitäns der gesunkenen Oleg Naydenov, der dem Schifffahrtsamt Aktionismus und Fehlentscheidungen vorwarf, wächst die Wut auf die Verantwortlichen. Diese hatten das brennende Schiff nach mehreren erfolglosen Löschversuchen auf den Atlantik hinaus gezogen. Damit sollte eine Öl-Katastrophe im Hafen von Las Palmas de Gran Canaria und damit in direkter Küstennähe verhindert werden.

Doch das Schiff sank am 14. April früher als geplant nur 25 Kilometer vor der Küste Gran Canarias. Seither läuft permanent Öl aus dem Wrack, das in etwa 2700 Metern Tiefe liegt. Ein Spezial-Schiff prüft seit Tagen mit einem Roboter alle Möglichkeiten, das Öl abzupumpen oder wenigstens den Tank des Schiffes abzudichten. Bisher jedoch wurde kein Erfolg vermeldet.

Ölteppich erreicht Teneriffa

Während am Wochenende auf Gran Canaria kaum neue Öl-Flecken gezählt wurden, droht nun Teneriffa eine Verunreinigung. Am Samstag war von 40 Kubikmetern Öl die Rede. Einzelheiten sickern jedoch nur sehr langsam durch, was die Wut der Anwohner stetig wachsen lässt.

Auch Ecologistas en Acción wirft Spaniens Verkehrsministerin Ana Pastor stellvertretend für alle Verantwortlichen vor, das Problem klein zu reden. Besonders die Aussage, dass die Öl-Welle von den Inseln weg aufs offene Meer schwappe, verärgerte die Umweltschutzorganisation.

Inzwischen stellt sich den Experten nicht mehr die Frage ob Teneriffa ebenfalls betroffen sein wird, sondern nur noch wann und wie stark. Dies hängt von Wind- und Strömungsverhältnissen ab. Einzelheiten werden in den kommenden Stunden und Tagen erwartet.

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Veröffentlicht in: Kanaren, Aktuelle Nachrichten, Teneriffa

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